Politisches Gefecht um Europa-Park

Die Ideen zur engen Kooperation zwischen dem Ruster Freizeitpark und der Stadt Freiburg sorgen in der Ortenau für Empörung

Von unserem Redakteur Joachim Röderer

FREIBURG. Der Europa-Park gerät zwischen die Fronten eines lange schwelenden Konflikts zwischen der Freiburger Region und der Ortenau. Denn Freiburg möchte den Park in Rust gleichsam eingemeinden zum "Europa-Park Freiburg/Schwarzwald". Diese Strategie löst in der Ortenau heftige Reaktionen aus. Was da die Freiburger als Kooperation anpriesen, sei Wunschdenken des Oberbürgermeisters Rolf Böhme: "Lassen wir ihn weiter träumen", sagt Klaus Brodbeck, Landrat des Ortenaukreises.

Einig sind sich alle Beteiligten nur darin, dass Kooperation grundsätzlich etwas Positives ist. Alles weitere ist umstritten, seit die Stadt Freiburg mit einer Presseerklärung an die ?ffentlichkeit gegangen ist. Die Ortenauer vermerken spitz, dass es zwei Presse-Versionen gibt: die an die Medien verschickte offensive Freiburger Variante und eine gemä?igte des Europa-Parks.

Die Freiburger Erklärung, so Böhme gegenüber der BZ, sei mit Park-Chef Roland Mack abgestimmt. Sie preist die neuen engen Bande zwischen Freiburg und Freizeitpark als den beiden Tourismusmagneten der Region. Es geht, unter anderem, um Shuttle-Busse zwischen Rust und Freiburg, um eine Freiburg-Woche im Park und, der heikelste Punkt, um Namenszusätze. In Freiburg fände man die Variante "Europa-Park Freiburg/Schwarzwald" charmant. In Rust und der Ortenau gehen sie schon beim blo?en Gedanken daran die glatten Wände der Achterbahntürme hoch.

"Die wollen den Europa-Park eingemeinden", ärgert sich Rusts Bürgermeister Günter Gorecky. Sein Landrat Brodbeck sekundiert: Da stricke jemand an seiner eigenen Legende. Und Brodbeck fügt hinzu: "Böhmes Amtszeit geht bald zu Ende, da wird es ihm nicht mehr gelingen, die Region nach seinen Vorstellungen umzugestalten". Nicht zum ersten Mal strecke der Freiburger OB seine Fühler in die Ortenau aus.

Dabei hat man im Freiburger Rathaus den Europa-Park jahrelang eher links liegen gelassen. Bundespräsidenten, Kanzler, Ministerpräsidenten, Minister ? alle waren da. Nur Böhme hat den Weg nach Rust erst im Herbst 2001 gefunden, in Begleitung des Bürgermeisters aus der Partnerstadt Granada. Der war vom Park so angetan, dass er ihn am liebsten nach Andalusien versetzt hätte. Diese Begeisterung muss ansteckend gewesen sein.

?ber die jetzige Annäherung scheinen sich auch die Differenzen um die Erweiterung des Europa-Parks an der Autobahn bei Ringsheim erledigt zu haben. Lange hatte Freiburg scharf gegen die Pläne geschossen. Gorecky mutma?t, der Europa-Park habe das Freiburger "Ja" mit Wohlverhalten in anderen Punkten erarbeiten müssen: "Eine fragwürdige Methode".

Böhme wiederum wundert sich über die Kritik aus dem Norden: "Das Stück, das wir spielen, hei?t Kooperation, alles andere sind nur Details". Und : "Es geht um den Fortschritt für die ganze Region". Der dürfe nicht durch kleinliche Konflikte gefährdet werden. Park-Chef Roland Mack sieht sich zwischen allen Stühlen sitzen. Einerseits will er sich dem Freiburger Liebeswerben nicht verschlie?en, denn die Stadt besitze einen dicken bundesweiten Sympathiebonus. Andererseits liegen ihm auch seine Ortenauer am Herzen: "Ich wei? doch, wo meine Soldaten stehen".

© 2001 Badische Zeitung