Park ist sein Leben und sein Zuhause

BLICK HINTER DIE KULISSEN DES EUROPA-PARKS:
Michael Scholz ist seit der Park-Eröffnung dabei / Mann auf dem Elektrowagen.


RUST. "Es ist dein Moment," hei?t es in der Hymne des Europa-Parks an seine Besucher. Menschen, die diesen Moment erst möglich machen oder selbst Teil dieses Momentes sind, stellt die BZ in einer Reihe von Artikeln vor. Jeder Artikel ist mit einem Gewinnspiel zum Thema verbunden. In der heutigen Ausgabe stellen wir Michael Scholz vor. Der 62-Jährige ist unter den Mitarbeitern im Park der Mann der ersten Stunde. Als Schulkamerad von Roland Mack hat er schon im Familienbetrieb in Waldkirch in den Ferien gejobbt und war hautnah dabei, als die Idee für den Vergnügungspark entwickelt wurde. Mit dem "director park-quality", so seine aktuelle Funktion, erinnern wir an die Anfänge vor 35 Jahren. Am 12. Juli 1975 wurde der Europa-Park eröffnet.

Als es am Samstagmorgen auf dem Zubringer beim Kreisverkehr auf Höhe des Hotels Colosseo krachte, und sich die Autos bis zur Autobahn in Doppelreihen rückstauten, war Michael Scholz einer der ersten am Unfallort. "Das Europa-Park-Sanitätsteam leistete Erste Hilfe und ich habe die Polizei unterstützt, den Stau rasch aufzulösen", beschreibt Michael Scholz die Szene. Es sind die Momente, in denen der zupackende 62-Jährige sein ganzes Organisationstalent in die Waagschale wirft und Chaos erst gar nicht aufkommen lässt. "Wichtig ist, dass den Unfallbeteiligten geholfen wird und die Leute in den Autos schnell dahin kommen, wo sie eigentlich hinwollen ? in den Park," nennt Scholz seine Aufgabenstellung.

Manche im Park behaupten, dass Michael Scholz eine Nase für solche Tage habe, wenn morgens Zigtausende von Autos über die Autobahn anrollen und der Zubringer diese kaum mehr aufnehmen kann. Dann steht sein Elektrowagen gewöhnlich schon beim Autobahnkreisel und der nicht zu übersehende Scholz mitten drauf und dirigiert. "Bei dem Job kommt mir meine Optik schon zugute. Mich übersieht mich nicht", witzelt der Mann, in dessen Büro eine Fotografie ihn in freundschaftlicher Umarmung mit Reiner Callmund zeigt. Mit ihm teilt er nicht nur das schüttere Haupthaar.

Und dennoch, Verkehrspolizist wollte er nie werden, sagt er. Aber wer in den Park kommt soll sich von Anfang an wohlfühlen. "Die Qualität fängt schon bei der Anfahrt an. Heute brauchen die Parkbesucher von der Autobahn auf unsere Parkplätze in der Regel acht Minuten. Als es den Zubringer noch nicht gab, waren es über Herbolzheim oder Grafenhausen bis zu eineinhalb Stunden", erinnert sich der Direktor für Park-Qualität noch gut an die schwierigen Situationen für die Menschen in den Autos und die Anwohner an der Strecke.

Sicherheit und Komfort bei der Anfahrt, aber auch Sauberkeit im Park, Sicherheit für Parkbesucher und für die Promis bei Veranstaltungen im Park, so definiert Scholz heute seinen Verantwortungsbereich. Doch der Scholz gilt im Park als Hansdampf in allen Gassen, als einer, der jede Ecke und jeden Winkel auf dem riesigen Gelände kennt. Und er ist einer der engsten Vertrauten von Park-Chef Roland Mack ? von Anfang an: Scholz war dabei als Franz und Roland Mack ihr Konzept auf das Gelände rund ums Ruster Schloss projizierten, als die ersten Bagger anrollten, als am 12. Juli 1975 sich zum ersten Mal die Pforten des Europa-Parks öffneten. Wenn der rastlose Mann erzählt, dass er "praktisch in der Familie Mack aufgewachsen" ist, verklärt er die Vergangenheit nicht. Er, aus Buchholz, einem Dorf bei Waldkirch stammend, ging wie Roland Mack aufs Waldkircher Gymnasium ? er war der Freund aus der Parallelklasse und der einzige Gymnasiast aus dem Elztal, der beim Waldkircher Fahrgeschäfthersteller Mack mit 16 einen Ferienjob erhalten hatte. "Gemeinsam mit Roland habe ich dann Eisen gestrichen; stundenlang Mennigrot. Weil wir?s in den Augen von Vater Franz gut machten, durften wir im Jahr darauf dann aufs Büro in die technische Abteilung. Da konnten wir dann schon helfen, Pläne auszuarbeiten", erinnert sich Scholz.

Auch nach dem Abi trennten sich die Wege von Scholz und Roland Mack nicht. Beide studierten in Karlsruhe, Roland Mack an der TU und Scholz an der FH Bauingenieurwesen. Es war ein Band zwichen Familie Mack, Firma und Michael Scholz geknüpft, das auch durch die persönlichen Entwicklungen nicht durchschnitten wurde und Jahre überdauern sollte. Erst Recht als die Macks ihre Pläne von einem Freizeitpark, bestückt mit den in Waldkirch in ihrer Firma entwickelten Fahrgeschäften, von einer verrückten Idee in Realität umsetzten. Scholz war Anfang der 1970er Jahre mit Franz und Roland Mack unterwegs, als das zunächst ausgeguckte Gelände beim Europa-See in Breisach am Einspruch des Wasser- und Schifffahrtsamtes scheiterte, Pläne für den Park an der A5 bei Neuenburg an den Kosten für die Zufahrt wieder in der Schublade verschwanden oder ein Gelände bei Bad Krozingen geprüft wurde. Im Mai 1973 stand das Trio dann vor dem Schloss Balthasar in Rust. Das Schloss war damals noch in Privatbesitz und nicht zu haben, aber der Märchenpark daneben in die Pläne zu integrieren. In dem Gebäude, in dem dessen Besitzer einen Kiosk betrieb und an die Besucher Tierfutter für die Ponys auf der Anlage verkaufte, hatte sich Scholz häuslich eingerichtet, um den Aufbau des Parks zu überwachen. Die Macks beteiligten sich damals auch an einem Resozialisierungsprojekt des Kenzinger Gefängnisses, einer Au?enstelle der JVA Freiburg. "Wir haben einer Reihe von Freigängern Arbeit gegeben. Unter ihnen waren Schreiner oder Schlosser, die bei uns richtig zupackten. Die haben damals auch die ersten Schienen für die Eisenbahn verlegt", erinnert sich Scholz. Damals kannte Scholz auch jeden Handwerker in Rust. "Fast alle hatten auf unserer Baustelle gearbeitet."

Als der Park dann öffnete, war die Anzahl der Attraktionen noch überschaubar: Monorailbahn mit drei Waggons, Automatenhalle, Kinderspielplatz und die Märchenwelt, die vom Märchenpark übernommen wurde. Später kamen noch drei Zelte, ein Einkauf bei der Bundesgartenschau in Hamburg, für den Gastrobe-trieb dazu. "Von da an wurde es jedes Jahr mehr." Themenbereiche entstanden und eigene Werkstätten wurden aufgebaut. "Das war wichtig, weil wir ab Mitte der 80er Jahre Figuren hatten, die sich bewegten. Die mussten ständig gewartet werden."

Scholz arbeitet seit Anbeginn nicht nur im und für den Park, er hatte dort seinen Lebensmittelpunkt. Scholz hat im Park seine Frau kennengelernt und wohnt seit der Eröffnung auf dem Gelände, zunächst im ehemaligen Kiosk-Gebäude, das baulich erweitert wurde, seit Anfang dieses Jahrhunderts im Nebengebäude des Schlosses. "Der Park ist Teil meines Lebens und ich bin stolz darauf, seit der Schule an diesem Projekt mitgewirkt zu haben", sagt Scholz mit Pathos. Und so sind dem 62-Jährigen auch Gedanken an Ruhestand fremd: "Ich habe dem Roland schon gesagt, dass er mich mit 65 nicht los wird. Freiwillig jedenfalls nicht."

© BADISCHE ZEITUNG vom 02.07.2010