Ruster sterben nicht mehr so arm

Bürgermeister Goreckv beim Jubiläum des Europa-Parks: Eine Erfolgsstory für beiden Seiten: Das Unternehmen und die Gemeinde

Von unserem Redakteur Hubert Fetterer

RUST. Der Europa-Park feierte am Mittwochabend mit einer phantastischen Party sein 25-jähriges Bestehen. Bürgermeister Günter Gorecky schlug in seiner Glückwunschrede den Bogen in die Vergangenheit. Denn begonnen hat die Erfolgsstory des Marktführers unter den deutschen Freizeitparks am 2. Januar 1974.

An diesem Tag formulierte der damalige Bürgermeister Erich Spoth ein Schreiben an das Landratsamt, dass die Firma Mack und Tiemann beabsichtige, den Tier- und Märchenpark zu erweitern und auszubauen. Die Gemeinde sei sehr interessiert, weil sie sich davon eine wirtschaftliche Belebung, neue Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen erhoffe, warb Spoth um Zustimmung.

Ergebnis der Bemühungen war die Eröffnung des Europa-Parks am 12. Juli 1975. Gorecky gratuliert zum 25. Geburtstag namens der gesamten Bevölkerung und des Gemeinderats. Den einst prophezeiten Pleitegeier habe bis jetzt noch niemand über Rust kreisen sehen. Dafür hätten sich wieder Störche, Symbole der Fruchtbarkeit, in Rust angesiedelt.

Dass mit dem Park der Aufschwung der Gemeinde begann, belegte Gorecky mit Zahlen. 1975 hatte das damals arme Bauern- und Fischerdorf gerade mal 2400 Einwohner, bis Ende der 80-er Jahre stieg die Zahl allmählich auf 2600, und heute leben 3500 Menschen in der Gemeinde.

Der Ruster Rathauschef bat um Verständnis, dass er im Hinblick auf das Steuergeheimnis nicht näher auf die Gewerbesteuereinnahmen einging. Aber die wirtschaftliche Belebung belegte er anhand einiger Zahlen eindrucksvoll. 1986 wurde das erste Hotel mit 38 Betten eröffnet. Das Angebot stieg bis 1989 auf 65 Betten, heute verfügt der Ort - einschlie?lich "El Andaluz" und ,"Castillo Alcazar" - über acht Hotels, neun Pensionen und 77 Anbieter von Privatzimmern. 2500 Gästebetten stehen bereit, vergangenes Jahr hatte die Gemeinde über 300 000 ?bernachtungen zu verzeichnen.

Diese Entwicklung, stellte Gorecky klar, sei ohne den Europa-Park nicht möglich gewesen. Der Park habe in den letzten 25 Jahren eine beispielhafte, positive Entwicklung genommen, von der die Gemeinde profitierte. "Die Ruster sterben nicht mehr so arm, wie es in ihrer Nationalhymne hei?t" meinte der Bürgermeister schmunzelnd.

Dennoch, dies verdeutlichte Gorecky nachdrücklich, sei der Erfolg des einen nicht ohne den anderen denkbar. Und er zog den Vergleich zu einem Ehepaar, das silberne Hochzeit feiert: "Wie in jeder Ehe gibt es Höhen und Tiefen, die es zu meistern gilt". In diesem Sinne dankte er für 25 Jahre erfolgreiches Miteinander und wünschte der Familie Mack weiterhin Fortune bei der Bewältigung neuer Herausforderungen.

Geschäftsführer Jürgen Mack würdigte die Aufbau- und Zusammenarbeit von Günter Gorecky und dessen Amtsvorgänger Erich Spoth bereits bei seiner Begrü?ungsansprache an die rund 800 Festgäste - darunter die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel und Kultusministerin Annette Schavan.

Roland Mack hob hervor, dass Europa im Park keine Vision mehr sei. Sein besonderer Dank galt auch den Mitarbeitern in Waldkirch und Rust. Der geschäftsführende Gesellschafter stellte erneut klar, dass der Gang des Familienunternehmens an die Börse derzeit kein Thema sei. Au?erdem gab er bekannt, dass wegen der neuen "Poseidon" Wasserachterbahn bereits Kunden aus den USA und Japan Interesse angemeldet hätten: Perspektiven zur Sicherung von Arbeitsplätzen.

Mit einem üppigen Büffet, künstlerischer Unterhaltung, einem Feuerwerk und einer Disco wurde das Jubiläum abwechslungsreich umrahmt.

© 2000 Badische Zeitung