Interview Business in Baden - April 2004

Macks Geheimnis: ICE-Bahnhof Rust

Ein ICE-Halt, ein gro?es Spa?bad und das grö?te Hotel Deutschlands: Roland Macks Europa Park soll weiter wachsen. Doch nun droht die Politik, diese Pläne fahrlässig zu durchkreuzen

Mit dem 45 Millionen Euro teuren Riesenhotel "Colosseo" legt der Europa Park den Grundstein für weiteres Wachstum. Exklusiv im BIB-Interview verrät Roland Mack, was er mit seinen neuen 120 Hektar vorhat, wie der Park einen ICE-Anschluss erhält, was er aus den Fehlern von Konkurrent Euro-Disney gelernt hat und wie der Park mit einer neuen Organisationsstruktur Kosten spart.

Business in Baden:
Dagobert Duck im leeren Geldspeicher - wie bedrohlich ist die finanzielle Malaise von Euro-Disney für den Europa Park?
Roland Mack:
Disney hat diversifiziert und jeweils ein zweites Angebot gebaut. Doch die Strategie, vom Kurzreiseziel zur Mehrtages-Destination zu werden, ist weder in Paris noch in Los Angeles aufgegangen. Im Gegenteil: Der Markt nimmt es nicht an. Daher müssen auch wir sehr vorsichtig an eine weitere Expansion herangehen. Es kann betriebswirtschaftlich durchaus Sinn machen, als Tagesausflugsziel mit tollen Angeboten zu glänzen.

Business in Baden:
Ist da die für den Oberrhein diskutierte Skihalle ein Thema für Sie?
Roland Mack:
Damit haben wir uns nicht beschäftigt. Und ich fürchte, dass eine solche Halle auf Ständern nicht furchtbar schön aussieht. Das passt nicht an den Oberrhein.

Business in Baden:
Legen Sie Ihre Pläne für einen Europa Park Nummer zwei auf Eis?
Roland Mack:
Das nicht. Wichtig für uns ist ein neuer Camp-Ground. Der kann ruck, zuck 10 bis 15 Hektar benötigen. Zudem fragen 1,8 Millionen unserer Besucher nach einem gro?en Spa?bad: Mit Dach allerdings ist das im Sommer öde, ohne Dach ist die Saison sehr kurz. Daher suchen wir das Ei des Kolumbus. Alles andere befindet sich in einem Reifungsprozess. Wir sind wirtschaftlich gesund und haben nicht die Notwendigkeit, Haut und Haar zu riskieren, um schnell zu wachsen. Disney dagegen hat 1,5 Milliarden investiert und nun 600 000 Besucher weniger. Eine kolossale Fehlentscheidung - obwohl das Unternehmen über enorm viel Erfahrung mit Freizeit-Parks verfügt.

Business in Baden:
Wie gro? ist die Gefahr, dass dem Europa Park ?hnliches widerfährt?
Roland Mack:
Disney hat für fünf Milliarden Euro Investitionen nur 150 Millionen eigenes Kapital eingesetzt. Wenn wir dagegen unser Prinzip nicht verlassen, ist das Risiko überschaubar. Daher habe ich auch kein Interesse, aus dem FamilienunternehmenEuropa Park eine AG zu machen und an die Börse zu gehen.

Business in Baden:
Was kostet die mangelhafte infrastruckturelle Anbindung? Bahn und Flieger kommen nicht nach Rust.
Roland Mack:
Richtig. Während Euro-Disney über eigene TGV-Verbindungen nur 20 Minuten von Paris entfernt ist, leiden wir unter fehlender Infrastruktur. Der Transit nach Frankreich ist schlecht, wir haben weder Flughafen noch Bahnhof. Das müssen wir berücksichtigen, wenn es um weiteres Wachstum geht.

Business in Baden:
Stichwort Bahn: Haben Sie nicht vor kurzem mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn gesprochen?
Roland Mack:
Das ist richtig. Wir sind in Gesprächen und die Bahn ist sehr interessiert. Doch wenn ich sehe, wie jetzt über den vierspurigen Ausbau gestritten wird....

Business in Baden:
Moment! Sie planen mit Mehdorn einen ICE-Bahnhof Rust?
Roland Mack:
Es gibt ?berlegungen für einen Haltepunkt im Zuge des vierspurigen Ausbaus. Die Bahn sieht unser Potential. Umfragen belegen, dass 50 Prozent unserer Besucher die Bahn nutzen würden, wenn wir einen attraktiven Haltepunkt hätten. Wenn die Sache mit dem Flughafen nicht so recht vorangeht, setzen wir erst einmal auf die Bahn.

Business in Baden:
Würden Sie in Ihren Bahnanschluss eigenes Geld Investieren?
Roland Mack:
Diese ?berlegung steht noch nicht an. Aber man wird auch so etwas durchrechnen. Wenn wir damit den Verkehrsfluss signifikant erhöhen - warum nicht?

Business in Baden:
Wie viele Besucher verkraftet denn der Park noch? Sie haben 3,6 Millionen - sind vier Millionen möglich?
Roland Mack:
Wir haben noch viele schwache Tage in der Vor- und Nachsaison. In der Spitze sind wir mit 35 000 Besuchern am Tag am Maximum. Jetzt geht es darum die Besucher- und Verkehrsströme besser zu steuern, um in der Breite Wachstum zu generieren. Ich hoffe nur, dass uns die Politik nicht einen Strich durch die Rechnung macht: ?berlegungen, die Sommerferien bundesweit von 90 auf 70 Tage zu reduzieren, wäre der Supergau für die Tourismuswirtschaft. Dieses unfassbare Vorhaben der Kultusminister würde Milliarden kosten.

Business in Baden:
Apropos Politik: Was kostet Sie Stuttgart Verhinderungspolitik beim Flughafen Lahr?
Roland Mack:
Wir haben nur mit dem Flugzeug die Chance, den Europa-Park tatsächlich als europaweit bedeutende Destination zu entwickeln. Und natürlich ist es nicht so, dass es au?er Lahr keine anderen Flughäfen gibt. Kooperationen mit Basel und Stra?burg werden wir uns sicher nicht aus Frust verschlie?en. Nur: In Lahr gibt es eine sensationelle Landebahn und die können wir vom Hotel aus sogar sehen. Wir könnten hinlaufen! Jeder normale Mensch muss doch nachvollziehen, dass wir um diese tolle Infrastruktur kämpfen. Ich bin mir noch immer sicher, dass wir mit Lahr Geschäft machen könnten.

Business in Baden:
Lässt sich das abschätzen?
Roland Mack:
Bei Euro-Disney kommen 16 Prozent der Besucher mit dem Flieger, das sind 1,6 Millionen. Der Markt für Lahr ist da, die Billigflieger generieren mit gutem Angebot neue Nachfrage - und das wäre für uns eine Wahnsinnschance! Wir reden über ein Potential von 500 000 Fluggästen.

Business in Baden:
Anfang Juni eröffnet das neue Hotel. Wie sehen die Reservierungen aus?
Roland Mack:
Wir haben schon jetzt 140 000 feste Buchungen für das Hotel-Ressort. Ich bin überzeugt, wir landen einen Volltreffer. Aber ich glaube nicht, dass wir von Anfang an unsere früheren Buchungszahlen mit über 90 Prozent Belegung schaffen. Das muss aber auch nicht: Früher mussten wir bei vielen interessanten Veranstaltungen absagen. Und schon jetzt sind wieder fast alle Wochenenden in den drei Hotels ausgebucht.

Business in Baden:
Was haben Sie darüber hinaus in den Park investiert?
Roland Mack:
Wir haben neue Shows: Gladiatoren, Laser, Akrobaten. Das Variete ist umgebaut, die Märchenbahn neu. Wir bauen im Tipi-Dorf einen Western-Saloon. Die Wasserspiele am Hotel mit 32 Meter hoher Fontäne - so etwas gibt es nirgends sonst auf der Welt. Wir setzen jährlich Millionen ein, um den Park attraktiv zu halten.

Business in Baden:Wenn die Millionen nur so durchrauschen - wie sieht es mit dem Cashflow des Europa Parks aus?
Roland Mack:
Wir sind mit dem finanziellen Ergebnis sehr zufrieden, müssen aber dennoch die Kosten im Auge behalten. Wir sind seit einem Jahr dabei, alle Strukturen zu analysieren. Das Resultat ist eine neue Organisationsform mit Mitarbeiterpool statt Abteilungsdenken sowie neuer Führungsstruktur. Damit gehen wir an das Thema Kosten heran und sehen dort auch Potential.

Ulf Tietge

© Business in Baden 4/2004