"Seit Wochen fast himmlische Ruhe"

Mit der neuen Umfahrung zum Europa-Park ist der Verkehr in Rust drastisch zurückgegangen/Anbindung zum Parkplatz klappt

Von unserem Redakteur Hubert Fetterer

RUST. Auch Fortschritt kann tückisch sein. Zwar wird die tägliche Autokarawane seit dieser Saison über den neuen Zubringer schnurstracks zum Europa-Park geleitet, aber nicht wenige Fahrzeuglenker fuhren schon vor dem richtigen Vergnügen unfreiwillig Achterbahn. Sie kamen ob der Beschilderung ins Rotieren. Jetzt wurde der Wegweiser ausgetauscht.

Durch einen angedeuteten Kreisverkehr wird nun am Kreisel Elzbrücke/Hausener Stra?e im Ruster Süden mehr ?bersicht vermittelt. Auf dem alten Schild wiesen zwei schwarze Balken den Weg geradewegs zum Park. Wo nun auf die Ruster Hotels hingewiesen wird, ging es zuvor laut Aufschrift nur zu den Europa-Park-Hotels.

Doch von einer erhöhten Verkehrsbelastung im Dorf durch in die Irre geleitete Autofahrer will Bürgermeister Günter Gorecky nichts wissen. Natürlich, erklärte er gestern gegenüber der BZ, gebe es Extremsituationen, aber ansonsten herrsche im Ort "seit Wochen himmlische Ruhe."

Sicher ist, dass die Attraktionen des Parks auch in dieser Saison das Publikum in Scharen anziehen. Am vergangenen Freitag, dem "Feiertag" zwischen Christi Himmelfahrt und dem Wochenende, strömten 34 000 Vergnügungshungrige nach Rust. Dies war die drittgrö?te Besucherzahl seit Bestehen des Parks. Und zwei Tage zuvor, am 8. Mai, nutzten die Franzosen in riesigen Massen den Feiertag anlässlich der Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg zu einem vergnüglichen Abstecher über den Rhein ins ehemalige Feindesland. Vor der Fähre bildete sich auf elsässischer Seite ein Riesenstau. Bereits vor der offiziellen Saisoneröffnung hatte Edeka seine Mitarbeiter in den Park eingeladen: 30 000 drängten morgens um 9 Uhr ungeduldig auf Einlass.

Die diesjährige Parksaison ist gerade mal in der achten Woche, und schon mehr als eine halbe Million Besucher wurden gezählt. Marketingleiter Engelbert Gabriel: "Ein Wahnsinnsstart für uns." Das Parkleitsystem funktioniere einwandfrei. Ursache für einen Stau, der kürzlich im Radio gemeldet wurde, sei im übrigen ein Unfall auf dem Zubringer gewesen.

Schon ab 8 Uhr rollen die Autos an. Und eine schnellere Anreise bewirke, dass die Menschen auch schneller vor dem Park seien. "Wir haben deshalb morgens immer alle Kassen besetzt", erklärte Gabriel.

"Früher wären bei einem solchen Ansturm Rust und die umliegenden Gemeinden bis in den Nachmittag hinein im Chaos versunken", wei? nicht nur Gorecky aus langjähriger Erfahrung. Doch am vergangenen Freitag sei kurz nach elf im Dorf überhaupt nichts mehr los gewesen, obwohl erstmals der 7000 Fahrzeuge fassende Parkplatz des Europa-Parks nicht mehr ausgereicht habe.

Autos mussten auf den Festplatz und auf die Wege Richtung Rheindamm umgeleitet werden.

"Das mit dem Zubringer läuft ganz ordentlich", versichert der Ruster Bürgermeister. 80 Prozent der Fahrzeuge kommen über diesen Weg. Zäh flie?ender Verkehr sei da gelegentlich möglich, aber keine Kilometer langen Staus wie früher.

Probleme träten hin und wieder von Rheinhausen her auf, wenn Autofahrer über den Kreisverkehr auf den Zubringer Richtung Park einbiegen. Und mancher "altgediente Besucher" kenne inzwischen auch schon den einen oder anderen Schleichweg, der letztlich durch Rust führt.

Doch die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung schätzt die neu gewonnene Ruhe, berichtet Gorecky von seinen Erfahrungen aus vielen Gesprächen. Nur einer habe scherzhaft bemerkt: "Gerade Sonntagmorgens fehlt mir manchmal direkt was".

© 2002 Badische Zeitung