Interview mit Thomas und Michael Mack am 18.08.09


Sommer, Sonne, Wirtschaftskrise. Die Leute stürmen in diesem Jahr regelrecht die deutschen Freizeitparks. Urlaub auf Mallorca und Co. waren gestern, angesagt sind Kurzreisen wie z.B. in den Europa-Park.

Aus aktuellem Anlass haben wir am 18. August 2009 mit Michael und Thomas Mack, Mitglieder der Geschäftsleitung des Europa-Park, ein Interview geführt.

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Einen preislichen Unterschied gibt es zwischen den klassischen Urlaubszielen und Freizeitparks teilweise kaum noch. Was denkt ihr, bewegt die Besucher dazu eher die heimischen Parks zu besuchen, anstatt auf eine Urlaubstour zu gehen?

Thomas Mack: Mallorca ist immer noch unser grö?ter Mitbewerber. Ich denke, dass eher Fernziele wie ?gypten etc. zurück gehen. Auch die Fälle von Schweinegrippe haben viele Leute abgeschreckt. Im Park fällt es zudem leichter abzuschalten. Es gibt mehr Möglichkeiten seine Sorgen und ?ngste einmal hinter sich zu lassen.

Michael Mack: Vor allem die Ungewissheit bei den Menschen, wie es im kommenden Jahr mit dem Beruf etc. weitergeht, hält viele im eigenen Land. Sie verbringen ihren Urlaub weniger in der Ferne.

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Bereits im vergangen Jahr haben über 4 Millionen Besucher den Europa-Park besucht. Wie sieht die Prognose für dieses Jahr aus?

Michael Mack: Derzeit können wir noch keine Prognose erstellen. Die Sommersaison läuft noch einige Wochen. Erst danach kann man eine erste Prognose wagen. Vor allem die diesjährige mediale Begleitung des neuen blue fire Megacoasters, sowie viele Reportagen über Freizeitparks bescheren uns viele Besucher. Bisher ist es auf jeden Fall die beste Saison in der Geschichte des Europa-Park.

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Der Europa-Park reagiert flexibel mit verlängerten ?ffnungszeiten auf den Ansturm der Gäste. So bleiben locker mal 1-2 Stunden mehr Zeit im Park. Wird dies von den Gästen auch entsprechend angenommen und lohnt sich das Ganze auch für den Park?

Thomas Mack: Wir kommunizieren die ?ffnungszeiten mittels Rollschuhfahrern und Aushängeschildern. Längere ?ffnungszeiten gehören einfach zu unserem Servicegedanken dazu. Wir brauchen Wiederholungsbesucher. Erst wenn diese glücklich nach Hause gehen, kommen sie auch wieder. Leider können wir nur einmal im Jahr bis 24 Uhr öffnen und gerade da ist der Park doch mit seiner vielen Beleuchtung am schönsten.

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Nicht selten kommt es in letzter Zeit zu Wartezeiten von bis zu einer Stunde und mehr. Kann ein Besuch im Freizeitpark aus eurer Sicht da noch Spa? machen?

Thomas Mack: Viele Besucher sind von keinem der Wunsch. Weder vom Besucher noch vom Parkbetreiber. Rund 25.000 Tagesgäste wären das Beste. Auf Grund des Wetters, Ferien und weiteren Einflüssen haben wir allerdings mit Besucherschwankungen zu tun. Durch zusätzliche Shows und Streetacts versuchen wir auf viele Besucher zu reagieren und sie trotz langer Anstellzeiten bei Laune zu halten.

Wir haben das ganze Jahr über den gleichen Preis. Einige Parks heben während der Hauptsaison die Eintrittspreise an, um so die Besucheranstürme zu regeln und die Besucher somit teilweise auch auf die Nebensaison zu verlagern. Doch das Wetter kann einem schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Besucher, die so in der Hauptsaison nicht anwesend waren, bleiben dann bei schlechter Witterung aus und es fehlen wertvolle Einnahmen.

Bei gut besuchten Tagen empfehlen wir die Mittagszeit zu nutzen und etwas logisch zu denken. Oftmals sollte man z.B. nicht der Masse folgen.

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Bereits im letzten Jahr wurde die Infrastruktur des Parks deutlich verbessert und dennoch haben Tage wie z.B. die Mitternachtsöffnung gezeigt, dass es spätestens bei rund 30.000 - 40.000 Gästen mit den Parkplätzen so richtig eng wird. Auch der damalige Bau von Silver Star hat so einige Parkplätze verschlungen. Wenn der allgemeine Parkplatz nicht mehr ausreicht müssen die Besucher unter anderem auf Erweiterungswiesen hinter dem Tipi Dorf parken. Wurde daher schon über neue Parkplatzmöglichkeiten nachgedacht?

Michael Mack: Das Problem liegt daran, dass au?erhalb der Hauptsaison zu viele Parkplätze frei bleiben. Zwar kommt es vor allem im Sommer zu Engpässen, doch jeder ungenutzte Platz kostet auch Geld.

Um den Besuchern allerdings lange Wege zum Eingang zu ersparen, haben wir vor einigen Wochen Tests durchgeführt, bei denen wir die Gäste bei der Sicherheitszentrale (neben der Euromir) in den Park gelassen haben.

Auf Grund des angrenzenden Naturschutzgebietes ist es uns derzeit nicht möglich ein Parkdeck zu bauen. Sollte allerdings einmal ein Wasserpark gebaut werden, sollten wir darüber nachdenken, dortige Parkplätze nicht etwa für z.B. 10.000 sondern eher höher anzusetzen.

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Einige Gäste verzichten sogar ganz auf das Auto und reisen mit der Bahn an. Der am nächsten zu Rust liegende Haltepunkt ist Ringsheim. Zwar gibt es zwischen den beiden Orten einen Bustransfer, dennoch haben die Gäste vor allem dann schlechte Karten, wenn der Park wie in der Hochsaison oder im Winter länger geöffnet hat. Leider fährt der letzte Bus um genau 19:00 Uhr. Alle Gäste, die mit dem ?PNV anreisen und sehr gerne länger bleiben möchten, können dieses Angebot nicht wahrnehmen. Wurde hier schon einmal über einen eigenen Shuttleservice bzw. über längere Fahrtzeiten der bestehenden Routen nachgedacht?

Michael Mack: In der Tat sind wir auf die Unternehmen angewiesen und nach wie vor ist die Situation nicht optimal. Wir denken, dass die Anreise mit der Bahn einfach nicht attraktiv genug ist ? der Gast möchte am liebsten immer noch direkt vor die Haustür gebracht werden.

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Der Park ist mittlerweile so gro?, dass man eigentlich nicht mehr das gesamte Angebot an einem Tag erleben kann. Viele Gäste bleiben daher auch mehrere Tage und übernachten somit in den Hotels des Europa-Park. Doch stehen mit dem wachsenden Andrang überhaupt noch genügend Betten zur Verfügung? Ist es Zeit um eventuell auch über ein neues Hotel nachzudenken?

Thomas Mack: Die Buchungen laufen hervorragend. Es erreichen uns vor allem kurzfristige Buchungen. Leider ist ein leichter Rückgang im Veranstaltungsbereich zu verzeichnen.

Die ganze Familie wohnt im bzw. am Park. Vor allem in der Hochsaison sind wir eher im Park unterwegs und kümmern uns um den laufenden Parkbetrieb und sorgen dafür, dass der Service verbessert wird, statt uns an den Planungstisch zu setzen.

Zur gegebenen Zeit wird es sicherlich auch ein neues Hotel geben. Für Saisonbeginn 2010 ist aber bisher noch nichts geplant.

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Die Parks sind auf Wiederholungsbesucher angewiesen, doch diese wollen immer wieder etwas Neues erleben. So ist es notwendig jährlich mit Neuheiten an den Start zu gehen, um für die Besucher interessant zu bleiben und sie bei Laune zu halten. Der bluefire Megacoaster ist im Grunde noch ganz neu und dennoch wurden bereits im Sommer erste Plakate aufgestellt, die auf die Neuheiten der Saison 2010 hinweisen. Was erwartet die Besucher im nächsten Jahr?

Michael Mack: Wie Thomas bereits sagte, alles zu seiner Zeit. In der nächsten Saison wird Mack Rides ein Wasserfahrgeschäft bauen. Genauere Details werden wir vermutlich zum Ende des Jahres publizieren.

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Die Gäste immer mit einem Zusatzangebot zu locken, ist oft nicht leicht. Im neuen Kaffi Hus wurde in diesem Jahr die sogenannte "After Park Lounge" getestet. Wir waren bereits einige Male selbst vor Ort und haben uns von der guten Laune überzeugt. Und auch von den Gästen scheint diese chillige Lounge Atmosphäre gut angenommen zu werden. Was lässt sich genaueres darüber berichten?

Thomas Mack: Ziel war es ein Gesamtkonzept zu schaffen, das sowohl junge aber auch ältere Personen anspricht. Mit angenehmer Musik und gemütlichen Sitzen dürfte uns das durchaus geglückt sein. Zwar hatten wir mit mehr Parkbesuchern gerechnet, sind aber dennoch durchaus zufrieden. Die After Park Lounge war auch aus wirtschaftlicher Hinsicht ein Erfolg und hat zur Attraktivitätsverbesserung beigetragen. Sie soll auch im kommenden Jahr wieder angeboten werden.

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Wir bedanken uns für das Interview.