Wasserpark als künftige Attraktion?

Erweiterung des Europa-Parks wird planungsrechtlich vorbereitet/Bislang gibt es für die 120 Hektar nur eine Ideensammlung

Von unserem Redakteur Wulf Rüskamp

FREIBURG. Er wächst. Und wächst: der Europa-Park. Vergangene Woche wurde in Rust mit dem Bau des grö?ten Hotels in Baden-Württemberg begonnen, und im April sollen Filme über die Riesenleinwand eines neuen 4-D-Kinos flimmern. Für den ganz gro?en Zukunftsschritt macht jetzt der Regionalverband Südlicher Oberrhein den Weg frei: Das rund 120 Hektar umfassende Erweiterungsgebiet zwischen Rust und der A 5 bei Ringsheim - genügend Platz für mittel- und langfristige Projekte des höchst erfolgreichen Unternehmers Roland Mack.

Noch steht dem "Europa-Park II" ein so genannter regionaler Grünzug im Regionalplan entgegen. Doch dass der Regionalverband an ihm festhalten wird, ist nicht zu erwarten: Verglichen mit der freien Landschaft zwischen Rust und Ringsheim hat der Europa-Park im südbadischen Tourismus ein viel zu gro?es Gewicht. Im "Konzept Zukunft" des Europa-Parks wird zudem ausführlich erläutert, welche Potenziale in diesem Standort stecken - Potenziale, die das Unternehmen zur Zukunftssicherung braucht. Denn das heutige Areal am südwestlichen Rand von Rust ist nahezu ausgeschöpft, eine grö?ere Erweiterung dort ausgeschlossen.

Was aber direkt neben der Autobahn auf dem neuen, nahezu doppelt so gro?en Gelände entstehen soll, ist unklar und wird es wohl bis auf weiteres bleiben: Wie Christine Wenz, Pressesprecherin des Europa-Parks, sagt, werde das Unternehmen von seiner bisherigen Strategie nicht abweichen - nämlich jeweils in einzelnen Schritten und kurzfristig über neue Projekte zu entscheiden, wenn der Freizeitmarkt und Besucherwünsche es verlangen. So stellt auch das "Konzept Zukunft" laut Wenz nur eine Sammlung von Ideen dar. Sie könnten in fünf oder zehn Jahren realisiert werden - oder auch nicht.

Die Planer in den Verwaltungen können mit so viel offenen Optionen nicht umgehen. Die Gutachten, mit denen sich die Gemeinden Rust und Ringsheim Argumente für die von ihnen angestrebte Erweiterung des Europa-Parks verschafft haben, kommen deshalb zu sehr allgemein gehaltenen Aussagen über die ökologischen Folgen oder sie entwickeln konkrete Szenarien, um den künftigen Verkehr abschätzen zu können.

Das Maximalszenario geht davon aus, dass das Unternehmen Europa-Park nahezu alle Ideen des Konzepts verwirklicht: Hotels mit weiteren 2500 Betten; Erlebniscampingplatz; ein bis zu zehn Hektar gro?er "Funsportbereich" für Inline-Skating, Beachvolleyball, Freeclimbing und andere, unter Jugendlichen immer beliebter werdende Sportarten; ein Open-Air-Gelände für abendliche Gro?veranstaltungen sowie Konferenzräume. Hauptattraktion dürfte ein Themen- oder Wasserpark mit Spa?bad werden, für den bis zu 70 Hektar eingeplant sind. Schon heute wünschen 60 Prozent der Besucher ein solches Angebot, wie Christine Wenz berichtet - und das könnte längere Urlaubsaufenthalte in Rust und in Südbaden bedeuten.

Die ständige Aktualisierung des eigentlichen Europa-Parks eingeschlossen, bedeutete dies eine deutliche Steigerung der Besucherzahlen, sagt der Gutachter. Um grö?ere Staus zu vermeiden, hält er sechs Spuren auf der A 5 für unerlässlich, und auch die Bahn müsste nachbessern: Ein neuer Haltepunkt in Ringsheim und eine spezielle "Europapark-Bahn", die das Publikum nach Rust bringt, sind nötig, ganz abgesehen von Verkehrsverbindungen zwischen beiden Parkteilen.

Das Minimalszenario verzichtet auf Wasserpark, Funsport und Kongresszentrum, beschränkt Hotelbauten und Campingplatz auf eine Verdoppelung heutiger Kapazitäten. Weil damit nur geringfügig mehr Besucher zu erwarten wären, hielten sich die Verkehrsprobleme in Grenzen. Doch gegen diese Variante spricht die Entwicklung des Europa-Parks: Bislang steigt die jährliche Besucherzahl im Schnitt alle fünf Jahre um eine halbe Million. Und warum sollte Roland Mack diesen Trend ändern wollen?

© 2003 Badische Zeitung