"Gigantismus in der Art ist nichts für uns"

Gemeinderäte in Euro-Disney - Von unserem Redakteur Hubert Fetterer

RINGSHEIM/RUST. Reisen bildet, und auch der Trip der Gemeinderäte aus Ringsheim und Rust am vergangenen Wochenende nach Euro-Disney bei Paris diente der Erweiterung des Horizonts.

Der Ruster Bürgermeister Günter Gorecky klagte nach der Rückkehr von der "anstrengenden Reise" über Muskelkater. Immerhin sind im Kernbereich von Euro-Disney 2000 Hektar Gelände überplant. "Wir reden bei der möglichen Erweiterung des Europa-Parks im interkommunalen Gewerbegebiet von gerade mal 120 Hektar, in Euro-Disney hat allein der Campground 59 Hektar", so Gorecky. Bei solchen Zahlen sei der Besuch "beeindruckend, aber auch ein bisschen beängstigend" gewesen.

Bei Euro-Disney und Europa-Park handelt es sich um zwei völlig unterschiedliche Konzeptionen. Bei den Franzosen stehen perfekt inszenierte Showparaden, Musik und Mickeymaus im Vordergrund, Rust bietet viel mehr Fahrattraktionen.

"Wir sind erschlagen worden von Informationen", so Gorecky im Gespräch mit der BZ. Die Eindrücke müssten noch verarbeitet und dann ein Resümee gezogen werden. Klar ist für den Ruster Rathauschef jedoch, dass die Pariser Dimensionen nichts für deutsche Verhältnisse seien. "Gigantismus in dieser Form ist nichts für uns". Die weitere Erschlie?ung des Europa-Parks werde kleiner, aber hochwertiger ausfallen. Und auch das Preis-Leistungsverhältnis in Euro-Disney sieht Gorecky jenseits von Gut und Böse angesiedelt. Vier Euro neunzig für einen Hot Dog - ein Unding.

Dass Disney nicht auf das interkommunale Gewerbegebiet übertragbar ist, sieht auch Ringsheims Bürgermeister Heinrich Dixa. "Wir werden gut überlegen, was sein kann und nicht sein darf", erklärte er nach der Reise.

Für Europa-Park-Chef Roland Mack ging es auch darum, vor allem die Ringsheimer Gemeindevertreter in die Erweiterung des Parks einzubinden. Unter diesem Aspekt sei die Fahrt sinnvoll gewesen, auch wenn die Dimensionen in Paris ganz andere seien. Und auch dort gehe die Entwicklung rasant weiter. 20 000 Betten seien vorhanden, 6000 weitere gerade im Bau. Die Entwicklung eines Wirtschaftsunternehmens auf dem Dienstleistungssektor sei eine spannende Geschichte.

"Wir wollen keine 1:1-Umsetzung dessen, was in Euro-Disney abläuft, aber wenn wir weiter erfolgreich sein wollen, dürfen wir auf keinen Fall stehen bleiben", so Mack. Vor diesem Hintergrund habe man bei manchem Gemeinderat die eigene unternehmerische Leistung darstellen können. "Das Verständnis, warum wir den einen oder anderen Hektar mehr benötigen, ist sicherlich gestiegen", glaubt Mack.

Und auf eines legen alle Beteiligten wert: Der Europa-Park hat den Besuch wegen seiner Kontakte organisiert, bezahlt wird er aber von beiden Gemeinden selbst. "Da sind keine Abhängigkeiten entstanden", stellten Mack und Gorecky klar.

© 2002 Badische Zeitung