Direkter Anschluss ans Vergnügen

Am Freitag wird die A5-Anschlussstelle "Rust" freigegeben/sie entlastet mehrere Gemeinden vom Verkehr zum Europa-Park

Von unserem Redakteur Gerhard Kiefer

RUST. Die Staus auf der Rheintalautobahn A5 sollen ein Ende haben - zumindest jene in Höhe des Europa-Parks Rust, aber gewiss auch die Staus in Ringsheim und Kappel-Grafenhausen, in Rheinhausen und in Rust selbst. Wer von der Autobahn zum Europa-Park will, fährt künftig direkt zu dieser Attraktion für Millionen: die neue Anschlussstelle "Rust" zwischen Ettenheim und Herbolzheim wird am Freitag für den Verkehr freigegeben.

Nach 26 Jahren geht der Wunsch der blechgeplagten Anrainer rund um den Europa-Park in Erfüllung, und ebenso alt ist, so Europa-Park-Pressesprecherin Martina Evers, der Wunsch des Unternehmens selbst nach einer direkten Zufahrt von der Autobahn. Denn viele der Gäste kommen von weit her und so über die Autobahn. Der Bau der A5-Anschlussstelle Herbolzheim hatte vor Jahren für etwas Entlastung gesorgt, doch die Lösung, die die Anrainer wirklich vom Verkehr befreit hätte, war sie nicht.

20 Millionen Euro sind seit dem ersten Spatenstich 1999 verbaut worden; 1,8 Millionen Euro trug, so bilanziert der Chef des Autobahnbetriebsamtes Freiburg, Helmut Mall, der Bund für die Investitionen unmittelbar an der Rheintal-Autobahn. Der gro?e "Rest" für die knapp vier Kilometer lange Strecke wurde in der Regie des Ortenaukreises über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz bezahlt. Auch der Kreis selbst sowie die Gemeinden beteiligten sich.

Die Diskussion um ein Konzept gegen die im Sommer zeitweise verheerende Verkehrsbelastung ist politisch auch von der Frage begleitet worden, ob der zahlenden Kundschaft des Privatunternehmens Mack der kürzeste Weg zu den Attraktionen wirklich auf Kosten der öffentlichen Hand geebnet werden müsse. Und als dann der Bau begann, kam die Frage auf, ob die guten Beziehungen von Europa-Park-Geschäftsführer und CDU-Mitglied Roland Mack und dessen Spenden an die Christenunion möglicherweise nachgeholfen haben könnten.

Die Schwäbische Zeitung zitierte am Dienstag einen "Spitzenpolitiker der südbadischen SPD" mit der Aussage, Wolfgang Schäuble habe dem Europa-Park den eigenen Autobahnanschluss verschafft und dafür habe sich "das Unternehmen mit einer Spende bedankt". So weise der Rechenschaftsbericht der CDU für das Jahr 2000 eine Europa-Park-Spende über 11 500 Euro aus. Was Roland Mack aber mit dem Hinweis relativiert habe, er spende an alle Parteien.

Selbst Walter Caroli, der Lahrer SPD-Landtagsabgeordnete, hält einen Zusammenhang zwischen Spenden und Autobahnanschluss für "abstrus". Diese Stra?e sei von allen gefordert worden, denn sie komme auch mehreren Gemeinden zugute. Das betont auch Matthias Wolf, Pressesprecher von Landwirtschaftsminister Willi Stächele; dieser war bis vor kurzem CDU-Kreisvorsitzender in der Ortenau. Roland Mack habe jedenfalls der CDU "nicht über das normale Ma? hinaus gespendet", beteuert Wolf, weshalb derlei Behauptungen "ein alter Hut und völlig abwegig" seien.

Heidi Janischewski, die als Diplom-Ingenieurin am Stra?enbauamt Offenburg das Projekt realisiert hat, legt Wert auf die Feststellung, wie vielen Zwecken zugleich die Stra?e diene: Auf beiden Seiten seien Wirtschaftswege geschaffen, das Ruster Gewerbegebiet sei erschlossen und Ringsheim an die A5 angebunden worden. Der Europa-Park habe die Stra?e nicht mitfinanziert, so Pressesprecherin Martina Evers, aber Roland Mack habe für 15 bis 20 Millionen Mark die Zahl der Parkplätze für Gäste auf 7000 erhöht und den Parkbereich für Mitarbeiter neu geordnet.

© 2002 Badische Zeitung