Damit die Herzen höher schlagen

Der Europa-Park öffnet die Pforten für Benachteiligte/Insgesamt kamen schon 430 000 Gäste

RUST. Normalerweise ist er grö?eres Publikum gewohnt. Doch mehr als drei Dutzend Zuhörer wollten Baden-Württembergs Sozialminister Friedhelm Repnik gestern im Europa-Park nicht hören. Trotzdem nahm er es gelassen. "Wenn die anderen alle im Park unterwegs sind, ist der Sache ja bestens gedient", scherzte der CDU-Politiker, der angereist war, um die Aktion "Frohe Herzen 2001" zu eröffnen. In deren Rahmen lädt die Europa-Park Betreiberfamilie Mack seit Jahren sozial Benachteiligte zum kostenlosen Besuch ein. 30 000 Gäste kommen jedes Jahr. Insgesamt waren bereits 430 000 gratis da.

Das erstaunte den Minister. Zumal das Land, wie er zugab, "keine müde Mark" für "Frohe Herzen" übrig hat. Repnik begrü?te die "enorme Leistung" der Macks, die Menschen am Rande der Gesellschaft zu erfreuen. Treffend formulierte er: "Wo es Leute gibt, die sich für andere engagieren, ist die Welt in Ordnung". Den Ansto? gab einst eine Baslerin. 1976 rüttelte Selmeli Ratti an den Toren des Parks und verlangte für einen Bus voller Kinder freien Eintritt. Fast 25 000 Schützlinge hat die heute 82-Jährige seither durch den Park geschleust. Das Geld für die Busse sammelt sie in der Basler City. Auch gestern war sie da ? zum 500. Mal. Doch die Aufregung um eine Ehrung, die ihr Roland Mack zugedacht hatte, hat Selmeli Ratti so überwältigt, dass sie sich zurückziehen musste. "Die Urkunde bekommt sie später", versicherte Mack, "wenn wir sie vom Park loseisen können". Auch Repnik fiel das schwer. "Einmal Euro-Mir", hatte er sich vorgenommen. Und musste feststellen: Einmal ist kein Mal.

© 2001 Badische Zeitung