Damit der Verkehr zügig rollen kann

Autobahnausfahrt für den Europa-Park

Von unserem Redakteur Hubert Fetterer

RINGSHEIM / RUST. Am heutigen Dienstag um 12 Uhr findet der Spatenstich für die Autobahnausfahrt Ringsheim statt. Damit sollen jetzt die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, da? der Verkehr zum Ruster Europa-Park im Jahr 2002 zügig rollen kann. Doch so lang die Staus auf den Stra?en in den vergangenen Jahren waren, so verwirrend ist die Vorgeschichte dieser Ausfahrt

Im Jahr 1975 öffnet der Europa-Park seine Pforten. Im Jahr darauf kommen bis zu 15 000 Besucher pro Tag. Die Bevölkerung der Nachbargemeinden von Rust protestiert gegen das hohe Verkehrsaufkommen. 1977 lehnt das Autobahnamt eine sogenannte "Europa-Park-Ausfahrt" mit der Begründung ab, diese würde zu nahe bei der Ausfahrt Ettenheim liegen. Au?erdem stünde eine Ausfahrt für ein Freizeit-Unternehmen nicht zur Debatte. In den kommenden Jahren kommt es während der Sommermonate zu regelmä?igen Staus auf der Autobahn und den umliegenden Zufahrtsstra?en nach Rust.

Im März 1983 stimmt der Gemeinderat Herbolzheim für eine Autobahnausfahrt Herbolzheim als Entlastung der Ortsdurchfahrten von Herbolzheim und Kenzingen. Der Bau dieser Ausfahrt wurde aber schon zu Zeiten vor dem Europa-Park geäu?ert.

Die Diskussionen um eine Anbindung des Parks an den Autobahnanschlu? erreichen 1984 einen ersten Höhepunkt. Dabei macht auch der Vorschlag, Besucher aus dem Elsa? per Bimmelbahn von der Rheinfähre Kappel zum etwa sieben Kilometer entfernten Park zu bringen, die Runde.

Ernsthaft zur Diskussion stehen bald andere Varianten: Etwa die Umfahrung von Niederhausen, die dort auf Ablehnung stö?t. Ein Ausbau der sogenannten Heuwegtrasse scheitert letztlich am Widerstand von Naturschutzverbänden, die den seltenen Brachvogel schützen wollen. Die von Politikern aus Land, Kreis und einigen Gemeinden favorisierte sogenannte autobahnparallele Trasse - eine etwa drei Kilometer lange Stra?e von der Ausfahrt Herbolzheim direkt entlang der Autobahn bis zur Kreisstra?e von Ringsheim nach Rust - stö?t in Rust und Ringsheim auf Widerspruch, weil wertvolles Ackerland verbraucht würde.

1987 empfiehlt die Landesregierung, die Heuwegtrasse nicht zu bauen, legt sich aber auch nicht auf eine Alternative fest. Erneut wird in der Region der Vorschlag nach einer "Behelfsausfahrt Ringsheim" laut, doch Bund und Land sind nach wie vor dagegen.

Im ersten Halbjahr 1988 stimmen die beiden Kreistage im Landkreis Emmentingen und in der Ortenau für die Autobahnparallele. Kommentar des SPD-Landtagsabgeordneten Walter Caroli: "Blanker Unsinn"

Im September 1989 ist Spatenstich für die Ausfahrt Herbolzheim. Die Diskussionen um die Autobahnparallele indes gehen weiter.

1990 gelangt das Regierungspräsidium Freiburg zur Einsicht, da? eine Anschlu?stelle bei Ringsheim "eine Untersuchung wert sei". Im Jahr darauf unterstützt der damalige baden-württembergische Verkehrsminister Thomas Schäuble die Ausfahrt.

1992 stellt Bundesverkehrsminister Günter Krause den Bau "in vier Jahren" in Aussicht, lehnt aber eine Kostenbeteiligung des Bundes ab. Wenig später will der Verkehrsausschu? in Bonn nochmals alle Varianten - auch die Heuwegtrasse und die autobahnparallele Trasse - geprüft wissen. Für die beiden Bundestagsabgeordneten der Region, Haungs und Haas, gibt es Schelte aus der Heimat.

Ende Juli 1994 liegt endlich eine vom Ortenauer Kreistag bereits 1991 in Auftrag gegebene Untersuchung vor: Ergebnis: Die Ausfahrt Ringsheim ist die beste Lösung. Wenige Tage später stauen sich die Fahrzeuge derEuropa-Park-Besucher 16 Kilometer lang auf der Autobahn. Die Polizei rät den Wartenden zur Umkehr. Weit über zwei Millionen Besucher kommen inzwischen jedes Jahr in den Park.

1995 liegt die Ausfahrt bei Ringsheim erneut auf Eis. Die Bürgermeister der Region fordern, da? Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann die Angelegenheit zur Chefsache erklärt. Im Dezember verkündet Wissmann schlie?lich bei der Eröffnung eines Stra?entunnels in Hausach: "Die Autobahnausfahrt Ringsheim wird gebaut".

Geschätzte Kosten damals: Sechs Millionen Mark für die Ausfahrt und weitere 19 Millionen für den Ausbau der Kreisstra?e und die Ortsumfahrungen Ringsheim und Rust.

Inzwischen geht man bereits von Gesamtkosten in Höhe von 35,5 Millionen Mark aus. 20 Millionen Mark hat der Europa-Park bereits in ein neues Parkplatzsystem investiert. Ab 2002 sollen die Fahrzeuge dann morgens auf einer dreispurigen Trasse zügig und zweispurig zum Park rollen, abends zweispurig zurück. Bis dahin dürften es durchaus drei Millionen Besucher im Jahr sein.

© 1999 Badische Zeitung