Kontakte, spenden - und doch ging nichts voran

Die CDU zeigte sich gern im Europa-Park: Nun muss Roland Mack gegen das Gerücht kämpfen, er habe für eine Stra?e gezahlt

Von unserer Redakteurin Petra Kistler

Roland Mack ist Unternehmer. Ein erfolgreicher. Einer der, wie selbst stolz sagt: "tolle Kontakte zur Politik hat". Darauf war er immer stolz. Jetzt, mitten in der CDU-Parteispendenaffäre, wird es zum Problem. Etwa wenn Boulevard-Reporter anrufen und behaupten, der Autobahnanschluss des Europa-Parks sei mit Parteispenden erkauft worden. "Mein Vater hat sich nie etwas erkauft, und ich habe mir nie etwas erkauft", sagt Roland Mack. Der Unterton ist nicht zu überhören. Die Macks bringen Leistung, soll dies hei?en, die Macks haben es nicht nötig, sich etwas zu erkaufen.

Natürlich hat auch der Europa-Park gespendet: Keine gro?en Summen. Keine Beträge, die im Rechenschafbericht eigens ausgewiesen werden müssen. Einige tausend Mark. Alles völlig legal, alles korrekt verbucht, für alles gibt es Belege, sagt Mack: "lch habe ein gutes Gewissen". Es ist auch nicht so, dass Roland Mack nur dem örtlichen CDU-Abgeordneten ein bisschen unter die Arme griff. Die Sozialdemokraten bekamen auch Geld. Vier Jahre lang regierte in Stuttgart die Gro?e Koalition - da wäre es dumm gewesen, nur einer Partei etwas spenden. Zudem ist Roland Mack in keiner Partei. "Die Leute bitten um Unterstützung" und dann gibt man halt, sagt Mack, "das ist bei den örtlichen Vereinen so, und bei den Parteien ist es nicht anders". Gro?e Bedeutung haben Macks dem nie beigemessen. Politische Landschaftspflege? Die Buchungen liefen eher in der Kategorie rausgeschmissenes Geld. Das liegt am Denken von Ingenieuren. "Für den Vater war das, als ob man Luft kaufen würde" sagt der Junior. "Schrauben wären ihm lieber gewesen".

Spenden gab es für alle. Geholfen hat die Unterstützung nicht. Mehr als zehn Jahre kämpfte Roland Mack um die Anbindung an die Autobahn. Der Park wuchs, die Anrainergemeinden erstickten im Verkehr, der Rückstau reicht im Sommer bis zur Autobahn - doch die Politik lie? sich Zeit. Jedem Politiker, der ihm über den Weg lief,wurde die Misere geschildert, jedem wurden die Gutachten mit Verkehrszählungen und Trassenvarianten gezeigt. Im Park haben alle verständnisvoll genickt, erinnert sich Mack "Kaum waren sie um die nächste Kurve, hatten sie alles vergessen". Konkurrenten wie Warner im Ruhrgebiet bekamen Millionen an Subventionen, der Europa-Park ( "1,3 Milliarden Mark Steuern haben wir in den 25 Jahren gezahlt" ) keine Mark. Stattdessen gab`s ein fröhliches Stelldichein der Politprominenz. Bundespräsident Roman Herzog, Rita Süssmuth, Manfred Kanther, Claudia Nolte, Wolfgang Schäuble, Erwin Teufel, die komplette Ministerriege aus Baden-Württemberg - alle waren sie im Park. Alle lie?en sich neben den putzigen Plüsch - Maskottchen abbilden, winkten fröhlich aus Achterbahnen in die Kameras. Das war`s denn auch.

Im Freizeitpark Rust traf sich die baden-württembergische CDU mit 6000 Parteifreunden zum Familienfest, Hermann Schaufler, damals noch Verkehrs und Umweltminister, feierte dort seinen 50. Geburtstag. Wurde in Bonn gefeiert, war die Showtruppe des Parks dabei. "Das gehört zum Marketing", sagt Roland, "wir treten auch kostenlos beim Deutschen Fu?ball-Bund, bei Focus, beim Ball des Sports oder im Schwarzwald auf." Macks sammelten Prominenz wie Kinder Klebebildchen". Alle kamen", sagt Mack,"aber alle kamen freiwillig". 2000 Mitarbeiter, drei Millionen Besucher im Jahr, 700 Millionen Mark Investitionen in 25 Jahren - Erfolg macht attraktiv. Nur einer wollte nicht kommen. Helmut Kohl, der Kanzler, blieb stur. Selbst die Vermittlung von Ehefrau Hannelore half nicht. Er mache nicht den Affen im Freizeitpark, wischte er die Einladungen vom Tisch. Dann kam er doch. 1997, beim Parteitag der Südwest-CDU, stellte Kohl in Rust seinen Nachfolger Wolfgang Schäuble vor. Anderthalb Jahre später, im Mai vergangenen Jahres, durfte Roland Mack auf dem Ticket der baden-württembergischen CDU zur Wahl des Bundespräsidenten nach Berlin fahren. War dies der Dank? "Es gab keine Mauschelei", sagt Mack, "ob Essen, Show, Tagungsräume, Zimmer - alles wurde ordentlich abgerechnet und bezahlt". 40 000 Mark hat der Parteitag die CDU gekostet. Belege sind vorhanden, hei?t es bei der CDU.

Als Roland Mack seinen Fünfzigsten feiert, hält Helmut Kohl, der Altkanzler, die Laudatio. Als Dank bekommt Hannelore Kohls Stiftung einen gro?zügigen Scheck. Zur Eröffnung des neuen Hotels spricht Ministerpräsident Teufel warme Worte, seine Frau Edeltraud erhält einen Scheck für wohltätige Zwecke. Verbindungen mag Roland Mack, nicht sehen. "Einen Kaffee bekommt der Ministerpräsident natürlich umsonst", sagt Mack. Die ?bernachtung im Hotel werde bezahlt. Darauf lege schon das Staatsministerium gro?en Wert. Und heimlich war ohnehin nichts: Im Foyer des Hotels ist auf vielen Bildern dokumentiert, welche Prominenten den Macks ihre Aufwartung machten. Der Bundesparteitag der CDU wird nun doch nicht im Park stattfinden. Roland Mack kann die Absage verschmerzen. Das Image seines Freizeitparks könnte unter den negativen Schlagzeilen leiden. Die Kontakte aber bleiben: Hannelore Kohl hat Roland Mack erst vergangene Woche getroffen. Sie hielt, auf seinen Wunsch, die Festrede bei der Auszeichnung zum "Hotelier des Jahres". Sie kennen sich, sie mögen sich. ?ber Geld wurde an diesem Abend nicht geredet.

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