Jetzt ist der Park kein Spielplatz mehr

Badische Zeitung - Interview mit Michael, Thomas und ihrem Vater Roland Mack über den eingeläuteten Generationswechsel an der Spitze des Europa-Parks.

RUST. Der Europa-Park bleibt in Familienhand: Dafür garantieren Michael und Thomas, die Söhne von Park-Chef Roland Mack. Sie arbeiten jetzt in der Geschäftsführung des Freizeitparks mit, den sie später einmal übernehmen sollen. Wie sie die neue Situation erleben, verrieten die Macks im Gespräch mit Maikka Kost.

BZ: Das ist ja der Traum jedes Vaters, dass die Söhne das eigene Lebenswerk fortführen. Wie geht es Ihnen damit, Herr Mack?
Roland Mack: Wenn ein Haus so eine lange Tradition hat wie das unsrige, dann möchte man natürlich, dass auch in der Generation, die nachkommt, wieder Interesse da ist. Aber, offen gesagt, mit Träumen kommt man da nicht weiter.

BZ: Sondern? Mit was dann?
Roland Mack: Es braucht eine gezielte Vorarbeit, und die fängt bei der Entscheidung an, wo die Kinder aufwachsen sollen. Glauben Sie, ich bin umsonst mit der
Familie mitten in den Park gezogen? Die Kinder sollten das Unternehmen quasi mit der Muttermilch aufsaugen.

BZ: War das auch Ihre eigene Erfahrung?
Roland Mack: Ja, und darum stand für mich schon während der Schulzeit fest,was ich sagen würde, wenn mein Vater mich fragt: Willst Du die Firma übernehmen? Ich sehe das bei Kollegen, die weniger zielorientiert an die Sache gehen. Die stehen am Ende ihres Berufslebens vor dem Nichts und müssen verkaufen. Das ist bei uns Gott sei Dank anders gelaufen.

BZ: Trotzdem haben Söhne mitunter eigene Köpfe. Sie wollen lieber ?rzte, Piloten oder Lokführer werden, als den Betrieb übernehmen. Bestand die Gefahr nie?
Thomas Mack: Wenn sich diese Berufs fragen für uns gestellt hätten, vielleicht schon. Aber wir sind tatsächlich mit Haut und Haaren hier rein gewachsen. Die Firma war und ist unser ständiger Begleiter, und die Lücken, um auf andere Gedanken zu kommen, waren relativ klein.
Michael Mack: Das kann ich nur bestätigen. Wir mussten auch von Anfang an bereit sein, uns ein- und unterzuordnen. Urlaub vom Europa-Park ? das gab?s nie. Die Eltern mussten ja im Sommer hier sein. Also haben wir in der Schreinerei, der Schlosserei oder in der Produktion mitgearbeitet. Wir haben die Lust aber auch die Last der Unternehmensführung früh zu spüren bekommen. Und wenn wir schon mal wegfuhren, dann höchstens in andere Freizeitparks.
Roland Mack: Im übrigen wäre Lokführer noch gegangen. Eisenbahnen sind ja genug da. Wie der Park überhaupt eine breite Palette an Berufen bietet. Da hätte ich es nicht verstanden, wenn die beiden nichts gefunden hätten. Zum Schluss hat bei uns sogar ein Pfarrer Arbeit. Ob das allerdings das Richtige gewesen wäre?

BZ: Warum nicht? Weil ein Geschäftsführer hart und grausam sein muss, statt gütig und sanft?
Roland Mack: Auf alle Fälle läuft da viel zu viel im zwischenmenschlichen Bereich.

BZ: Soll hei?en: Man muss die Sicht auf den Betrieb ändern, wenn man an der Spitze steht?
Thomas Mack: Sicher. Früher war der Park für uns ein riesiger Spielplatz. Wir sind mit dem Skateboard die Bobbahn runter gefahren, wir haben mit 14 im geschlossenen Park die ersten Runden im Auto gedreht und viele Streiche gespielt. Jetzt ist eine neue Rolle einzunehmen und wir treten im Umgang mit Mitarbeitern und der Familie auch schon anders auf. Ich sage dazu immer: Wir haben jetzt unsere Unschuld verloren.
Michael Mack: Na ja, das geht mir etwas zu weit. Aber es stimmt schon, dass man die Verantwortung spürt. Langsam. Denn das Spielen ist noch nicht vorbei. Wir haben noch die Chance, Dinge auszuprobieren. Das finde ich sehr wichtig, dass es nicht gleich hie?: So, und jetzt macht der eine nur den Park und der andere nur die Finanzen. Da hätte ich nach drei Monaten gesagt: Vater, darüber müssen wir uns noch mal unterhalten.
Roland Mack: Moment mal. Was soll das denn hei?en? Ich hatte schon gedacht, dass unser Geschäft auf jeden Fall was mit Finanzen zu tun hat. Muss ich jetzt froh sein, dass Euer Onkel noch da ist?
Michael Mack: Sicher musst du das. Und wir sind darüber auch froh: dass du, er und sogar der Opa uns unterstützen und dass wir Euch fragen können, wenn wir nicht weiter wissen. Wenn man direkt ran muss, ist es sicher viel schwerer.

BZ: Manche haben sich auch aus anderen Gründen gefragt, ob der Generationswechsel nicht zu früh kommt. Ihr Bruder Jürgen und Sie stehen ja noch voll im Saft.
Roland Mack: Man kann natürlich bis zum letzten Drücker warten. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass die Firmen am erfolgreichsten waren, die früh Verantwortung abgaben. Und wenn man merkt, dass die Kinder ins Unternehmen kommen, muss man dazu bereit sein.

BZ: Dann ziehen Sie sich also bald aufs Altenteil zurück?
Roland Mack: Ach wo. Denn zuerst mal hab? ich nicht weniger Arbeit, weil die Buben ja kontrolliert werden müssen. Es stellt sich höchstens die Frage, ob ich weiter sieben Tage die Woche arbeiten muss oder ob ich mit fünf Tagen auskomme. Das operative Geschäft, das die tägliche Präsenz erfordert, ist ein Mammutjob. Das wissen viele Mitarbeiter nicht: Die verabschieden sich am Freitag und ich mache danach noch 30 Stunden weiter. Wenn ich mich da bald vertreten lassen kann, wäre das eine tolle Entlastung.

BZ: Dazu muss man auf alle Fälle achterbahntauglich sein. Sind die Söhne das?
Michael Mack: Selbstverständlich. Es gibt keinen Mack, der das nicht ist.
Thomas Mack: Bei neuen Bahnen galt stets die Devise: Erst die Macks, dann die Sandsäcke. Daran ändert sich nichts.

BZ: Aber? Was sonst?
Thomas Mack: Wir möchten im Europa-Park gerne unsere eigenen Ideen einbringen, immer wieder Neues ausprobieren.
Michael Mack: Gleichzeitig soll das erfolgreiche Konzept Familienpark bestehen bleiben. ?nderungen sind vor allem an der Infrastruktur notwendig: Wir müssen die Stra?e umlegen, um hinzugekaufte Fläche direkt anbinden zu können. Au?erdem benötigen wir mehr Parkplätze.

BZ: Können Sie eigene Ideen denn heute schon durchsetzen?
Michael Mack: Auf jeden Fall. Ich zum Beispiel bringe mich stark bei neuen Formaten und den neuen Medien ein. Altersbedingt kennen wir uns hier einfach besser aus. Die Idee zu den ?Terenzi Horror Nights? habe ich mit Marc Terenzi entwickelt und umgesetzt. Der Vater war skeptisch, hat mir aber freie Hand gelassen. Und der Erfolg gab uns dann Recht.
Thomas Mack: Das neue Restaurant ?Bamboo Baai? lag von Beginn an in meinen Händen. Von der Konzeption der Showküche bis zur Abendveranstaltung zeichne ich für alles verantwortlich. Unser Vater ist immer offen und unterstützt uns dabei, eigene Ideen zu verwirklichen.

BZ: Wo, glauben Sie, wird der Park in zehn Jahren stehen?
Michael Mack: Er wird weiter wachsen. Wir beginnen dieses Jahr auf 15 Hektar mit der Bebauung. Auch zwischen Rust und Ringsheim soll es neue Angebote geben.
Thomas Mack: Unser Ziel ist es, die Besucher langfristig an den Park zu binden und ihn als Kurzreiseziel zu etablieren. Der Trend geht eindeutig in diese Richtung.

BZ: Dass der Europa-Park von zwei Brüdern geführt wird, hat ja schon Tradition. Was wird unerlässlich sein, dass das System auch künftig funktioniert?
Thomas Mack: In einem Familienunternehmen ist es wahnsinnig wichtig, das man sich gut versteht. Michael und ich verstehen uns sehr gut. Wir sind zwar sehr
verschieden, ergänzen uns dadurch aber ganz gut.
Michael Mack: Was hilft, ist eine klare Aufgabenverteilung. Momentan treffen wir ja Entscheidungen immer zu viert, später wird man sehen müssen, wo die
Interessen jedes einzelnen liegen.

BZ: Welchen Rat kann der Vater aus seiner Erfahrung geben?
Roland Mack: Sie müssen sich vor allem die richtigen Frauen suchen. Frauen sind das grö?te Risiko, wenn Brüder zusammenarbeiten sollen. Schlie?lich haben sie einen gewissen Einfluss auf die Männer, selbst wenn sie im Hintergrund arbeiten, was bei uns immer Prinzip war. Und wir sind damit gut gefahren.

BZ: Na dann ist ja klar, welche Rolle die Schwester von Michael und Thomas einmal spielen wird?
Thomas: (schmunzelt): Ja, die darf als einzige machen, was sie will.
Roland Mack: Tatsächlich ist die Tochter nicht so intensiv auf die Aufgabe, das Unternehmen zu führen, vorbereitet worden. Und sie streckt auch nicht den Finger. Allerdings, wenn sie merkt, dass einer der Jungs schwächelt, dann steht sie sofort da. Da bin ich mir ganz sicher.

BZ: Ihr Traum für die Zukunft?
Roland Mack: Der Europa-Park soll auch weiterhin ein erfolgreiches Familienunternehmen bleiben.
Thomas Mack: Wir möchten den Generationenwechsel erfolgreich durchführen und die Erfolgsgeschichte des Europa-Park weiterschreiben. Wir als achte Generation im Unternehmen haben eine gro?e Verantwortung, das, was unser Vater und unser Opa aufgebaut und sehr gut geführt haben auch erfolgreich weiterzuführen.
Michael Mack: Am wichtigsten ist, dass die Familie gesund bleibt und wir uns alle gut verstehen. Das ist auch die Voraussetzung für eine weiterhin erfolgreiche Zusammenarbeit.

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