Beim Zeus, diese Party hat sich gewaschen

Der Europa-Park in Rust setzt seinen 25. Geburtstag professionell in Szene / 800 Gäste feiern ausgelassen mit den Macks

RUST. Die Götter müssen verrückt sein, lassen einfach Regenwolken aufziehen und blasen einen kühlen Wind nach Rust. Als ob sie nicht gewusst hätten, dass dort ein ausgesprochen sonnenträchtiges Ereignis bevorsteht: Zum 25. Geburtstag eröffnete der Europa-Park seinen neuen griechischen Themenbereich mit einer gigantischen Party samt Feuerwerk und Show, und 800 Gästen in sommerlicher Garderobe. Doch die Macks wären nicht die Macks, wenn sie auf widrige Umstände nicht zu reagieren wüssten. Also stehen am Eingang kistenweise Regenschirme für die Gäste bereit: Vertreter aus Politik und Wirtschaft, aus Kultur, Medien und Sport. "Ja", wird später Geschäftsführer Jürgen Mack betonen ,"der Europa-Park hat viele Freunde in allen Bereichen."

Sein Bruder Roland Mack, unermüdlicher Motor des Parks, würde am liebsten jeden einzeln begrü?en. Ein Ding der Unmöglichkeit, wie der Parkchef im Laufe des Abends selbst feststellt. Denn würde er jedem nur eine Minute widmen- er wäre 15 Stunden lang beschäftigt. Trotzdem kommt er nicht zur Ruhe. Sogar vom gro?en Buffet lässt er sich von seiner Pressechefin abholen, um Journalisten Rede und Antwort zustehen. So viel Zeit nimmt sich Angela Merkel nicht. Die Vorsitzende der Bundes-CDU kommt punktgenau nach Rust, eilt zur Festansprache, mit der sie das Familienunternehmen Mack artig lobt, und danach ist sie schon wieder weg. Auch die Jungfernfahrt in der neuen Wasserachterbahn "Poseidon" überlässt Angela Merkel lieber der Kollegin Kultusministerin aus Baden-Württemberg. Annette Schavan scheut Abstürze nicht. Und zählt somit zu den ersten Freiwilligen, die sich auf die rasante Fahrt zwischen Himmel und Wasser einlassen.

Und nun, wohin nur mit dem Regenschirm? Das fragen sich später manche, die am Anfang noch um Galaoutfit und Frisur gefürchtet hatten. Denn die Götter Griechenlands zeigen doch noch Einsicht. Im Zweifelsfall mag das Sto?gebet von Nikolaos Sotiriou vom griechischen Generalkonsulat gewirkt haben. Er flehte gen Olymp: "Mögt Ihr uns wenigstens heute von Regen verschonen".

Tausend Farben, ebenso viele Formen und ein gro?er Knall. Wenn der Europa-Park neue Attraktionen einweiht ist der Himmel über Rust meist schwer gebeutelt. Erst muss er ungezählte Luftballons in den griechischen Nationalfarben abfangen. Dann schie?t ihm auch noch ein Feuerwerk entgegen, das seinesgleichen sucht.

"Beim Zeus, das ist eine Fete, die sich gewaschen hat", schwärmt ein Festgast in der Tempeldisco. Im Bahnhof der "Poseidon" Bahn, wird den Partygästen abschlie?end eingeheizt. Da kann man Gotthilf Fischer, Leiter der gleichnamigen Chöre, ebenso beim "Abhotten" erleben wie den CDU-Landtagsabgeordneten Alfred Haas und den früheren Freiburger Regierungspräsidenten Conrad Schroeder.

Die letzten, hei?t es, brechen gegen fünf Uhr morgens auf. Ein Unermüdlicher setzt am nächsten Tag ein Rundmail an seine Freunde ab: "Habe von den vielen Pfützen doch ein bisschen Kopfweh". Den Regenschirm hat er au?erdem im Tempel vergessen.

© 2000 Badische Zeitung