Interview DB-Mobil - April 2004

"Unser grö?te Konkurrent hei?t Mallorca"

Roland Mack, Chef des grö?ten deutschen Freizeitparks, über das Geschäft mit dem Nervenkitzel, neue Attraktionen und das Ziel, Kurzurlauber nach Rust zu locken.

DB Mobil:
Herr Mack, trotz allgemeiner Konsumzurückhaltung steigt die Zahl der Besucher im Freizeitpark Rust. Kommen die Menschen zu Ihnen, um ihre Sorgen zu vergessen?
Roland Mack:
Auf jeden Fall wollen wir ihnen etwas bieten, an das sie noch lange denken. Bei uns können die Besucher in kurzer Zeit viele Abenteuer erleben und in eine andere Welt eintauchen.

DB Mobil:
Eine Welt, die vom Nervenkitzel lebt. Mit "Silver Star" betreiben Sie die höchste Achterbahn Europas, und mit Beschleunigungen von bis zu 130 Stundenkilometern eine der schnellsten dazu ? hei?t ihr Erfolgsrezept "höher, schneller, grö?er?"
Roland Mack:
Das macht nur einen Teil aus. Wir wissen, dass die rasanten Fahrgeschäfte vor allem junge Leute anziehen. Wir wollen aber auch kleine Kinder und deren Eltern erreichen. Und die finden bei uns eine Mischung aus Abenteuer, Show und Illusion. Bei uns stehen Achter- und Wildwasserbahnen nicht einfach auf der grünen Wiese. Sie sind eingebettet in schöne Landschaften und Themenbereiche, die verschiedene Länder darstellen: von Italien mit einer italienischen Piazza über Spanien, Skandinavien, Russland bis zum griechischen Dorf, alles gebaut mit Originalmaterialien.

DB Mobil:
Wer will da noch ins Ausland reisen ??
Roland Mack:
Wer bei uns im griechischen Dorf sitzt, hat das Gefühl, er sitze an einem Marktplatz auf Mykonos. Diese Emotion wollen wir wecken, die Leute sollen sich wie im Urlaub fühlen. Andererseits müssen die Gäste auch die Möglichkeit haben, etwas Verrücktes zu erleben.

DB Mobil:
Wie halten Sie den Reiz des Neuen lebendig?
Roland Mack:
Wer einmal Achterbahn gefahren ist, kann das drei Monate später wieder tun und verspürt auch beim dritten Mal noch einen Nervenkitzel. Darauf darf man sich natürlich nicht ausruhen. Deshalb haben wir 2003 eine weitere Attraktion eröffnet, ein 4-D-Kino in Kooperation mit dem World Wildlife Fund. Hier lernen Besucher auf einer gigantischen Leinwand die Erde und die Tierwelt kennen, dazu kommen ?berraschungen wie Wasser oder simulierte Windstürme.

DB Mobil:
Wie wichtig ist der Hotelbetrieb für Ihr Geschäft?
Roland Mack:
Mit den beiden Hotels "El Andaluz" und "Castillo Alcazar" verfügen wir über 1250 Betten und sind damit die grö?te zusammenhängende Hotelanlage in Deutschland. Damit können wir neue Angebote vermarkten und so unseren Park fast ganzjährig auslasten. Bei uns treffen sich Firmen, tagen Parteien, das Europaparlament kommt regelmä?ig zu uns. Die können hier konferieren und ein einmaliges Freizeitangebot wahrnehmen.

DB Mobil:
Wie werden die Hotels von den Besuchern genutzt?
Roland Mack:
Noch kommen die meisten Besucher auf einem Tagesausflug zu uns, aber ich bin sicher, das wird sich ändern. Kurzreisen liegen im Trend, die Leute verreisen öfter und kürzer, und dieses Bedürfnis können wir bedienen. Unser Ziel ist es, dass der Besucher ein, zwei Tage Urlaub bei uns macht. Hier sehen wir uns im Wettbewerb mit anderen Kurzreisezielen. Unser grö?ter Konkurrent hei?t Mallorca.

DB Mobil:
Wie sehen Sie den Wettbewerber Eurodisney ? immerhin lockt der Park jährlich 13 Millionen Besucher an.
Roland Mack:
Ja aber mit einem viel grö?eren Kostenapparat. Das bekommen auch die Besucher an der Kasse zu spüren. Rust kostet etwa ein Drittel des Eintrittspreises, den Disney nimmt, und wir wissen aus Umfragen, dass die Kunden unser Preis-Leistungs-Verhältnis viel höher bewerten als das von Eurodisney.

DB Mobil:
Wie erkennen Sie, was die Freizeitgesellschaft morgen will?
Roland Mack:
Ich kenne viele Parks in der Welt und schaue mir an, welche Attraktionen wo gut laufen. Au?erdem führen wir regelmä?ig Befragungen durch und ermitteln, was auf der Beliebtheitsskala ganz oben rangiert und was abfällt. Wir wollen auch wissen, wie gro? unser Markt eigentlich ist und wo er wachsen kann. Es wurde festgestellt, dass potentiell eine Million Besucher pro Jahr in unserem Park übernachten würden. Wir können aber nur 220.000 aufnehmen. Das hat uns darin bestärkt, eine neue Hotelanlage zu bauen.

DB Mobil:
Was ist das Besondere am neuen Hotel?
Roland Mack:
Es ist eine italienische Anlage, dem Kolosseum nachempfunden, mit Räumen wie im alten Rom, Tagungs- und Konferenzräumen, landestypischen Restaurants und einem gro?en Wellnessbereich. Im Juni wird die Anlage eröffnet.

DB Mobil:
Welche Rolle spielt die Karussell- und Fahrzeugbaufirma heute noch für das Familienunternehmen Mack?
Roland Mack:
Das Fahrgeschäft macht zehn Prozent vom Gesamtumsatz aus. Wir sind daurch international unterwegs und sehen, welche Produkte der Markt braucht. Unser Vorteil ist, dass wir neue Fahrgeschäfte selbst konstruieren und im eigenen Park ausprobieren können. Das Fahrgeschäft hat auch historische Bedeutung. Es ist das Lieblingskind meines Vaters, der es von seinem Gro?vater übernommen hat. Der Vater hat immer gesagt: "Lieber klein und fein als gro? werden und pfuschen." Daran halte auch ich mich.

DB Mobil:
Und das 100 Hektar gro?e Areal, das Ihnen noch zur Verfügung steht: Lädt das nicht dazu ein, noch grö?er zu werden?
Roland Mack:
Wir wollen langsam wachsen und keine Quantensprünge machen. Das freie Gelände, das Sie ansprechen, ist grö?er als der jetzige Freizeitpark. Das wird nicht mehr meine Baustelle sein. Darum sollen sich meine Kinder kümmern.

Interview: Uwe Pütz

© DB-Mobil 4/2004