Interview "Sonntags Zeitung" - Juni 2004

Europapark-Chef Roland Mack über das neue Themenhotel Colosseo, die Liebe zu Italien und gute Schweizer Gäste

Von Christoph Ammann

Neapolitanische Häuserfassaden, eine venezianische Gondel auf der Piazza, 1450 Hotelbetten, jede Menge Restaurants und Tagungsräume, Wasserspiele sowie ein gewaltiger Kolosseumsbogen mit Wellnesszone und Luxussuiten: Am 1. Juni wird im Europapark Rust das Colosseo, das grösste italienische Hotel ausserhalb Italiens, eröffnet. Die Sonntags Zeitung sprach mit dem Europapark-Chef Roland Mack, 54, über die Vorwärtsstrategie des süddeutschen Entertainment-Unternehmens.

Sonntags Zeitung:
Der Europapark führt bereits zwei Hotels im spanischen Stil. Warum, Herr Mack, klotzen Sie nun für 50 Millionen Euro noch eine italienische Herberge in die oberrheinische Tiefebene?
Roland Mack:
1961 fuhr die Familie Mack erstmals mit dem VW-Käfer nach Rimini. Wir brauchten drei Tage für die Reise über die Alpen. Das Essen nahmen wir mit, weil wir uns wenig vorstellen konnten unter Pizza und Pasta. Damals begann die Liebe zu Italien. Es war deshalb auch eine Frage des Herzens, den Park mit einem italienischen Themenhotel zu ergänzen.

Sonntags Zeitung:
Grenzt es nicht an Grössenwahn, ein Hotel mit 1450 Betten zu bauen?
Roland Mack:
Nein, wir sind nicht grössenwahnsinnig. Sonst hätte es unsere Familie nie geschafft, den Europapark in drei Jahrzehnten zum Ausflugsziel von jährlich 3,6 Millionen Menschen zu machen. Wir mussten die Nachfrage nach Hotelbetten im Park decken.

Sonntags Zeitung:
Was erwartet die Kundschaft im Colosseo?
Roland Mack:
Der Komplex ist architektonisch eine Hommage an Italien. Ein Hotel wie das Colosseo gabs in Mitteleuropa bisher noch nicht. Wir bieten eine tolle Tagungsinfrastruktur, wunderbare Bars, in denen auch Events stattfinden können, Themenzimmer, Pools, römische Saunen und Massage.

Sonntags Zeitung:
Der Europapark auf dem Weg zum Wellnessresort?
Roland Mack:
Das Thema Wellness haben wir noch nicht ganz besetzt. Die meisten Hotelgäste bleiben zurzeit nur zwei oder drei Tage bei uns und wollen in erster Linie den Park geniessen. Saunadorf und Badelandschaft sind vor allem Programmalternativen im Herbst, Winter und an Schlechtwettertagen.

Sonntags Zeitung:
Werden Sie das Wellnessangebot noch ausbauen?
Roland Mack:
Der Kunde entscheidet, wie sich der Europapark entwickelt. Wenn die Aufenthaltsdauer steigt, entsteht Spielraum für Wellness. Dann passen wir das Angebot an.

Sonntags Zeitung:
Wie viele Gäste übernachten in den Hotels im Park?
Roland Mack:
Nur 15 Prozent der Kunden schlafen in der Region Rust. 85 Prozent kommen nur für einen Tag. Gerade diese Leute erwarten immer wieder neue Attraktionen. Wir werden in den nächsten Wochen entscheiden, was wir 2005, wenn unser 30-Jahr-Betriebsjubiläum ansteht, Neues anbieten werden. Die eine oder andere ?berraschung ist nicht auszuschliessen.

Sonntags Zeitung:
Wie wichtig ist die Schweiz für den Park?
Roland Mack:
Die sieben Millionen Einwohner der Schweiz sind ein grosses Potenzial für uns. Umso mehr, als in Ihrem Land Mitbewerber fehlen. Ein Viertel unserer Hotelgäste kommt aus der Schweiz. Die Eidgenossen sind das stärkste Kundensegment in den Hotels, vor den Bayern und Hessen.

Sonntags Zeitung:
Sehen Sie Steigerungsmöglichkeiten auf dem Schweizer Markt
Roland Mack:
Ich durfte kürzlich beim Swiss Economic Forum auftreten. Meine Botschaft an die versammelte Unternehmerschar: Der Europapark ist nicht nur Ausflugsziel für Familien, sondern auch ein idealer Tagungsort. Mit Confertainment haben wir ein neues Format kreiert. Es kombiniert Tagungen, Konferenzen oder Seminare mit Shows und Unterhaltung.

© Sonntags Zeitung Juni 2004