Die Expansionspläne der Europa-Park-Betreiber machen die Regio nervös

Unternehmer fahren Achterbahn

Von Yvonne Schweickhardt und Birgit Eichinger.

Der Europa -Park will wachsen. Von derzeit 62 auf 180 Hektar. Und die Gerüchteküche brodelt. Vor allem deshalb weil keiner genau wei?, was sich im Kopf des erfolgreichen Unternehmers Roland Mack alles zusammenbraut.

Die Kurzentren Bad Krotzingen und Badenweiler befürchten, dass Mack ein Thermalbad mit Wellnessbereich bauen könnte: "Junge Leute würden Macks Badewelten den traditionellen Thermalquellen bestimmt vorziehen", sagt Ekkehart Meroth, Bad Krozingens Bürgermeister.

Im Regierungspräsidium Freiburg werden ebenfalls Bedenken gegn die Expansionspläne laut: "Falls ein Einkaufspardies auf der Grünen Wiese in Planung sein sollte, sind wir dagegen", sagt Regierungspräsident Sven von Ungern-Sternberg. Zusammen mit Freiburgs Wirtschaftsförderer Bernd Dellmann will er verhindern, dass in Rust ein zweites Kongresszentrum entsteht: Dann gäbe es in Freiburger Hotels noch mehr leere Betten als bisher. Die Geschäftsleute würden in Erlebnishotels im Stile eines "El Andaluz" absteigen und dem eher sterilen Intercity-Hotel den Rücken kehren. Die gro?en Kongresse könnten künftig vis a vis von Achterbahnen und Euro-Mäusen stattfinden. Da Roland Mack auch verstärkt Funk- und Fernsehübertragungen von Gro?-Events aus dem Europa-Park anvisiert, könnte sich am Ende keiner mehr für die Veranstaltungen auf der Freiburger Messe interessieren, mault ein weiterer Kritiker, der allerdings ungenannt bleiben will.

Auch ?kologen und Tierfreunde melden Bedenken an, wenn es um den Spa?park geht: Weitere Bauten würden das ökologische Gleichgewicht gefährden und wandernden Tierenden Lebensraum entziehen, warnt der Naturschutzbund.

Parkchef Roland Mack versteht die ganze Aufregung nicht: "Man kann nicht in der ?ffentlichkeit diskutieren, was noch nicht mal in der Schublade ist." Die derzeitige Diskussion sei verfrüht und in einer Park-Erweiterung den Untergang der Wirtschaft in der Region zu sehen, sei "kleinkariert". Er setzt nicht auf Konkurrenz, sondern auf Zusammenarbeit. "Wir sitzen doch alle im gleichen Boot", sagt er und fordert die Kommunen auf, den Schwarzwald gemeinsam als Tourismuslandschaft zu vermarkten.
Mack hat die ständigen Angriffe satt. Eher hält er die Frage für angebracht, was sein Spielparadies "als junges Angebot in zentraler Lage" für die Regio gebracht hat. Insgesamt profitieren mehr als 6000 Arbeitnehmer in der Region von den Millionen-Investitionen. Die Auftragslage der örtlichen Handwerksbetriebe ist bestens.

Viele Ruster erkennen das an: "Das bisschen Verkehr muss man eben in Kauf nehmen - schlie?lich zahlt erjährlich Gewerbesteuern wie kein Zweiter", meint eine ältere Bürgerin. Sie ist stolz auf das schmucke Aussehen ihres Dorfes. Doch die Autokolonnen, die sich durch den Ort wälzen, bringen Lärm, Staub und Abgase. Im Schnitt kommen 14 000 Besucher pro Tag, in der Hochsaison sogar bis zu 25 000. Insgesamt sind es drei Millionen Gäste pro Jahr. Entlastung verspricht man sich von der neuen Autobahnausfahrt, die 2002 in Betrieb genommen werden soll.

Von seinen Kritikern fordert Mack das Verständnis dass sich der Europa-Park ständig weiter entwickeln muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben: "Wir brauchen neue Hotels sowie einen Campingplatz" sagt er, "die Gäste sind wegen der ständig ausgebuchten Hotels unzufrieden". Zudem streitet er ab, in die Wellness-Branche oder ins Kurgeschäft drängen zu wollen: "Wir organisieren keine Vergnügungen für Rentenklubs. Unsere Action gibt es nicht auf Krankenschein", sagt Mack.
Mack dementiert, er habe schon "fertige Pläne in der Schublade" und rücke sie nicht heraus, um den Regionalverband Südlicher Oberrhein im Unklaren zu lassen. Dieses Gremium muss über den Antrag der Ruster und Ringsheimer Gemeinden entscheiden, rund 70 Hektar des Grünzuges entlang der A5 dem Freizeitpark zu opfern. Verschiedene Gutachten sollen nun klären helfen welche Auswirkungen - auf Verkehr, Umwelt sowie das wirtschaftliche Umfeld - mit einer Parkerweiterung verbunden wären. Dies fällt umso schwerer je verschwommener Roland Macks Pläne bleiben.Doch der Unternehmer wirbt um Gelassenheit: "Noch ist doch gar nichts entschieden". Und Sorgen macht sich der Kopf des deutschlandweit grö?ten Freizeitimperiums ohnehin nicht. Roland Mack: "Dann schaut man sich eben andere internationale Standorte an".

© 2001 Der Sonntag im Dreiland