Interview medienreport - Frühjahr 2001

Weihnachten mit Euro-Maus

Mit Roland Mack sprach Maikka Kost.

medienreport:
Am 7. April ist der Startschuss gefallen. Die neue Saison im Europa-Park ist inzwischen vollem Gange. Wie laufen die ersten Wochen an?
Roland Mack:
Recht gut. Wir hatten ja miserables Wetter. Aber trotzdem ist der Park stark besucht. Ich würde meinen, fast genauso gut als wenn wir gutes Wetter gehabt hätten. Das hängt sicher auch mit der Medialeistung des SWR 3 zusammen. Der Sender veranstaltete ja zum Saisonstart seine fünfte Elch-Party im Park und fast 20.000 Menschen waren dabei. So etwas wirkt nach. Das Wetter spielt dann keine so gro?e Rolle mehr.

medienreport:
Das Wetter scheint Sie ohnehin kaum zu beeindrucken. Unlängst haben Sie angekündigt, dass Sie von diesem Jahr an auch im Winter öffnen werden. Was hat Sie dazu bewogen? Sind sieben Monate und drei Millionen Besucher nicht genug?
Roland Mack:
Man ist immer neugierig, ob andere Formate funktionieren. Der Winter hat einen besonderen Charme, schon wegen der Weihnachtszeit. Seit Jahren stellte man uns die Frage, warum der Park dafür nicht verfügbar ist. Und ich gebe zu, wir konnten uns zunächst nicht mit dem Gedanken anfreunden. Doch wir haben über drei Jahre hinweg unser Publikum danach gefragt und erhielten eine durchweg positive Resonanz. Dazu kam die ?berlegung, dass wir in unseren Hotels immer mehr Fachkräfte brauchen, die wir im Winter schlecht freisetzen können, wenn wir in der neuen Saison wieder auf Qualität aufbauen wollen. Wir beschäftigen 2100 Mitarbeiter von März bis November. 350 bleiben das ganze Jahr. Von ihnen, aber auch von der Gemeinde und von den Anwohnern, die in gro?er Zahl selbst vom Europa-Park profitieren, wird das Projekt begrü?t. Alle erhoffen sich positive Effekte und den wirtschaftlichen Erfolg.

medienreport:
Das setzt aber voraus, dass das Angebot auch angenommen wird. Europa-Park ­ das hei?t Sommer, Sonne, Spa?. Wie wollen Sie Ihre darauf geeichten Besucher im kalten Winter nach Rust locken ?
Roland Mack:
Das ist natürlich eine spannende Sache. Wir wissen auch noch nicht, ob das funktioniert. Deshalb haben wir früh damit begonnen, dafür die Werbetrommel zu rühren. Wir werden natürlich nutzen, dass im Sommer drei Millionen Menschen bei uns zu Gast sind. Und wir werden über einen reduzierten Preis schon während des Sommers versuchen, Tickets abzusetzen. Wir befinden uns im Spannungsfeld von Theorie und Praxis. Wir starten einen Versuchsballon und schauen, was passiert.

medienreport:
Nun müssen Sie uns auch verraten, was die Wintergäste im Europa-Park erwartet...
Roland Mack:
Der Park schlie?t wie üblich im November. Dann wird es Veranstaltungen geben, wie wir sie schon immer angeboten haben: Hotelübernachtungen, Tagungen und gastronomische Events. Wir nutzen die Zeit, um umzudekorieren. Es wird in Teilbereichen des Parks eine Weihnachtsstimmung entstehen, neue Shows werden produziert, andere Inhalte gesucht. Vom 1. Dezember bis 6. Januar öffnen wir dann wieder. Die Besucher erwartet eine Weihnachtsparade, eine Eisrevue, in unseren Restaurants entsprechende Gerichte. Auch die Geschäfte werden eine Weihnachtsdekoration bekommen. Einige werden ein komplett anderes Sortiment anbieten. Und natürlich haben die Fahrgeschäfte in den betreffenden Themenbereichen auf.

medienreport:
Brrrrrr. Euro-Mir fahren im Winter... Macht das wirklich Spa??
Roland Mack:
Warum nicht? Auf der Euro-Mir bleibt kaum Zeit zum Schlottern. Aber aus diesem Grund konzentrieren wir uns natürlich zunächst auf die Indoor-Aktivitäten. In den betreffenden Themenbereichen stehen ja gro?e überdachte Fahrattraktionen wie die Eurosat-Bahn zur Verfügung. Auch die Euro-Mir ist teilweise überdacht. Die Wasserfahrgeschäfte werden wir generell nicht öffnen.

medienreport:
Wenn nicht alle Attraktionen offen sind, müssen die Besucher trotzdem den vollen Preis bezahlen?
Roland Mack:
Wo denken Sie hin? Es ist doch nicht so, dass wir nur die Hälfte öffnen und dann das Doppelte verlangen.

medienreport:
Sie sind mit der erste Freizeitpark in Deutschland, der im Winter öffnet. Wie hat die Konkurrenz auf Ihre Pläne reagiert ?
Roland Mack:
Die staunt natürlich. Manche überlegen schon, es uns nachzumachen. Aber ob die das dann auch wirklich tun? Wir sind der Marktführer in Deutschland und die Nummer Zwei in Europa. Die anderen werden uns zunächst einmal beobachten. Wenn`s gut geht, machen sie auch auf. Wenn die Sache floppt, werden sie sagen: Wir haben es gewusst. Ich sage immer: Marktführer zu werden ist einfacher als Marktführer zu bleiben. Denn wer als Trendsetter gesehen wird, wird auch gejagt und muss infolgedessen immer einen Schritt schneller sein als der Rest.

medienreport:
Hei?t das jetzt, dass der nächste schnelle Schritt in Richtung einer durchgehenden Parköffnung führt?
Roland Mack:
Man soll nie nie sagen. Aber ich kann mir das zur Zeit nicht vorstellen. Die Erfahrung zeigt ja, dass nach Weihnachten die Kaufkraft der Menschen stark zurückgeht. Dazu kommt, dass Januar und Februar in der Regel noch kälter sind als Dezember und Januar. Und diese beiden Monate haben kein charmantes Thema au?er der Fasnacht, die in unserer Gegend ohnehin ausgiebig begangen wird. Was sollen wir also anbieten? Um ganzjährig zu öffnen, bräuchten wir ein Zusatzangebot.

medienreport:
Damit sind wir beim zweiten gro?en Thema, das den Europa Park zur Zeit bewegt. Die Erweiterung. Sie haben sich ja Gro?es vorgenommen?
Roland Mack:
Zunächst einmal planen wir nur eine neue Achterbahn...

medienreport:
...»nur« klingt sehr bescheiden. Es soll immerhin die höchste Europas werden...
Roland Mack:
Richtig. Sie wird am höchsten Punkt 70 Meter über der Erde schweben und von dort mit Tempo 130 in die Tiefe sausen. Ein au?ergewöhnlicher Thrill. Für diese Bahn haben wir auf dem jetzigen Gelände keinen Platz. Darum wird sie au?erhalb gebaut. Zum Saisonstart 2002 soll sie fertig sein. Unser zweites Expansionsprojekt geht in eine ganz andere Richtung. Auf einem 120 Hektar gro?en Gelände geht es um die Errichtung eines touristischen Dienstleistungszentrums. Da hier aber die Politik gefordert ist, einen regionalen Grünzug zurückzunehmen, wird sich das Projekt jedoch noch etwas hinziehen. Wir rechnen mit einem Zeitrahmen von vier bis fünf Jahren.

medienreport:
Bisher haben Sie mit ihren Plänen dazu hinter dem Berg gehalten. Können Sie inzwischen schon etwas sagen ?
Roland Mack:
Wir stehen vor einer Stoffsammlung aus vielen guten Ideen. Doch wir wissen auch, dass man sich in unserer Branche Optionen offen halten muss. Wir werden nicht subventioniert, wie ähnliche Betriebe in Frankreich, sondern tragen das Risiko allein. Das hei?t wir müssen Konzepte umsetzen, die erfolgreich sind und dazu ist es nötig, dass wir sehr zeitnah entscheiden. Einige Politiker verstehen das nicht. Aber sie können darauf vertrauen, dass wir nur etwas realisieren, das zu uns passt.

medienreport:
Das werden auf jeden Fall Hotelbetten sein...
Roland Mack:
Ja, Betten brauchen wir. Die Zahl der Mehrtagesbesucher hat rapide zugenommen ­ Tendenz steigend. In ganz Rust sind die Hotels wie Pilze aus dem Boden geschossen und wir selbst haben eine solche Nachfrage, dass wir beabsichtigen, in nächster Zeit ein weiteres Hotel zu bauen. Aber wir brauchen auch preiswertere ?bernachtungsangebote. Ich denke an einen Campingplatz mit Erlebniswert. Daneben würden wir uns weitere attraktive Freizeiteinrichtungen wünschen. Ein Erlebnisbad, Funsport-Anlagen. Eine gute Mischung aus Indoor- und Outdoor-Aktivitäten eben.

medienreport:
Kurzurlauber brauchen künftig also nicht mehr in den Flieger zu steigen. In Rust gibt`s ganz Europa auf einem Fleck und viel Spa? dazu...
Roland Mack:
Ja. Wir müssen nur sagen: Das ist unser Angebot für Ihren Kurzurlaub in einer touristisch attraktiven Landschaft. Drei, vier, fünf Tage im Oberrhein-Gebiet zwischen Schwarzwald, Frankreich und Schweiz mit Wassersportangeboten, einem Themenpark und Themenhotels. Damit gehen wir an den Markt, so wie Mallorca an den Markt geht mit Wasser und Sonne.

medienreport:
Was wünschen Sie sich für die laufende Saison?
Roland Mack:
Es ist unser oberstes Ziel, dass die Menschen den Alltag abhaken und sich fühlen wie in einer anderen Welt. Wenn uns das jetzt und in Zukunft noch weiterhin gelingt, dann ist mir nicht bange. Die Menschen sind bereit dazu, sich fallen zu lassen, aber das geht nur, wenn man Qualität anbietet und die ganze Sache mit Perfektion angeht. Und das tun wir.

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