Interview Westfälischer Anzeiger 2004

Von Marc Thöne

Roland Mack bewegt im badischen Rust bei Freiburg kolossale Dinge. Knapp 3,6 Millionen Gäste besuchten im vergangenen Jahr den Europa-Park, Deutschlands grö?ten Freizeitpark. Mit dem ganz im italienischen Stil gehaltenen Hotel Colosseo erweiterte der 54-Jährige am 1. Juni die ?bernachtungskapazitäten seines Parks um 1400 Betten. 50 Millionen investierte der Mitgründer und geschäftsführende Gesellschafter des Europa Parks in die Vier-Sterne-Luxusherberge. Und damit bislang grö?te Einzelinvestition der Firmengeschichte. 2003 zeichnete ihn das Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen Ernst & Young für herausragende unternehmerische Leistung als "Entrepreneur des Jahres" aus. Marc Thöne sprach mit Roland Mack.

Westfälischer Anzeiger:
Herr Mack, in einer Zeit, in der die Menschen gerade in ihrer Freizeit immer mehr sparen müssen, verdoppeln Sie Ihre Hotelkapazität mit einem Vier-Sterne-Hotel. Wie passt das zusammen?
Roland Mack:
Zwischen der Entscheidung und der Eröffnung lag eine zeitliche Distanz. Zum anderen waren wir von der Kapazität stark unter Druck. Wir haben schon immer als Ziel definiert, den Park von einem Ein-Tages- zu einem Mehrtagesausflugsziel zu entwickeln. Die Reiseveranstalter haben uns seit Jahren gedrängt, Betten zur Verfügung zu stellen.

Westfälischer Anzeiger:
Hat die schwache Konjunktur das Konsumverhalten der Besucher verändert?
Roland Mack:
?berhaupt nicht. Wir hatten im letzten Jahr sogar einen deutlich höheren Pro-Kopf-Umsatz. Daraus kann ich nur schlie?en, dass wir als Reiseziel eingeplant sind. Wenn die Gäste kommen, geben sie auch Geld aus.

Westfälischer Anzeiger:
Wie hoch liegt der Pro-Kopf-Umsatz?
Roland Mack:
Beim Doppelten vom Eintrittspreis (26 Euro für Erwachsene).

Westfälischer Anzeiger:
Mit welcher Erwartungshaltung gehen Sie mit dem Hotel in die nächsten Monate?
Roland Mack:
Rund eine Million Gäste haben in einer Umfrage angegeben, sich vorstellen zu können, in einem Hotel zu schlafen. Das Hotel ist nur in der Lage 200 000 Gäste aufzunehmen.

Westfälischer Anzeiger:
Wie viele Arbeitsplätze sind mit dem Hotel entstanden?
Roland Mack:
Insgesamt über 300.

Westfälischer Anzeiger:
Gibt es eine "Erfolgsformel Europa-Park"?
Roland Mack:
Es ist die Bereitschaft, neue Dinge anzupacken, sich dem Produkt zu verschreiben. Mein Vater ist jeden Tag im Park, ist noch voll im Detail dabei. Es ist eine Lebensaufgabe. Ich glaube schon, dass es eine Rolle spielt, ob man so etwas nur betriebswirtschaftlich sieht. Nur Liebe zum Detail und Liebe zum Geschäft reicht natürlich nicht aus. Es bedarf schon noch der Investition und des wirtschaftlichen Risikos. Gäste müssen etwas Besonderes erleben.

Westfälischer Anzeiger:
Haben Sie inzwischen konkrete Pläne für Ihr 120-Hektar gro?es Gelände am Autobahnzubringer in Rust?
Roland Mack:
Wir sammeln noch Ideen. Bevor wir diese Investition mit dem Hotel getätigt haben, wollte ich wissen, ob es eine Zeit danach geben würde. Deswegen habe ich starken Druck auf mögliche Entwicklungsflächen gemacht.

Westfälischer Anzeiger:
Haben Sie konkrete Pläne?
Roland Mack:
Es ist gar nicht zwingend notwendig, dass wir morgen einen neuen Standort aufmachen. Man muss auch ein bisschen Richtung Paris oder Los Angeles gucken. Gerade Disney hat mit einer Diversifizierung im Parkangebot daneben gegriffen. Es ist in Paris eine absolute Fehlentscheidung gewesen einen zweiten Park zu bauen.

Westfälischer Anzeiger:
Können Sie sich eine Expansion an anderen Standorten vorstellen?
Roland Mack:
Ich habe immer gesagt, dass wir uns auf zwei Dinge konzentrieren. Das ist der Ausbau und das Betreiben dieses Parks. Damit ist meine Person ausgelastet. Ob meine Söhne das anders sehen, muss man sehen. Gäbe es weitere Standorte, müsste man sofort anfangen zu rechnen. Dann muss man die Emotionen weglassen.

Westfälischer Anzeiger:
2005 feiert der Europa-Park sein 30-jähriges Bestehen. Auf was dürfen sich Ihre Besucher freuen?
Roland Mack:
Wir schmieden dran. Mir persönlich wäre es sehr sympathisch, unabhängig vom 30-Jährigen, wenn man durchatmen könnte. Weil das Konsolidieren auch zum Unternehmungserfolg gehört.

© Westfälischer Anzeiger - 01. September 2004