Ein Kaiser erweist Rust die Ehre

Franz Beckenbauer im Europa Park: Ein dicker Scheck, eine Piratenfahrt, Wei?würste, alte Erinnerungen und viele Autogramme

Von unserem Redakteur Joachim Röderer

Der Europa-Park hat sie alle schon gehabt: Bundespräsidenten, Kanzler, Minister, Stars und Sternchen en gros. Doch gestern war er da ? Franz Beckenbauer, der Kaiser, die Lichtgestalt. Und wo er ist, gibt es immer gleich auch einen Menschenauflauf: Hunderte von Autogrammen schrieb er auf T-Shirts, Eintrittskarten oder auch auf die saubere Seite eines Wurstpapptellers.

Samt Gattin Sybille ist Beckenbauer bei Kaiserwetter in Rust per Helikopter eingeflogen. Zunächst absolviert der Bayern-Präsident seinen Auftritt bei Max Schautzer in der Fernsehshow "Immer wieder sonntags". Dort bekommt er von Park-Chef Roland Mack einen Scheck von 50 000 Mark überreicht. Der Erlös stammt aus dem Prominenten - Golfturnier. Beckenbauer, selbst passionierter Golfer, verwendet das Geld für seine Stiftung, die sich um behinderte Kinder kümmert.

Doch nach der Show geht?s erst richtig rund: Alle wollen den Kaiser sehen. Oder noch besser ein Autogramm und ein Erinnerungsfoto. Pocketkameras werden über die Absperrung gereicht ? alle müssen als Fotografen aushelfen: Roland Macks Sohn Michael fotografiert eine Emmendingerin auf deren dringende Bitte mit dem Kaiser, Marianne Mack muss für einen Bayern-Fan den Auslöser betätigen, der glückselig den volksnahen Clubpräsidenten in den Arm nimmt.

Beckenbauer selbst ist gut gelaunt, kommentiert zwischendurch immer wieder für RTL, DSF und andere Sender lässig den Bundesliga-Spieltag. Dabei wähnten alle nach dem Gurkenspiel in Mönchengladbach den Rekordmeister schon auf dem Sturzflug in den Tabellenkeller. Noch so eine Niederlage gegen Schalke ? das kaiserliche Zornesbeben hätte gestern in Rust wohl die Türme der Euro-Mir wackeln lassen. Doch nach dem deutlichen Erfolg gegen den Vizemeister gibt es nur freundliches Lob vom Chef für die Seinen.

In Rust wird Beckenbauer aber auch an eigene Siege erinnert. Der Kaiser trifft auf Fritz Karcher, heute Chef der Volksbank Emmendingen und einst in der Regionalliga-Süd mit dem FC Emmendingen Gegner der Bayern und auch in einem Freundschaftsspiel mit dem OFV, als Karcher das Trikot der Offenburger trug. 10:0 in München und 7:0 in Emmendingen vor immerhin 11 000 Zuschauer haben Karcher und die Seinen damals gegen Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller und Co. verloren. Karcher zeigt dem schmunzelnden Kaiser die Zeitungsausschnitte von damals: "Stopper Beckenbauer Torjäger Nr. 1".

Ein anderer Ex-Fu?baller präsentiert dem Kaiser den Europa-Park, der ja so etwas wie der FC Bayern unter den deutschen Freizeitparks ist. Roland Mack hütete anfangs der 70-er-Jahre beim SV Waldkirch das Tor, als der Verein südbadischer Meister wurde. Und der angehende Ingenieur war als Keeper der Karlsruher Uni-Mannschaft sogar deutscher Hochschulmeister.

Vor den Mack?schen Achterbahnen hat der Gast aus München gro?en Respekt. Seine Frau Sybille schaut skeptisch hinauf zur Euro-Mir. Am Ende geht der Kaiser unter die Piraten von Batavia, und die Beckenbauers schaukeln gemütlich durch die Unterwasserwelt.

Von Batavia geht?s es nach Bavaria: Beim Schloss hat der Park einen zünftigen Biergarten mit (original aus Bayern importierten) Wei?würsten und Wei?bier eingerichtet. Die Brotzeit schmeckt dem Kaiser. Dann geht?s zum Mittagessen, später Abflug zum Golfturnier. Doch vorher noch ein paar letzte Fotos: die Security-Leute, Park-Mitarbeiter, die charmante Pressesprecherin. Sie alle sonnen sich im Glanz der Lichtgestalt.

© 2001 Badische Zeitung