Betrüger bieten illegal erworbene Europa-Park-Tickets an

In gro?em Stil haben Betrüger mit Eintrittskarten für den Europa-Park in Rust gehandelt. Die Tickets bezahlten sie mit gestohlenen Kreditkartendaten.

Wenn sich Franzosen über einen Libanesen gestohlene amerikanische Kreditkartendaten besorgen, damit Eintrittskartengutscheine für einen Freizeitpark in Deutschland erwerben und diese dann ein Drittel unter Neupreis verkaufen, dann stinkt diese Sache zum Himmel. Die Offenburger Kriminalpolizei ermittelte erfolgreich in mehreren Fällen mit einem Gesamtschaden von über 35.000 Euro wegen Geldwäsche, Hehlerei und Computerbetrug.

Im Sommer tauchten erstmals Karten des Europark Rust zu sensationell niedrigen Preisen im Internet auf. Rund 40 Mal hintereinander wurden dort Ein- und Zweitageskarten deutlich unter dem Einkaufspreis angeboten. Der Täter, der aus dem Ruhrgebiet stammt, ist zwischenzeitlich identifiziert.
Anfang August boten zwei 20 und 24 Jahre alte Männer, in Staaten der ehemaligen Sowjetunion geboren, auf dem Europapark-Parkplatz preisgünstige Eintrittskarten an. 75 hatten sie noch bei sich, als der Schwindel aufflog. Au?erdem mehr als 1.600 Euro, die aus dem Verkauf von Karten stammten.

Bei Durchsuchungen fand die Kriminalpolizei 29 gelbe und wei?e Plastikkarten mit Magnetstreifen. Diese waren jeweils mit Kreditkartendaten aus den USA versehen. Ohne dass die Besitzer irgendetwas bemerkt hatten, waren ihnen diese Informationen gestohlen und auf die Plastikkarten aufgespielt worden. Damit konnten die Männer dann unbemerkt einkaufen.

Am 25. August 2010 verkauften dann zwei Franzosen vor dem Park Eintrittskartengutscheine. Statt 35 Euro verlangten sie 20 Euro. Bei der Festnahme durch den Sicherheitsdienst des Parks hatten sie noch 39 Eintrittskartengutscheine bei sich. In Zusammenarbeit mit der deutschen und der französischen Staatsanwaltschaft sowie der Gendarmerie wurden die Wohnungen der beiden 19 und 23 Jahre alten Elsässer durchsucht. Dabei fand man nicht nur weitere Gutscheine, sondern auch Beweise für Geschäfte mit einem Libanesen.

Von dem hat der 19-jährige schon seit zwei Jahren übers Internet Kreditkartendaten bezogen. Mit diesen kaufte er in Frankreich und zuletzt auch in Deutschland Eintrittskarten und verscherbelte sie dann preisgünstig. Von den Einnahmen bekam auch der Libanese seinen Teil ab. So war mehrfach über die Western Union Bank Geld an den Mann bezahlt wurden.

Dass diese Fälle geklärt werden konnten, ist einer engen Zusammenarbeit der Polizei mit dem Europa-Park Rust und dessen gut aufgestellten Sicherheitsdienst zu verdanken. Geschädigt sind aber primär Gesellschaften, die diese Kreditkarten ausgegeben haben. Sie ersetzen den Inhabern in der Regel das Geld, das ihnen für solche illegalen Praktiken in Rechnung gestellt wurde.

Und was rät die Polizei? Erstens: Gehen Sie sorgfältig mit ihren Kreditkarten im Internet um und achten Sie darauf, dass Sie ihre Kartendaten über eine verschlüsselte Seite eingeben. Zweitens: Beachten Sie die Hinweise der Banken und der Polizei zum Verhalten beim Internetbanking. Fragen Sie in Zweifelsfällen bei Ihrer Bank nach. Und drittens: Seien Sie misstrauisch, wenn Ihnen jemand vor Ort Eintrittskarten anbietet, die weit unter dem normalen Preis liegen. Da stimmt in der Regel etwas nicht.

© BADISCHE ZEITUNG vom 01.08.2010