Bobotie oder Pommes mit Ketchup

BLICK HINTER DIE KULISSEN DES EUROPA-PARKS: Kulinarische Spezialität und Fastfood ? die Gastronomie ist vielfältig.

RUST. "Es ist dein Moment", hei?t es in der Hymne des Europa-Parks an seine Besucher. Menschen, die diesen Moment erst möglich machen oder selbst Teil dieses Momentes sind, stellt die BZ in einer Sommerreihe von Artikeln vor. Jeder Artikel ist mit einem Gewinnspiel zum Thema verbunden. Heute geht es um die Gastronomie im Park. An mehr als 50 "Verpflegungsstellen" werden die vier Millionen Besucher tagtäglich verköstigt. Neben Snacks und Imbissständen gibt es aber auch gehobene Gastronomie in den Hotel-Restaurants und zu speziellen Events.

Der kulinarische Ausflug nach Südafrika führt entlang eines 30 Meter langen Buffets im Colonial House mitten im Park. Bobotie, ein herzhafter Hackfleischauflauf mit Rosinen und Trockenaprikosen, Strau?enspie? vom Schwenkgrill an Feigen-Rooibuschtee-Sauce oder Lachsfilet im Buchenspan gehüllt vom Grill dazu Sü?kartoffelpüree und gebackener Kürbis mit Honig wirken wie die geschmacks-sinnliche Verlängerung der Fu?ball-WM.

Wer sich bei der richtigen Kombination auf dem Teller unsicher ist oder sich beim Flanieren entlang dem Buffet nicht nur von Auge und Nase inspirieren, sondern auch etwas über Zubereitung und Zutaten erfahren will, spricht die freundlich lächelnde Frau im wei?en Koch-Blazer hinter dem Buffet an. Cass Abrahams nähert sich schon der 70 und ist eine der bekanntesten Köchinnen am Kap von Afrika. Sie hat schon für Nelson Mandela gekocht und ihre Heimat auf Promotiontouren auf allen Kontinenten kulinarisch vertreten ? in diesem Sommer auch im Europa-Park, und das bereits zum vierten Mal.

Thomas Mack (29), in der Geschäftsführung des Parks für "Essen, Trinken, Schlafen" verantwortlich hat die Köchin bei einem sechsmonatigen Praktikum auf dem Weingut Seidelberg in Südafrika im Rahmen seines Studiums zum Diplom-Hotelier kennen gelernt und vor vier Jahren zum ersten Mal nach Rust eingeladen. Seither gibt es in den Sommermonaten "südafrikanische Wochen" im Park. "Mit der Dinner-Show zählen die südafrikanischen Wochen inzwischen zu den kulinarischen Top-Gastroevents im Park", urteilt Thomas Mack.

Um bei den Topevents im Servicebereich auch mit der kulinarischen Qualität mithalten zu können, hat Thomas Mack vor einiger Zeit eigens ein Schulungskonzept für die Mitarbeiter ? Fit for Events ?- entwickelt. "Hinter dem Konzept steckt das Ziel, auch bei besonderen Aufgabenstellungen für den Service im Rahmen von Veranstaltungen im Park auf eine ausreichende Zahl an qualifiziertes Personal aus der Reihe der eigenen Mitarbeiter zurückgreifen zu können", erklärt Mack.

Jeder Mitarbeiter kann sich über ein dreiteiliges Qualifizierungssystem für den Service bei verschiedenen Events fit machen und sich damit auch zusätzliche Verdienstmöglichkeiten schaffen. Mack: "Die Inhalte der Module reichen vom Tragen von Ma?krügen für den Bayrischen Abend bis zum Flambieren am Tisch bei gro?en Firmenevents. Jeder unserer Mitarbeiter kann an den Kursen teilnehmen, ob er zum Mitarbeiterteam an den Imbissständen oder an den Fahrgeschäften zählt. Nach jedem Modul steht eine Prüfung an. Wer die Prüfung im Modul C besteht, der kann beispielsweise bei jedem Gala-Abend zum Service-Team zählen."

Die meisten der jährlich vier Millionen Europa-Park-Besucher sind aber nicht Gäste einer Gala oder suchen im Park nach den besonderen kulinarischen Genüssen. "Richtig ist, dass wir ehrgeizig sind, zu besonderen Anlässen auch den gehobeneren Ansprüchen gerecht werden zu können und auch selbst kulinarische Akzente zu setzen. Aber natürlich haben wir zunächst einmal den Europa-Park Besucher im Fokus, der tagtäglich in den Park kommt und neben dem Vergnügen in den Themenbereichen und den Fahrgeschäften auch Anspruch auf Erlebnis und Qualität in der einfacheren Gastronomie hat", betont Mack. Der Park biete hier, so Mack weiter, eine Mischung von Restaurants, Bistros, Cafés oder Imbissbuden an. Mehr als 50 "Verpflegungsstellen" auf den Parkgelände, dazu weitere sieben Restaurants und vier Bars in den fünf Hotels gibt es im Europa-Park. Und in jedem Winkel des Parks dürfe der Besucher mit dem Anspruch kommen, zu jeder Tageszeit gleiche Qualität und gleichen Service zu erhalten, so Mack.

Dahinter steckt eine gewaltige Logistik und ein Konzept, das in der Gastrobranche mit dem Begriff "Systemgastronomie" beschrieben wird. "In den gro?en Restaurants im Park und natürlich in den Hotelrestaurants haben wir eigene Küchen mit entsprechend ausgebildetem Personal. Kleinere Einheiten werden aber über eine zentrale Küche, die sich im Verwaltungsareal befindet, versorgt", erklärt Thomas Mack. Dort sorgen 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 15 gelernte Köche, für die Rohlinge oder Fertigprodukte, die dann in den Snacks und Imbissbuden in die Mikrowelle, die Fritteuse, den Backofen oder auf den Grill kommen. "Unsere grö?tes Problem stellt dabei die Versorgung der einzelnen Verpflegungsstellen im Park dar, denn wir wissen im voraus natürlich nicht, ob an einem Tag 10 000 Besucher oder 5000 und weniger kommen", sagt Mack. Voraussetzung bleibe deshalb eine hohe Flexibilität beim Küchenpersonal, insbesondere bei dem Angebot, das frisch zubereitet werden muss. Flexibel müssen aber auch die Lieferanten sein. Um die Reaktionszeiten möglichst kurz zu halten, vertraut der Europa-Park auch im Gastrobereich auf regionale Partner. Mack: "Das ist unsere Philosophie. Und diese vertrauensvolle Partnerschaften überdauern in manchen Bereichen Jahrzehnte."

Die Gastronomie setzt vermehrt auf Bio-Produkte. Ist das auch im Europa-Park, wo täglich einige Tausend Menschen versorgt werden müssen, möglich? Thomas Mack sieht eine solche Entwicklung im Europa-Park eher nicht: "Dort, wo es möglich wird, setzen wir natürlich auf Bio und regionale Produkte, etwa bei Gemüse oder Salaten. Unsere Erfahrung ist aber auch, dass der Park-Besucher, der zu Hause auf Gesundes Essen achtet und Wert legt, als Park-Besucher aber gerne eine Ausnahme macht. Getreu dem Motto: Ich ernähre mich daheim das ganze Jahr über gesund, also kann ich mir heute ausnahmsweise einmal einen Hamburger gönnen". So sind auch im Europa-Park Pizza, Hamburger, Curry-Wurst oder Donuts starker gefragt als Gemüseeintopf oder Vollwert-Burger. Und die Mengen, die vier Millionen Besucher im Jahr verzehren, sind gewaltig. 305 Tonnen Pommes Frites, 755 000 Hamburger, 52 Tonnen Ketchup, 300 000 Bratwürste, 415 000 Crepes, 1,3 Millionen Brötchen oder 440 000 Pizza-Schnitten werden in einer Saison von den Europa-Park-Besuchern verputzt.

© BADISCHE ZEITUNG vom 03.08.2010