Interview Mittelbadische Presse - Saisonstart 2001

"Es wird allmählich eng"
Von Reinhard Kluckert und Reinhard Reck

Wenn eine Erweiterung des Europa Parks beim neuen Autobahnzubringer nicht möglich ist, wird sich das Unternehmen vielleicht au?erhalb der Ortenau engagieren. Die Freizeiteinrichtung, die im Jahr 2000 von rund drei Millionen Gästen aufgesucht wurde, ist auf eine Vergrö?erung angewiesen, erklärte der Geschäftsführende Gesellschafter Roland Mack ( 51 ) im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse. Seit Wochen schon konzentrieren sich die Mitarbeiter auf die neue Saison, die am 7. April beginnt.

Mittelbadische Presse:
Herr Mack, welche neuen Attraktionen wird es in der kommenden Saison für die Besucher geben?
Roland Mack:
Das Wichtigste wird die Fertigstellung des griechischen Dorfes sein. Bereits im vergangenen Jahr hatten wir ja schon die Poseidon-Bahn und den "Fluch der Kassandra" eingeweiht. Wir werden alles sehr lebendig gestalten - beispielsweise mit Gastronomie-Betrieben. Da wir denThemenbereich auf zwei Ebenen verteilt haben, bleibt uns noch Platz für eine weitere Attraktion.

Mittelbadische Presse:
Mit dem "Dome" des Schweizer Stararchitekten Mario Botta verfügen Sie jetzt über einen weiteren Veranstaltungsraum.
Roland Mack:
Richtig. Der Europa- Park Dome wurde seinerzeit für die Schweizer 700-Jahr-Feier in Bellinzona erbaut. Ich bin sehr froh, dass wir dieses au?ergewöhnliche Gebäude erwerben konnten. Es ist eine tolle Veranstaltungshalle für über 2 500 Leute. Wir werden dort kulturelle Veranstaltungen aber auch andere Events wie Firmen-Präsentationen durchführen können. Der Raum wurde einer Kathedrale nachempfunden, ist stützenfrei und besitzt deswegen ein besonderes Flair. Insgesamt hat der Europapark jetzt sieben Räumlichkeiten, die für grö?ere Veranstaltungen geeignet sind. Wir könnten, nicht eingerechnet die Restaurants, 10 000 Gäste unter Dach aufnehmen.

Mittelbadische Presse:
Haben Sie auch schon bestehende Themenbereiche erweitert?
Roland Mack:
In den Schweizer Themenbereich haben wir einige 200 Jahre alte Chalets, die extra nach Rust überführt wurden, integriert. Auf gro?es Interesse sto?en wird auch der neue Zaubergarten, den wir in Zusammenarbeit mit "Mein schöner Garten" von Burda eingerichtet haben. Wir wollen dort auch Tipps für Gärtner geben und die Bepflanzung den Jahreszeiten anpassen. Neue Attraktionen gibt es mit den Wasser-Scootern beim Nivea-Kinderland. Ich möchte auch hinzufügen, dass man ab der neuen Saison auch Mobilheime im Europapark mieten kann. Der Bereich Caravaning wird immer wichtiger für uns.

Mittelbadische Presse:
Im Herbst wurde Klaus Brodbeck zum neuen Landrat gewählt. Was erhoffen Sie sich für den Park von ihm?
Roland Mack:
Ich wäre dankbar, wenn er unsere Absichten zur Erweiterung des Parks am neuen Autobahnzubringer Rust/ Ringsheim unterstützen würde.

Mittelbadische Presse:
Der Park verfügt schon über eine Fläche von 65 Hektar. Reicht das nicht aus?
Roland Mack:
Natürlich haben wir noch Reserven. Aber dass es allmählich eng wird, können Sie schon daran sehen, dass wir die neue gro?e Achterbahn über dem Parkplatz bauen müssen. Au?erdem können wir nicht das ganze Gelände mit Fahrgeschäften vollbauen. Denn der Gast schätzt ja am Park auch die Grünanlagen und Teiche. Er möchte Bereiche haben, in die er sich zurückziehen kann. Nur rund zehn Prozent des Areals sind derzeit überbaut.

Mittelbadische Presse:
Sie benötigen auch mehr Hotelbetten?
Roland Mack:
Wir wollen ein attraktives Programm für Kurzurlauber bieten, die zwei oder drei Tage im Park verbringen wollen. Das ist ein Trend, der in Zukunft immer stärker werden wird. Darin liegt für uns ein gro?es Potenzial, denn dann können viel mehr Leute kommen, die in anderen Teilen Deutschlands oder im Ausland wohnen. Die Kapazitäten, die unsere beiden Hotels bieten, sind fast schon erschöpft. Das betrifft auch Rust und die umliegenden Gemeinden. Hier wird ein Jahresumsatz von einer Million Mark generiert. Ich halte mich schon mit Werbekampagnen auf nationaler Ebene zurück, um nicht Bedürfnisse zu erzeugen, die ich nicht befriedigen kann. Deswegen sind wir auf eine Erweiterung angewiesen, und das Gelände am neuen Autobahnzubringer bietet sich ja geradezu an.

Mittelbadische Presse:
Am 29. März wird sich der Regionalverband Südlicher Oberrhein vor Ort über das Problem informieren, wobei es konkret um eine mögliche ?nderung des regionalen Grünzugs geht. Wie man hört, gibt es von Umweltschützern Bedenken. Nehmen Sie die ernst?
Roland Mack:
Natürlich muss man Gespräch führen, um einen Interessenausgleich zu schaffen. Das sehen wir ganz emotionslos. Ich bin sehr bestrebt, mit den Gemeinden, den Behörden und der Bevölkerung eine Einigung zu erzielen. Das ist in den vergangenen Jahren auch immer gelungen. Man darf bei allen berechtigten Anliegen des Umweltschutzes aber bei bestimmten Dingen den Anschluss nicht verpassen. Ich möchte auch kein Gewerbegebiet dort schaffen, sondern ein Zentrum für Dienstleistung und Tourismus. Und fliegen Sie einmal mit dem Hubschrauber über diese Gegend: Es ist grün, soweit das Auge reicht. Deswegen halte ich das Projekt für absolut vertretbar und kann manche ?ngste nicht verstehen. Für die genutzten Flächen muss ja auch ein Ausgleich geschaffen werden.

Mittelbadische Presse:
Es wird gemunkelt, Sie hätten schon konkrete Pläne in der Schublade. Stimmt das?
Roland Mack:
Auf keinen Fall. Ich habe nur bestimmte Ideen. Ich würde gern meinen Gästen mehr Betten zur Verfügung stellen und weitere Freizeiteinrichtungen wie ein Erlebnis-Bad bauen. Auch die Errichtung eines Kongresszentrums für Tagungen wäre sinnvoll, weil die Nachfrage immer stärker wird. Ich möchte auch noch darauf hinweisen, dass seitens der Gemeinden Rust und Ringsheim schon lange über eine interkommunale Nutzung des Geländes an der Autobahnzufahrt nachgedacht wird und dass man es für sinnvoll hält, den Europa-Park mit ins Boot zu nehmen. Die Voraussetzungen sind ja auch deswegen günstig, weil das Gelände, etwa 120 Hektar gro?, bereits in Gemeindebesitz ist. Insofern decken sich meine Interessen mit denen der beiden Gemeinden. Die Erweiterung würde schlie?lich der ganzen Region nutzen.

Mittelbadische Presse:
Was werden Sie tun, wenn aus der Erweiterung nichts wird?
Roland Mack:
Dann werden wir uns über kurz oder lang fragen müssen, ob wir unser Engagement irgendwo anders fortsetzen müssen. Das ist doch ganz klar. Ich werde kein Hausverwalter einer dahinsiechenden Einrichtung sein, sondern als Unternehmer neue Chancen suchen. Schlie?lich bekommen wir als erfolgreiches Unternehmen permanent Angebote. Und die Konkurrenz schläft nicht. Im kommenden Jahr wird in Günzburg mit Legoland ein neuer Freizeitpark eingerichtet werden, der bestimmt für viele unserer jetzigen Kunden auch interessant wird. Ich habe die Befürchtung, dass die Besucherzahlen sinken könnten, wenn wir die Dynamik bei dem Bau neuer Attraktionen, die wir in den vergangenen Jahren hatten, nicht durchhalten.

Mittelbadische Presse:
Die Wigginsgroup will jetzt beim Lahrer Flughafen einsteigen. Versprechen Sie sich für den Park mehr Chancen von diesem Neubeginn?
Roland Mack:
Bisher gibt es ja leider nur einen Frachtverkehr. Ich würde es trotzdem sehr begrü?en, wennauf dem Lahrer Flughafen Personentransport stattfinden könnte. Schon der frühere Landesverkehrsminister Hermann Schaufler hatte ja deutlich gemacht, dass er in Lahr einen Shuttleverkehr für unsere Gäste genehmigen würde, wenn konkrete Konzepte mit dem Europa-Park vorgelegt würden. Es wäre schön, wenn man doch noch den Durchbruch schaffen könnte. Dann hätten wir eine ganz neue Klientel, Menschen, die bisher nicht gekommen sind.

Mittelbadische Presse:
Der Freizeitpark »Bioscope« wird jetzt doch im Elsass gebaut. Er wird zwar kleiner, als ursprünglich geplant und kommt auch nicht nach Stra?burg, sondern ins Oberelsass. Sehen Sie in ihm eine starke Konkurrenz?
Roland Mack:
Durchaus. Aber noch wei? keiner genau, was dort eigentlich hinkommen soll. Die Politiker haben das Projekt solange gepuscht, bis es schlie?lich bei Asterix Parc hängenblieb. Ich sehe mit gro?er Sorge, dass der Staat erheblich Geld dazuschie?t. Fast 200 Millionen Francs gibt die Région Alsace dazu. Das ist ein Skandal und eine Wettbewerbsverzerrung erster Güte. Wir haben keine Mark an Subventionen bekommen. Auch sind die Voraussetzungen in steuerlicher Hinsicht für uns viel ungünstiger. Die Mehrwertsteuer, die man für die Eintrittsgelder abführen muss, beträgt in Frankreich fünf Prozent, wir zahlen 16 Prozent. Die Differenz entspricht mit 20 Millionen Mark unserem durchschnittlichen Investitionsvolumen pro Jahr. Derzeit ist der Verband Deutscher Freizeitunternehmen am ?berlegen, ob er deswegen Klagen bei der EU-Kommission einreichen soll.

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