Tour de Suisse - Rust im Ausnahmezustand

Für die Tour de Suisse müssen Gemeinde und Europa-Park organisatorisch eine Menge leisten.

Von unserem Redakteur Hubert Fetterer

RUST. "Wir träumen nachts von Fahrrädern", stöhnen Manuela Gerber und Katharina Haus. Bei den beiden Europa-Park-Mitarbeiterinnen laufen die Fäden für die Koordination der Tour de Suisse zusammen, deren Tross am 19. und 20. Juni in Rust gastiert.

Doch nicht nur im Park dreht sich alles um die Vorbereitung dieses nach der Tour de France, dem Giro d?Italia und der Spanienrundfahrt viertbedeutendsten Radrennens der Welt. "Auch im Rathaus sind alle in irgendeiner Form eingespannt", sagt Bürgermeister Günter Gorecky, allen voran Hauptamtsleiter Martin Spoth.

Denn der "Ausnahmezustand" beim Einzelzeitfahren am Dienstag, 19. Juni, will minutiös geplant sein. "Von 11 bis 17 Uhr ist das Dorf bis auf zwei Notzufahrten für Rettungsfahrzeuge abgeriegelt", so Gorecky. Nur vom Europa-Park Parkplatz aus über Kappel gibt es ein Entkommen.

Ab 14 Uhr wird auf einem Rundkurs in einem Einzelzeitfahren entschieden, welcher Radprofi das Gelbe Trikot überstreifen darf. Die ersten hundert Fahrer starten im Minutentakt, die restlichen 30 im Zweiminuten- Abstand.

Mit 20 000 Besuchern rechnen die Schweizer Veranstalter der Tour, wei? Gorecky. Und darauf muss man vorbereitet sein. Auf dem Sonnenplatz ist die Einsatzzentrale stationiert. Eine DRK-Station nebst Notarzt, Polizei, Feuerwehr, drei mobile DRK-Einsatzkräfte à drei Mann sowie die beiden örtlichen ?rzte Dufner und Ludwig und im Park ein weiterer Notarzt stehen bereit. Au?erdem sind entlang der Strecke fünf Krankentransportwagen in Position. Dies zur Sicherheit der Besucher und Fahrer.

Und natürlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt. Die Ruster Vereinsgemeinschaft betreut gemeinsam acht Versorgungsstationen. Fünf Arbeitsgruppen haben die Logistik für Aufbau, Finanzen, Getränke und Essen vorbereitet. "50 Prozent des hoffentlich zu erwartenden Gewinns geht in die Kasse der Vereinsgemeinschaft", so Gorecky. Die andere Hälfte wird den Vereinen anteilsmä?ig nach geleisteten Arbeitsstunden zugeteilt.

Hiervon profitieren dann eher DRK und Feuerwehr, die au?erhalb der Versorgungsstationen im Einsatz sind. So werden am Morgen des Rennens Feuerwehr und Bauhof innerhalb Rusts auf beiden Seiten der Rennstrecke sieben Kilometer Absperrgitter aufstellen, die eine holländische Spezialfirma liefert.

Auch wenn die Organisation bis ins kleinste Detail geplant werden muss: Günter Gorecky spricht von einer gro?artigen Geschichte. "Eine gigantische Medienwirksamkeit" für Rust sieht er darin.

Zweieinhalb Stunden wird das Schweizer Fernsehen über den Prolog berichten, unter anderem mit Bildern aus zwei Hubschraubern. Auch im Deutschen Sportfernsehen (DSF), in Holland, Frankreich, Spanien und sogar Japan gibt es längere Live-?bertragungen. 60 Fahrzeuge umfasst der gewaltige Werbetross, der das Rennen begleiten wird.

"Vor allem die Unterbringung der Leute war ein gro?es Problem", so Gorecky. Mehrere hundert Einzelzimmer musste die Gemeinde organisieren, die in der Saison normalerweise als Mehrbettzimmer vermietet werden.

Fast ein komplettes Hotel hat der Europa-Park für den Tross reserviert. Dort übernachten unter anderem zehn der 17 Mannschaften. Die kompletten ?bernachtungskosten übernimmt Tour-Ausrichter IMG, eine der weltgrö?ten Sportagenturen. Dennoch: Rund 500 000 Mark lässt sich der Park das Spektakel kosten, darunter 200 000 Mark "Startgeld".

Im Festzelt wird ein gro?es Kommunikationscenter mit über 120 PC-Anschlüssen für die Presseleute eingerichtet. Im Sponsorendorf auf dem Busparkplatz wird ein gro?es Showprogramm geboten, Besucher sind zum kostenlosen Besuch eingeladen. Dies gilt auch für die Tour-Party im Botta-Dome nach der Siegerehrung.

Doch die Park-Organisatoren haben noch mehr zu leisten, obwohl an dem Tag der Park-Betrieb ganz normal läuft. Sie übernehmen das Catering für den Schweizer Hauptsponsor, die "Feldschlösschen"-Brauerei. Die Eidgenossen liefern nicht die gesamte Verpflegung selbst, weil die Produkte verzollt werden müssen. 50 Springer halten sich für Botendienste aller Art bereit. "Au?erdem gilt es an beiden Tagen je 400 Lunchpakete für Radrennfahrer und Begleiter zu richten", so Christine Wenz, Pressesprecherin des Europa-Parks. Allerdings: Fürs Kochen haben die Teams ihre eigenen Köche dabei.

Auch wenn Lokalmatador Jan Ullrich aller Voraussicht nach nicht am Start sein wird: Engelbert Gabriel als Koordinator des Organisationskomitees im Europa-Park ist sicher, dass das Rennen eine tolle Sache für die Region wird. Er wie auch Bürgermeister Gorecky bekunden einhellig die vorzügliche Zusammenarbeit im Vorfeld. Und über die genauen Modalitäten und Hinweise zu dem Gro?ereignis wird die Bevölkerung der umliegenden Gemeinden noch mittels Flugblättern informiert.

© 2001 Badische Zeitung