Interview mit Benny Richter

Der offizielle Europa-Park Fanclub sprach mit Benny Richter, dem Komponisten des Terenzi Horror Nights Soundtracks.


epfans.info: Wie kam es im Jahr 2007 zur Zusammenarbeit mit dem Europa-Park bei den Terenzi Horror Nights?
Benny Richter: Marc Terenzi hat mir schon lange bevor die Terenzi Horror Nights 2007 ins Leben gerufen wurden von seiner Idee erzählt, Horror, den man sonst nur aus Filmen kennt, in einem Erlebnispark für die Besucher zu vergegenwärtigen.

Und das Ganze nach amerikanischem Vorbild. Da uns beide die Vorliebe zu Horrorfilmen verbunden hat, war ich schon Teil des Ganzen, bevor überhaupt klar war, dass es wirklich mal so umgesetzt werden würde. Ich bin stolz dabei zu sein und mit so einem tollen Team und dem Europa-Park zusammenarbeiten zu dürfen.

epfans.info: Wann wurde mit der Komposition des Soundtracks zu den diesjährigen THNs begonnen und wann wird er fertig sein?
Benny Richter: Einen konkreten Zeitpunkt gab es nicht. Aber ich sammel und produziere meist nebenher schon Ideen, so dass ich, wenn es in die Produktion geht immer schon auf etwas aufbauen kann. Wann der Release sein soll, wird gerade geplant, aber der Soundtrack wird pünktlich zu Beginn der Horror Nights fertig sein.

epfans.info: Wie viele Arbeitsstunden benötigt die Erstellung eines THN Soundtracks ca.?
Benny Richter: Das ist kaum zu sagen, weil ich dafür kein Gefühl entwickel. Da spielt die Zeit mit einem Verstecken;) Wenn ich an einer Produktion arbeite, begleitet mich das Tag und Nacht. Da stehe ich manchmal nachts auf und halte eine Idee/Melodie an meinem Klavier fest, notiere einen Rhythmus beim Autofahren oder schreibe beim Essen an einer Textidee. Ständig belästigen mich Alternativen zum schon Komponierten und Arrangierten. Das ist nicht in einen zeitlichen Rahmen zu setzen. Ich bin allerdings jemand, der schnell und jeden Tag Ergebnisse haben will. Man muss definitiv entscheidungfreudig sein. Summa sumarum sollte die Produktion nicht länger als einen Monat dauern.

epfans.info: Wie entsteht der Soundtrack für die Terenzi Horror Nights?
Benny Richter: Ein bisschen ist diese Frage wohl durch die vorherige Frage beantwortet.
Wichtig ist es, nachdem genug Songmaterial vorhanden ist, einen musikalischen `roten` Faden zu entwickeln. Ich tobe mich bei diesem Soundtrack sehr gerne aus, und habe viele stilistische Varianten, an das Thema heranzugehen. Davon möchte ich so viel wie möglich auch auf das Album lassen, ohne dabei wahllos zu werden.

Die eigentlichen Inhalte, an denen sich die Musik zu orientieren hat, teilt mir Marc natürlich vorher mit und damit arbeite ich, weil es ja in erster Linie Programmmusik ist! Da beeinflusst dann die Storyline die Musik genauso wie Marc oft durch meine Kompositionen inspiriert ist, die ich ihm regelmä?ig in unterschiedlichsten Stadien zukommen lasse.

epfans.info: Wie gro? ist das Team, das den Soundtrack erstellt?
Benny Richter: Im Prinzip bin ich für alles alleine verantwortlich. Ich produziere, komponiere, arrangiere, `recorde` und mische alles selbst. Beim letzten Soundtrack hat mir Thomas Helten, der DJ und Texteschreiber meiner Band `the Mercury Arc`, assistiert und Texte geschrieben. Ein paar externe Musiker hole ich mir, je nachdem, was ein Song so fordert, dazu. Gemastert wurde und wird es wieder in München in den 4Ohm Studios von Klaus Scheuermann.

epfans.info: Wie viele Musikideen werden bei der Erstellung des Soundtracks verworfen?
Benny Richter: Ich merke ziemlich schnell, ob mir eine Idee gefällt oder nicht. Ob ich etwas ausproduziere, entscheide ich an meinem Klavier, was ohne gro?en zeitlichen und technischen Aufwand funktioniert. Da habe ich genügend Vorstellungskraft, wie eine Idee sich ausarrangiert anhören würde. Das Aussortieren passiert also relativ unauffällig und ohne gro?en Trennungsschmerz, weil ich mich beispielsweise zu sehr mit einer Idee angefreundet habe.

epfans.info: Wodurch lassen Sie sich bei der Erstellung des Soundtracks inspirieren?
Benny Richter: Ich bin bei einer Produktion immer so im Thema gefangen, dass das Ganze eigentlich aus sich selbst entsteht, behaupte ich zumindest. Ich sauge natürlich immer vieles auf...vor allem unbewusst. Aber gezielt suche ich eher selten nach Inspiration, weil ich schon den Anspruch habe, etwas ganz Eigenes zu kreieren, denn es gibt kein schöneres Gefühl, als etwas Originäres erschaffen zu haben. Ob es das wirklich ist, sei dahingestellt, aber das Gefühl ist der Knaller;)

epfans.info: Welche Gefühle sollen mit dem THN-Soundtrack geweckt werden? Spannung, Grusel, ...?
Benny Richter: Ganz genau. Der Soundtrack soll einen in die Stimmung versetzen, es könne ständig etwas passieren. Dazu gehört es auch, viele ruhige Passagen zu haben, die einen durchatmen lassen, damit die Schockeffekte im Park intensiver wirken. Auch die Schauspieler in den Stra?en entwickeln kleine `Choreographien` auf bestimmte Songs, die ja z. B. eine Verfolgungsjagd (`Tender Touch Of Pain`, `Carved In Flesh` z.B) oder einen `Totentanz` (`Danse Macabre`) musikalisch illustrieren.

epfans.info: Wie viele CDs mit dem THN2 Soundtrack wurden produziert und wie viele werden es in diesem Jahr voraussichtlich sein?
Benny Richter: Mit Sicherheit kann ich das nicht beantworten, da weiss das Label `Hellfest Records`, unter dem es veröffentlicht wurde, mehr. Aber es dürfte eine Auflage von 3000-4000 Einheiten gewesen sein. In ähnlicher Grö?enordnung wird es sich auch dieses Jahr abspielen, schätze ich.

epfans.info: Als Komponist mögen Sie sicherlich sämtliche Titel des erstellten Soundtracks. Trotzdem möchten wir die Frage stellen, welcher Titel von den Terenzi Horror Nights 2 Ihnen besonders gut gefallen hat und warum.
Benny Richter: Eine gute Frage. Natürlich ist im Entstehungszeitraum immer der nächste Song der beste, da er ja auch immer seine Daseinsberechtigung auf dem Album haben muss.
Aber mit ein wenig Abstand kristalisieren sich natürlich Favoriten heraus.
Lange war es der `Danse Macabre`, weil dieses Stück ein kleines Bassthema zum Ursprung hatte, woraus dann ein ganze Stück gewachsen ist...wie von selbst. Dieses rein `orchestrale` Stück ist mir also sehr ans Herz gewachsen.

Aber auch immer, wenn ein Stück unvermittelt mit Gitarren um die Ecke kommt, macht`s mir besonders Spass, wie bei `Tender Touch Of Pain` geschehen. Der Opener `Kingdom Gone` ist mir allerdings auch noch in bester Erinnerung...und eigentlich könnte ich jetzt noch ein paar aufzählen;)

epfans.info: Im vergangenen Jahr waren einige Freizeitpark und Europa-Park Fans von den Terenzi Horror Nights enttäuscht. Welches Event hat Ihnen besser gefallen die THN1 oder die THN2 und warum?
Benny Richter: Das ist schwer zu sagen. Also die THN1 waren ja noch ganz neu für alle Beteiligten. Da alles um einiges kleiner (weniger Häuser etc.) war, war es etwas detailverliebter, und durch einen mitreissenden Pioniergeist belebt.

Allerdings musste auch viel optimiert werden, z.B. musste man dem gro?en Ansturm Herr werden. Das bedeutete, mehr Häuser und ein grö?eres Areal, was auch eine höhere Anzahl und anderen Einsatz von Schauspielern forderte, und ebenso andere Ansprüche an die Storyline stellte. Nicht so einfach das Ganze. Ich glaube, dass so ein Projekt auch erst wachsen muss. Grenzen müssen ausgetestet, Besucherreaktionen bewertet werden. Und da der Besucher im Mittelpunkt steht, wird auch dieses Jahr ein gro?er Schritt in die richtige Richtung gemacht werden. Die Erfahrungen der letzten beiden Jahre waren da sehr wertvoll und unerlässlich.

epfans.info: Schauen Sie sich während der THNs auch die Reaktionen der Gäste an?
Benny Richter: Absolut! Es geht wie gesagt genau darum! Es ist das Schönste zu sehen, wenn die Besucher sich auf fremdem Terrain zu Hause fühlen, und es Ihnen gefällt.

epfans.info: Zahlreiche Titel, die im Circus FlicFlac eingesetzt werden, stammen vom Komponisten Luchtenbeck. Könnten Sie sich vorstellen, nachdem Sie für Bluefire und die Terenzi Horror Nights tätig waren, auch einmal für eine Show des Europa-Parks ähnlich wie Herr Luchtenbeck Titel zu komponieren?
Benny Richter: Grundsätzlich natürlich...aber da ist ja momentan für gute Musik gesorgt.

epfans.info: Für welche anderen Produktionen haben Sie bereits gearbeitet?
Benny Richter: Alleine in diesem Jahr habe ich das neue Album `Say Hello To Tragedy` der Band `Caliban` (Century Media), das weltweit im Herbst veröffentlicht werden wird, produziert. Direkt im Anschluss habe ich das neue Album `Phoenix` der `Emil Bulls` (Drakkar) produziert. Momentan arbeite ich an der neuen Platte meiner Band `the Mercury Arc` (Hellfest Records), die im November diesen Jahres rauskommen wird.

Unzähliges und Unterschiedlichstes habe ich zuvor gemacht, aber dass würde den Rahmen sprengen, weil ich eigentlich jede noch so unbedeutende Geschichte für wichtig und prägend halte.

epfans.info: Welche Musik von anderen Komponisten hören Sie?
Benny Richter: Nur um einige Eckpfeiler zu nennen, die mich immer begleiten:
Da wären z.B. Beethoven`s Allegretto aus der 7. Symphonie, Grieg`s `Holberg Suite`, Samuel Barber`s `Adagio For Strings`, Bedrich Smetana`s `Moldau`, Carl Orff`s `Carmina Burana` , `Queen` in ihrer Gesamtheit, und vieles aus moderner Metal- und Rock-Musik.

Der offizielle Europa-Park Fanclub bedankt sich für das Interview.