Der Europa-Park ist unser Leben

Wenn Michael Mack über seinen Europa-Park spricht, sprüht er vor Begeisterung. Mit der MZ redet der Juniorchef über die traditionellen Werte in der Familie Mack ? und warum sie keine Frauen in die Geschäftsleitung aufnimmt.

Der 30-jährige Jungpatron Michael Mack hat einen kräftigen Händedruck. Gerade hat er in der Trafo-Halle in Baden am 7. Tourismpoolaymposium einen Vortrag über Generationenkonflikte vor Schweizer Touristikern, Hoteliers und Gastronomen gehalten ? er, der in der achten Generation das Familienunternehmen mitleitet. Seine Visitenkarten hat er innert Kürze alle verteilt, so begehrt
ist der berühmte Gast aus Süddeutschland. Das Interview findet in einem italienischen
Café statt, Michael Mack bestellt ein Valserwasser.

Herr Mack, fahren Sie noch ab und zu zum Vergnügen Achterbahn?

Mack: Die Achterbahn hat nach wie vor ihre Faszination ? für mich aber vor allem beim Bauen. Das ist unheimlich spannend, man kann die erste Testfahrt fast nicht erwarten. Am 4. April werden wir eine weitere Achterbahn eröffnen, doch mein Vater sagte: Nur damit du es weisst, ich fahre als Erster!

Sie sind im Europa Park aufgewachsen ? der Traum jedes Kindes.

Mack: Das stimmt. Aber ich habe auch schon ganz früh lernen müssen, Verantwortung zu tragen. Es war nicht so, dass wir Kinder durch den Park rannten, für Kollegen Pizza bestelten oder nicht anstehen mussten. Der Vater hat sehr auf unser Verhalten geachtet. Aber es war trotzdem ein Traum.

Ihr Vater hat einmal gesagt, er wolle garnicht wissen, was Sie hinter seinem Rücken für Streiche gespielt haben. . .

Mack: Die gab es, und zwar nicht zu knapp. Wenn ich jetzt beginnen würde, alle zu erzählen,
würde mein Vater aus allen Wolken fallen. Eine Geschichte kann ich trotzdem erzählen, weil wir sie gebeichtet haben: Mein Bruder Thomas und ich sind auf dem Skateboard die Schweizer Bobbahn runtergefahren. Zum Glück hat ers nicht gemerkt.

Den Europa Park kennt in der Schweiz jeder, in Deutschland ist es nicht anders. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Mack: Die Familie wächst mit dem Produkt mit. Thomas und ich bringen neue Ideen und versuchen, die Erwartungen der Besucher immer wieder aufs Neue zu übertreffen. Wir eröffnen jetzt dann den ersten Looping in der Geschichte des Parks. Mein Grossvater sagte noch: Wir werden nie einen Looping bauen. Wir bieten auch Abendveranstaltungen, die sich weniger an Kinder richten, sondern an Erwachsene. So bleibt der Park innovativ und frisch. Wir denken in Generationen, nicht in Aktienkursen.

Möglichst viel Gewinn ist nicht Ihr Ziel?

Mack: Jedes Familienmitglied erhält bei uns gleich viel Lohn. Wir investieren den ganzen
Gewinn wieder in den Park, in neue Bahnen, Hotels und Strassen. Auch die nächste Generation
soll vom Park leben können.

Geld führt in vielen Familien zu Streit ? auch bei Ihnen?

Mack: Ein Streit über eine Gewinnentnahme oder über ein neues Auto wäre in einem Unternehmen,
das 229 Jahre alt ist, viel zu nichtig. Wir streiten nur in der Sache: Wenn mein Vater etwas anders sieht als ich, dann ist das immer eine faire Diskussion: Wollen wir das Geld nicht eher auf die Seite legen und nächstes Jahr investieren? Wir leben den Park, und der Park ist unser Leben.

Beraten Sie die strategischen Fragen am Mittagstisch, oder trennen Sie Privates und Geschäftliches?

Mack: Der ?bergang ist fliessend. Wir vier ? mein Onkel, mein Vater, mein Bruder und ich ? wohnen alle im oder am Park, da macht man natürlich am Sonntag nach dem Mittagessen einen Spaziergang durch den Park oder auf eine Baustelle.

Warum sind in Ihrem Unternehmen keine Frauen in der Geschäftsleitung tätig?

Mack: Ich fand den Satz schön, den der Pfarrer an der Beerdigung meiner Grossmutter gesagt hat: Sie stand im Mittelpunkt, ohne im Zentrum zu stehen. So ist es auch bei meiner Mutter. Sie schlichtet am Familientisch, kann zuhören, Emotionen rausnehmen und sagen: Komm, der Vater meint es
nicht so, wenn er böse ist am Telefon. Da spielen traditionelle Werte mit, die in einer hektischen, schnelllebigen Zeit sonderbar erscheinen mögen, aber ihre Berechtigung haben.

Die klassische Rollenteilung.

Mack: Ja, die Frauen in unserer Familie habeneine zentrale Rolle, sie kümmern sich um die Kinder und schaffen zu Hause einen Ausgleich. Da können sie nicht gleichzeitig sechs Tage die Woche im Büro sein.

Wie schwer ist es, heute eine Partnerin zu finden, die diese Rollenteilung akzeptiert?

Mack: Ich denke, es ist schwerer geworden. Dazu kommt: Heute erkennt man in mir zuerst den Park und dann die Person. Weil wir öfter in der Presse sind, denken viele wohl, dass bei uns morgens die Eier ans Bett serviert werden und es am Wochenende Wellness gibt. Wenn eine Freundin dann die
Gummistiefel anziehen muss, um eine Baustelle zu besichtigen, dann verleidet es ihr oft (lacht).

Drei Generationen leiten den Europa Park. Wie ist es eigentlich, als 30-Jähriger noch vom Vater kontrolliert zu werden?

Mack: Mein Opa läuft auch mit 88 noch über die Baustellen, und wenn irgendwas nicht stimmt, kriegt mein Vater immer noch Zunder, und er ist auch schon fast 60 Jahre alt. Solange mein Vater gehen kann, wird er Einfluss nehmen. Ich freue mich, dass mein Vater in zwei Jahren Präsident der IAAPA
wird, des Weltverbands der Freizeitindustrie. Da wird er sehr viel in Amerika unterwegs sein. Das ist sicher ein guter Prozess, auch für uns.

Wie spürt der Europa-Park die Krise?

Mack: Interessanterweise hatten wir in der Vergangenheit in Krisenjahren immer eine leichte Wachstumssteigerung. Wir hoffen, dass das auch nächste Saison so sein wird. Gerade in schwierigen Zeiten ist Abwechslung wichtig, und einen Ausflug in den Europa-Park können sich die meisten Leute auch in schwierigen Zeiten leisten.

Was sind die Schweizer für Gäste?

Mack: Sehr gute. Wir Süddeutschen und die Schweizer sind sich ja auch sehr ähnlich. Wir verstehen «Schwiizerdütsch». Das macht uns den Umgang mit Schweizer Gästen natürlich einfacher. Aber die Schweizer sind auch sehr kritische Kunden. Sie fordern für ihr Geld maximale Leistung ? zu Recht. Und sie sind sehr treu. Jeder siebte Schweizer war schon einmal bei uns. Wir sind sehr verbunden mit der Schweiz: Mein Bruder und ich haben hier studiert, unsere Familie geht seit über 30 Jahren in ein Häuschen im Wallis in die Ferien. Die Schweiz ist für uns Heimat. Sogar unser Parkpfarrer ist Schweizer.

?bertragen sich die politischen Querelen zwischen Deutschland und der Schweiz auf Ihre Kunden?

Mack: Ich hoffe es nicht. Ich habe vorher mit einem Schweizer Kollegen gesprochen, der hat gesagt: Mensch, euer Steinbrück lässt so etwas vom Stapel, von wegen Kavallerie und Indianer. Da habe ich geantwortet: Na ja, er ist ja auch kein Badner (lacht).

War es für Sie immer klar, dass Sie in den Park einsteigen möchten?

Mack: Meine Bruder und ich sind so erzogen worden. Wir haben schon als Jugendliche all unseren Urlaub in Freizeitparks verbracht. Wir arbeiteten in einem Park in Schweden und auf Fuertaventura. Aber es ist für michimmer klar gewesen: Ich kann mein Herzblut nur in den Europa-Park geben. Unser
Geschäft ist sehr vielfältig. Ich hätte auch als Pfarrer eine Anstellung im Europa-Park gefunden.

In der Familie Mack ist der Erstgeborene der Kronprinz ? also Sie. Wie beeinflusst das die Beziehung zu Ihrem Bruder?

Mack: Bei uns gibt es keinen Kronprinzen. Wir sind hierarchisch gleichgestellt. Mein Bruder und ich sind im selben Alter. Er ist 28, ich bin 30. Wir verstehen uns spitze, sitzen im selben Büro. Wir suchen zusammen den Konsens, jeder hat seine Verantwortungsbereiche.

Es gibt ja sicher viele Konzerne, die sich für Sie interessieren. Bleibt der Europa-Park ein Familienunternehmen?

Mack: Wir haben ständig Anfragen. Aber ich möchte die nächsten Jahrzehnte in diesem wunderbaren Park arbeiten. Ein Verkauf kommt für mich nicht infrage. Und meinem Vater würde es das Herz brechen.

Das Interview führten Christian Dorer und Benno Tuchschmid
© Aargauer Zeitung am 23.03.2009