Regieren ist gut, Kontrolle ist besser

Ghafoor Rahim, früher Minister in Afghanistan, arbeitet nach der Flucht am Europa-Eingang

RUST/ETTENHEIM. Ghafoor Rahim hat in seiner Heimat zur politischen Elite gehört. Er war in Afghanistan Minister für Wasserbau und Energie. Nach der Machtübernahme durch die Mudschaheddin vor 16 Jahren floh er mit der Familie nach Deutschland. In Südbaden fand er ein neues Zuhause. Seit sieben Jahren arbeitet er als Einlasskontrolleur im Europa-Park in Rust. Dort begrü?t er in der Hauptsaison täglich bis zu 40 000 Besucher.

"Ich liebe den Umgang mit Menschen" , sagt der 61 Jahre alte Rahim, der mit seiner Frau und zwei erwachsenen Söhnen in Ettenheim lebt. Am Haupteingang des Europa-Parks kontrolliert er Eintrittskarten, erteilt Auskünfte, beantwortet Fragen. "Meine Aufgabe ist es, freundlich zu sein und den Menschen offen zu begegnen - das war schon früher als Minister so." Seine heutige Arbeit macht ihm Spa?, weil sie abwechslungsreich sei. "Ich fühle mich wohl in Deutschland."

In Gedanken ist er jedoch oft in Afghanistan. "Ich verfolge die Entwicklung sehr genau." Rahim ist in der Hauptstadt Kabul geboren. Er studierte im russischen St. Petersburg und arbeitete als Diplom-Ingenieur für die afghanische Regierung am Aufbau der Wasserversorgung. Von 1990 bis 1992 war der parteilose Politiker Minister in der sowjetisch gestützten Regierung. Als sie gestürzt wurde, fürchtete er um sein Leben und floh.

"Afghanistan war immer ein Land in Unruhe." Rahim hofft, dass nach 30 Jahren kriegerischer Auseinandersetzungennun Frieden einkehrt. Für langfristige Stabilität sei der Vielvölkerstaat, auf ausländische Hilfe angewiesen, nicht nur militärische. Vor allem müsse die Infrastruktur wiederaufgebaut werden - Beispiel Wasserversorgung: "Alles, was wir damals aufgebaut haben, ist zerstört." Die Bürger brauchen bessere Bedingungen, steht für Rahim fest. "Friede ist erst möglich, wenn es den Menschen besser geht."

"Ich habe den Eindruck, das Interesse der Deutschen an Afghanistan ist in den vergangenen Jahren noch gestiegen" , sagt Ghafoor Rahim. Etwa durch die Diskussion, ob und wie die Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt werde. Rahim will etwas für sein Heimatland Land tun. Leben könne er in Afghanistan derzeit nicht, dafür sei es zu unsicher. Hoffnung habe er aber noch immer. "Den Traum, wieder in einem friedlichen Afghanistan zu leben, habe ich nie aufgegeben."