Der Rückgang ist für viele deutlich spürbar

Nach Inbetriebnahme der neuen Zufahrt zum Europa-Park haben die umliegenden Gemeinden weniger Autos, aber auch weniger Touristen

Von unserem Mitarbeiter Stefan Merkle

KAPPEL-GRAFENHAUSEN. In Kappel und Grafenhausen ist es ruhiger geworden: Dank der neuen Autobahnausfahrt Rust verkehren weniger Autos in den Orten, aber auch weniger Touristen. Kurz vor Ende der ersten Saison unter den neuen Bedingungen verzeichnet die Mehrzahl der Gastronomen, Tankstellen und privaten Zimmervermieter Umsatz- und Buchungsrückgänge.

"50 bis 60 Prozent Rückgang", schätzt Klemens Andlauer von der Zimmervermittlung in Kappel, an der genauen Auswertung der Zahlen arbeitet er derzeit noch. Der Trend ist jedoch bereits abzusehen, das bestätigt auch Bürgermeister und Präsident des Touristikvereins, Armin Klausmann. Er hofft jedoch, dass die Prognose von Andlauer nicht für die gesamte Gemeinde eintreffen wird. "Viele unserer Gäste buchen beispielsweise direkt per Internet ihre Zimmer und gehen nicht mehr über die Zimmervermittlung", so Klausmann.

Bei den privaten Zimmervermietern sind die Meinungen geteilt: "Es ist sehr ruhig geworden", sagt beispielsweise Leo Bücheler. Gerade die Gäste "von der Stra?e" seien "bedeutend zurückgegangen". Das bestätigt auch Irene Kreuz, insgesamt sei "nicht mehr viel", sagt sie. Es komme nur noch "gut die Hälfte". Aber besonders diejenigen, die schon länger Zimmer und Ferienwohnungen vermieten haben, haben dank treuer Gäste keine Buchungsrückgänge. "Wir merken es nicht gro?", sagt beispielsweise Gerd Wagenmann, der bei der Vermietung seiner drei Gästezimmer auf seine Stammkundschaft bauen kann. Allerdings bestätigen alle Befragten das fast völlige Ausbleiben der Laufkundschaft.

Bei den Gaststätten und Hotels sieht es ähnlich aus: "Wir hatten zehn Prozent Rückgang", sagt Agnés Buschendorf, sie war bis zum 30. September Pächterin des "Euro Hotel" in Grafenhausen. Dagegen kann das Wirtsehepaar Hildegard und Werner Arenz eine positive Bilanz ziehen: Im "Elsässer Hof" hätten sie bei der Zimmervermietung sogar zulegen können. "Umsatzeinbu?en haben wir keine gehabt", resümiert Hildegard Arenz. "Weniger auf jeden Fall", sagt wiederum Helmut Buchholz vom Gasthaus "Engel". Im Bereich Fremdenzimmer habe er einen Rückgang von 25 bis 30 Prozent. Im Restaurant sei der Rückgang weitaus weniger hoch, ausgeblieben seien jedoch viele Durchreisende.

Das macht sich auch beim Maislabyrinth in Grafenhausen bemerkbar. Die Attraktion des vergangenen Jahres hatte nun weit weniger Besucher. "Unter den wirtschaftlichen Gesichtspunkten, wie sie im letzten Jahr aufgetreten sind, ist der Betrieb im Prinzip unrentabel - eigentlich müssten wir zumachen", sagt Peter Retsch vom "Pizza Hut". 20 Prozent Umsatzeinbrüche übers Jahr, in den Sommermonaten bis zu 35 Prozent: "Das sind die Fakten, mit denen müssen wir umgehen", so Retsch. Personalabbau war bisher die Folge, jetzt will Retsch das Marketing verstärken. Einen Umsatzrückgang hatten auch beide Tankstellen in Grafenhausen. Die "SB-Tankstelle Anselm" hatte einen Umsatzrückgang zwischen 30 und 45 Prozent, bestätigt Patrick Anselm. Er hoffe allerdings, dass der Umsatz wieder steigt, wenn im kommenden Jahr bei Rückstau auf der neuen Zufahrt wieder mehr Autos durch Grafenhausen fahren. "Schon ein bisschen, aber nicht so dramatisch wie es vielleicht den Anschein haben mag", kommentiert Karl-Heinz Schneider den Umsatzrückgang von etwa acht Prozent seines Shell-Autohofs.

Seiner Erfahrung nach reist die Gro?zahl der Europa-Park-Besucher mit ausreichend Benzin für Hin- und Rückfahrt, tanke also ohnehin nicht bei ihm. "Sehr ärgerlich" sei in jedem Fall die Ausschilderung nach Kappel-Grafenhausen, sagt Armin Klausmann. "Manche Feriengäste haben uns fast gar nicht gefunden", meint er.

Inzwischen allerdings wurde die Beschilderung verbessert, auf Kappel-Grafenhausen wird bereits in Rust hingewiesen. Die Gemeinde hatte zudem beantragt, wieder einen Hinweis auf den Europa-Park bei der Autobahnausfahrt Ettenheim anzubringen. "Das wurde aber definitiv abgelehnt", so Klausmann enttäuscht.

Er sieht jetzt den Touristikverein gefordert auch wenn "wir nur die Rahmenbedingungen setzen können." Der Verein müsse versuchen, einen möglichen Rückgang der Feriengäste zu kompensieren, dafür werde gerade an einem neuen Konzept zur Tourismusförderung gearbeitet. Auch ein Fragebogen sei in Arbeit, mit welchem die Besucher nach ihren Wünschen und Anregungen befragt werden können. "Darauf möchten wir aufbauen", sagt Klausmann.

"Wir wollen stärker für die Gemeinde werben", beispielsweise "auf Messen im In- und Ausland". So hatte die Gemeinde bereits einen Stand auf der Basler Ferienmesse und der "Salon du tourisme et des voyages" (SITV) in Colmar. Die Resonanz hierbei sei bereits "sehr gro?" gewesen, berichtet Klausmann.

© 2002 Badische Zeitung