Der rasende Roland

Europa-Park plant nach Rekordjahr neues Hotel

Der Europa-Park in Rust merkt nichts von der Wirtschaftskrise, sagt sein Macher Roland Mack. 2009 wird das beste Jahr in der Geschichte des Parks. Und schon wieder werden die Betten knapp.

Roland Mack hat schon wieder neue Pläne für den Europa-Park in Rust.

Krise? Welche Krise? Roland Mack lehnt sich in der Bar seines Hotels Colosseo entspannt zurück, spielt mit der Lesebrille und plaudert über die jüngsten Erfolgsmeldungen: "2009 war das beste Jahr des Parks. Die Besucherzahl stieg um mehr als zehn Prozent." Weil in Rust schon wieder die Betten knapp werden, wird im Europa-Park das fünfte Hotel geplant. Die Eröffnung des 800-Betten-Hauses soll im Jahr 2012 sein.

80 PROZENT DER G?STE KOMMEN WIEDER

Der Freizeitpark ist zum Kurzreiseziel geworden; jedes Jahr wird ein neuer Rekord aufgestellt. Mehr als 500 Millionen Euro investierte das Familienunternehmen seit der Eröffnung in den Europa-Park, gut 80 Millionen Besucher kamen. Der Park ist Deutschlands grö?ter Gastronomiebetrieb und mit 5000 Betten auch die grö?te zusammenhängende Hotellandschaft. Der Erfolg zwingt zur ständigen Investitionen. "Wir haben über 80 Prozent Wiederholer", sagt Mack. "Diesen Gästen müssen wir in jeder Saison etwas Neues bieten."

VORZEIGEUNTERNEHMER

Als Franz und Roland Mack, Vater und Sohn, Anfang der siebziger Jahre aus Florida zurückkamen, hatten sie keinen gigantischen Freizeitpark im Blick, sondern eine Art Schaufenster für die Fahrgeschäfte, die heute noch von Mack Rides in Waldkirch gebaut werden. "Wir galten bei den Behörden und Banken als Spinner", erinnert sich der Junior und erzählt von Kommunalvertretern, die nachts mit der Taschenlampe übers Gelände liefen, weil sie sich mit einem Fantasten wie ihm nicht zeigen wollten.

Heute wird er als Vorzeigeunternehmer gefeiert. Ministerpräsident Günther Oettinger wird die Festrede halten, wenn Roland Mack am Montag seinen 60. Geburtstag feiert. Das Datum könnte Anlass sein, das Arbeitstempo etwas zu drosseln. Doch Roland Mack macht nicht eine Sekunde den Eindruck, als sehne er sich nach ein klein wenig mehr Ruhe oder einer Runde auf dem Golfplatz. Dazu hat er viel zu viele Ideen. Und Geduld, das räumt er offen ein, gehört nicht zu seinen Stärken. Er bezeichnet sich als Sprinter, will Projekte schnell umzusetzen. Deshalb fordert er stets 150 Prozent ? von sich und seinen 3000 Mitarbeitern.

Sich nie zu verdrücken, nie abzuwarten, das habe er vom Vater gelernt. "Ein Chef muss rein ins Geschehen, und das Produkt muss perfekt sein. Perfektion sei wichtiger als Grö?e." Und Mack, der von seinen Freunden Rolando furioso, rasender Roland, genannt wird, findet immer etwas, was noch besser, noch perfekter sein kann ? und wenn es die Blumenrabatten oder die Abfallkübel sind. "Es sieht net aus wie Arbeit, isch aber Arbeit", warb er im Fernsehen als Botschafter für das Land Baden-Württemberg. "Ja, sogar Schwerstarbeit."

Die ist er von klein auf gewohnt. Der strenge Vater besorgte dem Dreizehnjährigen ein Zeichenbrett. "Die Freunde haben Fu?ball gespielt, und ich sollte am Brett stehen." Doch wenn er meuterte, hie? es daheim nur: "Du bist nicht die anderen." Das zweite Semester in Karlsruhe war noch nicht vorbei, da wurde er bereits gefragt, wann er denn mit dem Studium fertig sei. Er bemüht sich, mit seinen drei Kindern mehr Geduld zu haben ? auch wenn ihm dies schwerfällt.

VON 2011 AN K?MMERT SICH MACK UM DEN WELTVERBAND

Vielleicht helfen ihm seine Pläne. Ende 2011 wird Roland Mack Präsident des Weltverbandes der Freizeitindustrie. Dahinter verbergen sich 4000 Unternehmen mit einer Million Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von 24 Milliarden US-Dollar. Die Geschäftsstelle sitzt in Washington, und dann wird er noch mehr unterwegs sein als bisher.

Bis dahin sollen die Söhne so weit sein: Michael, 30, ist zuständig für die strategische Ausrichtung des Parks, Thomas, 28, für die Hotels. Ann-Kathrin, 19, hat gerade Abitur gemacht. In der Geschäftsführung sitzt auch Roland Macks zehn Jahre jüngeren Bruder Jürgen, der für die Finanzen und das Personal verantwortlich ist. Die Aufgabenverteilung entspricht ihren Temperamenten: "Er ist der Innenminister, ich bin eher der Au?enminister." Und als solcher beschwert er sich durchaus in Berlin über die Reform der Erbschaftssteuer und die Benachteiligung bei der Mehrwertsteuer. An erster Stelle steht aber stets der Park: "Selbst von der Wahlparty habe ich noch drei Aufträge heimgebracht", sagt Roland Mack und lacht.

(c) Badische Zeitung
09.10.2009