Interview mit Thomas Mack und Herrn Rose

epfans.info sprach am 07. Dezember 2008 mit Thomas Mack, Prokurist und Direktor Parkgastronomie, sowie Herrn Rose, Betriebsleiter Gastronomie, über die Betriebe im Park und die Neuheiten 2009.

epfans.info: Thomas, in einigen Freizeitparks in den USA und Gro?britannien trifft man immer wieder Pauschal-Angebote für Speisen und Getränke an. Könnte sich ein derartiges System auch betriebswirtschaftlich im Europa-Park rechnen und lie?e sich solch eine Lösung in Rust ebenfalls umsetzen?

Thomas Mack: Das System ist in den USA schon in früherer Zeit stark im Kommen gewesen, schwächt sich aber auch dort immer mehr ab. Eines der grö?ten Probleme dabei ist auf die damit einher gehende, mangelhafte Hygiene zurückzuführen.
Eine erneute Befüllung der Getränkebecher setzt zum Beispiel eine gründliche Wäsche derselben zwingend voraus. Sowohl aus Gründen der Hygiene als auch aufgrund der fehlenden Kapazitäten sehen wir von derartigen Pauschalangeboten entschieden ab. Unter dem Aspekt unserer hohen Qualitäts-Standards wäre das für den Europa-Park ganz sicher kein Vorteil.

Herr Rose: Ganz sicher betrachten wir das auch unter betriebswirtschaftlichem Aspekt eher kritisch. Die umsatzstärksten Monate liegen im Europa-Park in der Sommerzeit. Und auch bei McDonalds ist dieses System rückläufig, da es sich wirtschaftlich einfach nicht rechnen kann, wenn eine ganze Familie nur noch einen Becher kauft und sie sich diesen immer wieder füllen lässt. Dadurch brechen Umsätze und Besuchsrate in den Gastronomie-Betrieben ein. Ein solches System beruht natürlich auch auf einer Mischkalkulation: Entweder setzt man den Preis sehr hoch an oder wälzt ihn wiederum auf die Eintrittspreise um. Wirtschaftlich kann man nicht vorhersehen, ob das ein Erfolg wäre und sich für uns rechnen könnte.

epfans.info: Was ist von den Preisvergleichen zwischen den einzelnen Freizeitparks in Deutschland und Europa zu halten?

Thomas Mack: Die Vergleiche kamen bei uns im Park erst in der letzten Zeit mit der Einführung der PET-Flaschen auf. Dadurch wurde natürlich der Vergleich zwischen Einzelhandel und Park-Gastronomie deutlicher. Der Gast sieht jedoch nicht, dass die von uns definierten Preise auf der Grundlage einer Mischkalkulation beruhen. Das bedeutet auch, dass sich steigende Löhne und Betriebskosten in der Gastronomie auf die Preise der Speisen und Getränke auswirken.

epfans.info: Warum gibt es keine Automaten im Europa-Park?

Thomas Mack: Ich finde Automaten im Park sehr störend im Hinblick auf das Gesamtbild. An den Parkplätzen haben wir jedoch für die Gäste mit längerem Anfahrtsweg einen Automaten bereitgestellt. Dort können die Besucher für ihre Heimfahrt Getränke erwerben.

epfans.info: Wie würdest Du ein Angebot von ?All-you-can-Eat-Buffets" während des Parkbetriebs einschätzen?

Thomas Mack: Ein guter Gedanke, den wir vielleicht in der nächsten Zeit aufgreifen und testen werden. Das Problem dabei sind die schwankenden Besucherzahlen. An einem Tag zählen wir 10.000 Besucher, am nächsten Tag vielleicht 5.000 mehr oder weniger. Das kann fallweise hier und da zu gravierenden Engpässen führen. Jedoch bin ich optimistisch, dass wir ein derartiges Buffet-Angebot ausprobieren und dann kritisch auf die Kundenresonanz schauen werden.

epfans.info: In den Hotels ist uns aufgefallen, dass sich die Karte im Restaurant Don Quichotte im Vergleich zum Medici nicht ändert. Warum ist das so?

Thomas Mack: Die Speisenangebote kommen sehr gut bei unseren Gästen an. Da das Don Quichotte zusätzlich auch als Parkrestaurant fungiert, haben wir uns dort im Bezug auf das Angebot etwas stärker festgelegt. So sind wir im Servieren der Speisen schneller. Selbstverständlich werden wir jedoch auch dort in Zukunft das Speisenangebot entsprechend der Wünsche unserer Besucher anpassen. Für wechselnde Gerichte gibt es zusätzlich ein Einlageblatt mit verschiedenen Gerichten, die sich von Woche zu Woche abwechseln.

epfans.info: Die Industrie im Einzelhandel und auch in den Gastrobetrieben in unserer Umgebung setzen vermehrt auf BIO-Produkte. Wie steht der Europa-Park zu diesem Thema?

Thomas Mack: Bei einem Branchentreffen wurde das Thema ?Gesundes Essen" intensiv diskutiert und erörtert. Dabei schilderte ein Ernährungsphysiologe, dass es sehr schwierig ist, in Freizeitparks ?gesunde" Produkte anzubieten. Wir haben ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass der Kunde dies schlichtweg nicht annimmt. Wer einen Freizeitpark besucht, macht diesbezüglich gerne eine Ausnahme. Getreu dem Motto: ?Ich ernähre mich eigentlich das ganze Jahr über gesund, also kann ich mir heute auch ausnahmsweise einmal einen Hamburger gönnen" genie?t er sein Vergnügen.
Wir führen z. B. jeden Tag einen frischen Eintopf während der Wintersaison im Angebot. Und auch im Colonial House gibt es frische Früchte in gro?er Auswahl. Ich bin der Meinung, es liegt an uns, die Gäste für diese Produkte noch mehr zu begeistern. Da sehe ich noch Nachholbedarf.

epfans.info: Es gibt Themenbereiche, in denen der Parkbesucher ?landestypische" Speisen und Getränke bestellen kann. Beispiele hierfür sind das Raclette in der Schweiz oder der Flammkuchen in Frankreich. In anderen Themenbereichen hingegen ist das gastronomische Angebot weniger spezifisch festgelegt. So erhält man Crêpes in Holland oder in England eine Currywurst, obwohl man diese Länder doch zwangsläufig eher mit Poffertjes oder Fish `n` Chips in Verbindung bringt.
Sind solche ?nderungen im Angebot für Dich denkbar?


Thomas Mack: Wir hatten schon Fish `n` Chips im Angebot. Leider mussten wir feststellen, dass das bei unseren Kunden nicht so gut ankam. Die Friteusen-Station müsste zudem erweitert werden. Pommes frites und Fisch müssen getrennt voneinander frittiert werden. Diese Umstellung würde also zusätzlich umfangreiche, bautechnische Ma?nahmen erfordern. Nach wie vor zählen Pommes, Hamburger und Bratwurst zu den beliebtesten Speisen in Freizeitparks. Poffertjes haben wir übrigens im Rahmen unseres Holländischen Fests im Mai mit Erfolg angeboten.

epfans.info: In den SB-Restaurants geht es während den Sto?zeiten nur im Stop and Go vorwärts. Besonders gut lässt sich dies im See-Restaurant beobachten. Erst stehen die Gäste für das Tablett und Besteck an, danach erhält man die Speisen. Anschlie?end folgen weitere Wartezeiten für Getränke und das Bezahlen an der Kasse. Durch diese Verzögerungen wird das Essen manchmal schon ein wenig kalt.

Wird über Veränderungen dieses Systems nachgedacht?


Herr Rose: Die Planung der Restaurants erfolgte damals auf der Grundlage weit niedriger liegenden Besucherzahlen als wir sie heute glücklicherweise verzeichnen. Fallweise führt das zu logistischen Engpässen und somit auch zu längeren Wartezeiten. Vor dem Hintergrund der starken Frequentierung unserer Gastronomiebetriebe planen wir aufwändige Umbauarbeiten. Dadurch reagieren wir auf die verstärkte Nachfrage und hoffen, dieser Situation Herr zu werden. In naher Zukunft beginnen wir mit dem Umbau des ersten Restaurants.

epfans.info: Was wird den Besucher nächstes Jahr gastronomisch im Europa-Park erwarten? Besonders interessiert uns bei dieser Frage auch der neue Themenbereich.

Thomas Mack: Wir werden unser Angebot auch im neuen Teil des Parks mit der Eröffnung eines schönen, neuartigen Betriebs ausweiten. Ich denke die Fans können sich wirklich darauf freuen, auch gastronomisch etwas Neues zu erleben ? wenn sie sich überhaupt von der neuen, spektakulären Achterbahn losrei?en können.

epfans.info: In den Bars wird häufig nach Snacks gefragt. Derartige Angebote finden sich jedoch nur im Colosseo. Warum wird das nicht erweitert?
Thomas Mack: Der Platz ist in den anderen Bars schlichtweg nicht vorhanden. Insbesondere die Bars El Circo oder Buena Vista verfügen über keinen separaten Küchenraum.
Somit lässt sich ein ansprechendes Snack-Angebot dort einfach nicht umsetzen.

epfans.info bedankt sich für das Interview und wünscht Dir alles Gute für die Saison 2009/2010.