Ich bin das Gesicht des Parks

Als Inhaber und Chef des grö?ten Vergnügungsparks Deutschlands, des Europa-Park Rust bei Freiburg, ist Roland Mack in Südwestdeutschland eine gesellschaftliche Grö?e. Er liebt Partys, Achterbahnfahrten und genie?t es, im Mittelpunkt zu stehen. Ein Expertengespräch über Trubel

Der Titel "Lokalfürst" passt zu Roland Mack wie zu keinem Zweiten. Der Mann ist ständig von einem Hofstaat umgeben: PR-Berater, Parkangestellte, Leute, die ihm Regenschirme hinterhertragen oder ein Auto holen. Mack ist hier der König, der Europa-Park Rust sein Reich. Er eröffnet Miss-Wahlen auf dem Gelände, empfängt Politiker zu Wahlkampf-Gro?veranstaltungen und fährt öffentlichkeitswirksam mit einem Weihbischof Achterbahn. In den Medien ist der Mann dauerpräsent, er ist das Gesicht des Parks, in dem sich jährlich Millionen Menschen vergnügen. Seine eigene Freizeit zu genie?en fällt Mack dagegen nicht so leicht. Wenn er sich freinimmt, wählt er ein Gegenprogramm zu Zuckerwatte und Wildwasserbahn: Er lässt sich per Stocherkahn durch die unberührte Natur des Naturschutzgebiets Taubergie?en fahren - das nur wenige Autominuten von seinem Park entfernt liegt. Zu weit will er lieber doch nicht weg.

Welt am Sonntag: Herr Mack, finden Sie es nicht furchtbar hier im Naturschutzgebiet? Man sieht keine Achterbahnen, das einzige Geräusch ist das Quaken der Enten.

Roland Mack: Sie meinen, mir fehlt das Kreischen aus der Achterbahn als Geräuschkulisse?

Welt am Sonntag: Ja, das hören Sie doch sonst Tag und Nacht. Sie haben nicht nur das Büro auf dem Gelände Ihres Freizeitparks, sondern wohnen auch noch freiwillig direkt nebenan.

Mack: Das stimmt, ich wohne zwischen Schneewittchen und Dornröschen, an der Märchenallee. Ich habe die Geräusche des Parks immer im Garten, deshalb könnte ich mich dort nicht hinsetzen und in Ruhe ein Buch lesen. Was mir hier im Naturschutzgebiet unheimlich guttut, ist zu wissen, dass ich nur fünf Minuten entfernt bin. Vorsicht, Kopf runter!

Welt am Sonntag: Was war das denn?

Mack: Das hier ist ein sogenannter Bannwald. Die ?ste werden liegen gelassen, wie sie umfallen. Es liegt schon mal ein ganzer Baum quer übers Wasser, da muss man den Kopf einziehen.

Welt am Sonntag: Kennen Sie überhaupt die Tiere, die es hier gibt?

Mack: Ja, sagen wir mal, die wesentlichen.

Welt am Sonntag: Bis jetzt haben wir ja auch nur ein paar Enten gesehen.

Mack: Wenn Sie wüssten. Es gibt Hunderte Vogelarten, die hier nisten. Und da vorne zum Beispiel, die blaue Libelle, das ist die Gebänderte Prachtlibelle. Drei Stück fliegen da gerade!

Welt am Sonntag: Hand aufs Herz: Was macht Ihnen mehr Spa?, der Freizeitpark-Stress oder hier die Natur zu beobachten?

Mack: Wenn ich es mal wieder hierher schaffe, genie?e ich es tatsächlich. Ich nehme mir dann jedes Mal vor: So eine Auszeit nimmst du dir ab jetzt einmal pro Woche. Leider halten solche Vorsätze meistens nur drei, vier Tage. Es fällt mir schwer, aus dem täglichen Hamsterrad hinauszukommen. Auch, wenn es dem Körper guttun würde.

Welt am Sonntag: Aber wenn Sie ehrlich sind, genie?en Sie es doch auch, dass Sie im Park gebraucht werden und im Licht der ?ffentlichkeit stehen.

Mack: Ich bin das Gesicht des Parks. Es gehört zu unserem Erfolg, dass wir keine anonyme Aktiengesellschaft sind, sondern ein Familienunternehmen, das präsent ist.

Welt am Sonntag: Zum Konzept gehört offenbar auch, dass Sie engen Kontakt zu Promis halten und Ihre Familie mittlerweile fester Bestandteil der süddeutschen High Society ist. Ihr älterer Sohn Michael hat vor Kurzem das Stuttgarter Model Miriam Ivancan geheiratet. Das ist die jüngere Schwester von Monika Ivancan - die wiederum bekannt ist, weil sie mal mit dem Komiker Oliver Pocher zusammen war und Harald Schmidt später Sekt aus ihrem Bauchnabel geschlürft hat.

Mack: Die Miriam ist eine ganz Liebe. Was das Showbusiness angeht: Wir haben oft Promis bei uns, und das passt zu unserem Unternehmen. Es schadet dem Geschäft sicher nicht. Wer unsere Familie kennt, wei?, dass wir noch Bodenhaftung haben. Wir sind ein klassisches Familienunternehmen. Vor zehn Jahren galt das noch als altbacken. Jetzt, nach der Finanzkrise, finden es alle toll. Ich bin die siebte Generation in unserer Firma, meine Söhne sind die achte.

Welt am Sonntag: Ihre beiden Söhne arbeiten als Manager im Unternehmen. Wann lassen Sie die beiden endlich ran an die Geschäftsführung?

Mack: Sie sind doch beide in der Geschäftsführung. Aber eine vollständige ?bergabe, ach, das wird wohl schleichend gehen. So war es auch mit meinem Vater und mir. Er hat noch lange alle gro?en Entscheidungen mit mir zusammen getroffen.

Welt am Sonntag: Ihr Vater ist ein gro?es Thema bei Ihnen. Vor Jahren haben Sie in einem Interview mit unserer Zeitung erzählt, dass er als Kind viel von Ihnen gefordert hat. Wenn die anderen Kinder Fu?ball spielen durften, sollten Sie am Rei?brett sitzen und zeichnen üben.

Mack: Ich stand natürlich unter Druck, als ich jünger war und noch nicht die nötige Erfahrung für das Geschäft hatte. Mein Vater hat immer voll mit dem Finger in diese Wunde gezeigt. Er lie? sich auch von meiner Mutter nicht aufhalten, wenn es ums Prinzip ging und um Härte. Wenn man einerseits ein Familienmensch ist und andererseits immer wieder seine Grenzen aufgezeigt bekommt, macht einem das zu schaffen. Man will ja nicht derjenige sein, der die Firma an die Wand fährt. Im Nachhinein verstehe ich ihn. Die letzten zehn, 15 Jahre waren äu?erst angenehm mit meinem Vater. Er hat mich zwar nie gelobt, aber ist viel gütiger geworden.

Welt am Sonntag: Sie sind Ihren Söhnen gegenüber ähnlich streng. Die beiden bekommen nur die Geschäftsführung übertragen, wenn sie besser sind als Kandidaten von au?en, haben Sie gesagt.

Mack: Das wird mir jeden Tag vorgehalten von meiner Frau und anderen im Umfeld, dass ich zu viel fordere. Ich erwarte, dass im Tagesgeschäft Antworten meiner Söhne besser sind als alles, was ich von einem gekauften Manager bekommen könnte. Ich bin dann zwar manchmal ungehalten, aber am Schluss sehe ich, dass doch etwas hängen geblieben ist.

Welt am Sonntag: Geht das denn überhaupt? Seinen Kindern gegenüber derart rational zu handeln?

Mack: Wenn man so eine Verantwortung trägt wie ich, dann muss man dafür sorgen, dass jeder, der an einer Schlüsselstelle sitzt, kompetent ist. Da unterscheidet man nicht, ob das ein Sohn ist oder ein anderer. Man erwartet von seinem Sohn eher noch mehr. Alles andere wäre der Firma und der ganzen Familie gegenüber unverantwortlich. Wir werden auch gemeinsam entscheiden, wenn meine Söhne in ein paar Jahren einen neuen Park bauen wollen.

Welt am Sonntag: Sie planen noch einen zweiten Europa-Park?

Mack: Nein, keinen zweiten Europa-Park an anderer Stelle, sondern einen zweiten Park an unserem Standort. Ein Angebot in Richtung Wasserpark ist unsere Idee. So könnte sich der Europa-Park als Kurzreiseziel noch erheblich weiterentwickeln und die Gäste zu mehr ?bernachtungen anregen.

Welt am Sonntag: Sind das nur ?berlegungen oder schon konkrete Pläne?

Mack: Die Entscheidung ist insofern gefallen, dass wir die nötigen Grundstücke gekauft und die baurechtlichen Genehmigungen erwirkt haben. Es wird sicher noch fünf Jahre oder länger dauern, bis wir den Schritt wagen, wenn überhaupt. Denn bevor wir tatsächlich bauen, werden wir uns die gro?politische Lage anschauen.

Welt am Sonntag: Sie mischen sich ohnehin ganz gern in wirtschaftspolitische Diskussionen ein ...

Mack: ... weil sie unsere Firma im Kern betreffen! Zum Beispiel die Erbschaftsteuer. Ich kann gar nicht verstehen, dass so viele Familienunternehmer sich bei diesem Thema zurückhalten. Wahrscheinlich haben viele noch gar nicht begriffen, welches Damoklesschwert da über ihrem Kopf schwebt.

Welt am Sonntag: Sie meinen, weil die derzeitige gesetzliche Regelung unter anderem vorsieht, dass Unternehmen nur noch dann von der Erbschaftsteuer ausgenommen bleiben, wenn sie eine Bestandsgarantie für Arbeitsplätze abgeben.

Mack: Ja, eine solche Garantie ist betriebswirtschaftlich ein Killer. Genauso wie die Anlageformen. Wir können unser liquides Kapital nur in Form von Tagesgeld anlegen, sonst schlägt die volle Keule der Erbschaftsteuer zu.

Welt am Sonntag: Fragen Politiker Sie oft nach Ihrer Meinung? Und fühlen Sie sich dann geschmeichelt?

Mack: Ich spreche häufig mit Politikern, aber ob sie das ernst nehmen, daran habe ich oft meine Zweifel. Früher bin ich jeder Kamera hinterhergesprungen, um unseren Park bekannter zu machen. Heute kommen oft Politiker mit ihren Kindern zu uns, da kommt man natürlich ins Gespräch. Manche mag ich lieber als andere.

Welt am Sonntag: Sind Sie denn mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg befreundet? Der CSU-Politiker hat vor der Bundestagswahl im September vor einem Jahr im Park Wahlkampf gemacht.

Mack: Nicht befreundet, aber wir kennen uns. Gerhard Schröder hat auch schon bei uns Wahlkampf gemacht, und der Joschka Fischer hat bis zur Erschöpfung vor Tausenden geredet, stundenlang. Danach hat er nass geschwitzt bei mir im Büro auf dem Boden gelegen, sich in eine Decke eingewickelt und gesagt: Herr Mack, jetzt erleben Sie den letzten Polit-Rocker dieser Nation.

Das Gespräch führte Anette Dowideit

© WELT AM SONNTAG vom 12.09.2010