Mitten im Pool der kreativen Köpfe

BLICK HINTER DEN KULISSEN DES EUROPA-PARKS: Seit zwei Jahren bringt Mack Solutions Illusion und Wirklichkeit zusammen.

RUST. "Es ist dein Moment", hei?t es in der Hymne des Europa-Parks an seine Besucher. Menschen, die diesen Moment erst möglich machen oder selbst Teil dieses Momentes sind, stellt die BZ in einer Artikelreihe vor. Jeder Artikel ist mit einem Gewinnspiel zum Thema verbunden. Heute geht es um Mack Solutions, einer neuen Abteilung im Familienunternehmen Mack, indem Konzepte für Fahrgeschäfte und neue Themenbereiche entwickelt werden ? sowohl für den Europa-Park als auch für andere Vergnügungsparks.

Am Anfang war Ulrich Damrau. Der Bühnenbildner, Architekt, Grafiker, Maler und Zeichner hatte vor mehr als 30 Jahren begonnen im Auftrag von Franz Mack Fahrgeschäfte, Attraktionen, Boutiquen und Cafés zu einem homogenen Bild zusammenzufügen. "Der Europa-Park trägt Ulrich Damraus Handschrift," sagt noch heute Park-Chef Roland Mack. Der gebürtige Preu?e (Jahrgang 1914), Bühnenbildner in Dresden, Karlsruhe, Konstanz und Ankara gilt als Vater der Architekturlandschaft im Park. Er gestaltete auch die Suiten im Hotel El Andaluz und etliche Kostüme der Winter-Lichter-Parade . Damrau starb im Mai 2007 im Alter von 92 Jahren.

Doch der Mann, der die Grenzen zwischen Illusion und Wirklichkeit mit leichter Hand verwischen konnte, scheint im eher nüchternen, schnörkellosen Verwaltungsbau von Mack Solutions noch allgegenwärtig. Seine Zeichnungen von Fassaden und Detailentwürfen von Deckenstuckaturen zieren die funktionellen Räume. Mack Solutions ist die neue Kreativabteilung im Europa-Park. "Hier wird mit Gefühl für Stile und Tradition nackte Technik von Fahrgeschäften in einen glänzenden Rahmen gepackt. Das ist wie ein interkulturelles Puzzlespiel," sagt Michael Mack.

Der 32-jährige, älteste Sohn von Roland Mack hat im Todesjahr von Ulrich Damrau die Abteilung Mack Solutions im Europa-Park gegründet. Mack: "Bis dahin haben wir unsere Erfahrungen, die Qualitäten unserer kreativen Köpfe beim Einfügung von Fahrgeschäften in Themenlandschaften nur für die Umsetzung von Konzeptionen im Europa-Park genutzt und nicht als eigenes Geschäftsfeld gesehen. Mit der Gründung von Mack Solutions haben wir uns da einem ganz neuen Tätigkeitsbereich geöffnet." Mit der Abteilung hat sich das Familienunternehmen auch strategisch neu aufgestellt. Denn Mack ist nun in der Lage, den Kunden von Mack Rides in Waldkirch, dem Ort, wo die Macks seit zwei Jahrhundertten Karussells und neuerdings auch Achterbahnen konstruieren und bauen, nun auch ma?geschneiderte Lösungen für die Gestaltung des Umfeldes der Anlagen anzubieten.

80 Prozent der Entwürfe sind gekoppelt an Aufträge von Mack Rides

80 Prozent der Entwicklungen von Mitarbeitern bei Mack Solutions sind denn auch gekoppelt an Aufträge an Mack Rides, das restliche Fünftel sind konkrete Aufträge von Parks in aller Welt, einen Themenbereich zu entwickeln. "Wir hatten schon Auftraggeber, beispielsweise in China, denen wir einen komplett neuen Park geplant haben. Das reichte von den Fahrgeschäften, den geeigneten Themenbereichen, ja sogar Vorschläge für die Werkstätten zur Wartung der Fahrzeuge und die notwendige technische Ausrüstung hierfür vom Hammer bis zum Schraubenzieher stammten von uns. Kurzum: Wir haben den Kunden beraten, wie man einen Freizeitpark erfolgreich betreibt", erklärt Michael Mack.

Das klingt komplex und nur mit modernster Technik beherrschbar ? und doch beginnt die Realisierung am ganz gewöhnlichen Zeichentisch. "Wir bekommen das Ziel vorgegeben, etwa ein Hotel in einem besonderen Stil zu entwerfen, dann wird im Internet und in Büchern recherchiert und man beginnt zu zeichnen. Die ersten Skizzen entstehen immer am Zeichenbrett", sagt Thomas Holtgräwe, einer der Designer. So wird der Besuch auf seinen Arbeitsplatz fast zu einer Zeitreise in ein Architekturbüro der achtziger Jahre: Zeichnungen mit bekannten Motiven aus dem Europa-Park in schwarz-wei?, manche davon auch coloriert, und gleich mehrere Skizzen eines Objektes auf einer schiefen Zeichenebene. "Am Anfang können die Designer hier ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Später kommen dann alle Ideen auf den Tisch und die Familie oder bei Aufträgen eben der Auftraggeber entscheidet, was verfeinert und realisiert wird", sagt Michael Mack.

Eine Etage höher glühen derweil die PCs und die Köpfe. "Das hier ist die Abteilung für die verrückten Ideen. Die kennen keine Grenzen," scherzt Michael Mack. Die kleine Gruppe um den Franzosen Frédéric Pastuszak fügt am Computer die "Steine" aus der Fahrzeugschmiede und dem Designstudio wie ein Puzzle zu einm Gesamtbild zusammen. "Wir bringen Phantasie und Wirklichkeit zusammen. Modellieren im dreidimensionalen Raum Parklandschaften oder entwickeln Vorschläge, wie man verschiedene Fahrgeschäfte auf einem begrenzten Raum attraktiv und funktional zusammenbringen kann, wie die Wege gebaut werden müssen, wo wir Shoppingzeilen haben oder, ganz simpel, wo wir Toiletten platzieren", erläutert Pastuszak und zaubert mit ein paar Mausclick am PC eine Symbiose von Achterbahn und Wasserrutsche auf engstem Raum. Spielerei? Wohl eher Kreativität. So entstand etwa der isländische Themenbereich rund um die Achterbahn Blue Fire Megacoaster im Europa-Park.

"Die Kunst legt darin, verschiedene Indeen für Themen und eine manchmal übermächtige Technik zu einer für den Parkbesucher homogenen Einheit zusammenzuführen. Diese Kunst beherrschen wir, weil wir die richtigen Köpfe haben", sagt Michael Mack nicht ohne Stolz.

© BADISCHE ZEITUNG vom 25.09.2010