Gott hatte Franz Mack mit vielen Talenten ausgestattet

Der am Sonntag verstorbene Karussellbauer und Gründer des Europa-Parks wurde in seiner Heimatstadt beigesetzt / 800 Trauergäste erwiesen ihm die letzte Ehre.

Waldkirch. Abschied von Franz Mack am Donnerstagnachmittag auf dem Waldkircher Friedhof. Schätzungsweise 800 Trauergäste erwiesen dem Wagen- und Karussellbauer, Gründer des Europa-Parks Rust und Mitbürger die letzte Ehre. Trauergäste jeder Generation und aus allen Bevölkerungsgruppen. Familien- und Unternehmensfreunde, Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft ? Franz Mack hatte in seinem langen Leben viele Wegbegleiter. Sie bekundeten ihre Wertschätzung dem Mann gegenüber, der bei all? seinem unternehmerischen Erfolg bodenständig und bescheiden geblieben ist.

Am Tag der Einheit, am 3. Oktober, ist Franz Mack 89-jährig verstorben. "Und die Einheit, die Einigkeit in der Familie waren ihm stets sehr wichtig", sagte der Schweizer Pfarrer Ernst Heller bei der Trauerfeier in der Friedhofskapelle vor der Beisetzung, auf welche dann später in Rust in der Pfarrkirche Petri Ketten ein Requiem folgte. Pfarrer Heller: "Wir wissen, was ihr an eurem Vater verloren habt: Ein ganz gro?artiger Mensch, mit dem ich eine tiefe Freundschaft knüpfen durfte. Er hatte einen starken Lebenswillen, wurde aber in den letzten Wochen arg geprüft mit seiner schweren Krankheit." Ernst Heller weiter: "Franz Mack hat sein Ziel erreicht und wird nun dort sein, wo ein noch viel schönerer Park ist ? im ewigen Paradies."

Der Geistliche skizzierte "das gro?e Lebenswerk" und die Lebensstationen (siehe auch BZ vom Dienstag) des Verstorbenen: "Gott hat ihn mit vielen Talenten ausgestattet, die er nicht vergraben, sondern vertausendfacht hat." Er habe in seinem Leben den Spruch seines schon 1780 gegründeten Familienunternehmens Wagenbau Mack, heute Mack Rides, verinnerlicht: "Die weite Welt ist mein Feld!"

Mit unternehmerischem Wagemut, Flei?, Ausdauer, Aufrichtigkeit, Gradlinigkeit und ganz viel Leidenschaft für Technik sei er seinen Weg gegangen. So ist 1975 auch der Europa-Park entstanden. "Franz Mack erhielt vom Herrgott eine hohe Intelligenz, ohne je eine Uni von innen gesehen zu haben. Das Rei?brett war seine Welt. Glamour hat ihn nie interessiert. Er war ein Schaffer!" Wobei sein sozialer Einsatz "von seinem guten Herzen zeugt", so der Pfarrer. Er habe viel gefordert, zuallererst aber von sich selbst. Sehr treffend hätten es die Mitarbeiter von Mack Rides im Zeitungsnachruf formuliert: "Ein liebenswerter, hilfsbereiter Mensch und ein Vorbild". Pfarrer Heller erwähnte und zitierte einige Kondolenzschreiben ? von Zirkusdirektor Horst Knie, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Frieder Burda oder auch von einem Mitglied des "Fan-Clubs Europa-Park": "Ich und viele andere verdanken Ihnen wunderschöne Stunden im Park, dessen Seele Sie waren."

Landes-Finanzminister Willi Stächele bezeichnete in seiner Ansprache Franz Mack als "Beispiel gebenden Familienunternehmer " und "bodenständigen Visionär. Er hat sich um unser Land verdient gemacht." Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Bundestag, Volker Kauder, überbrachte die Kondolenzgrü?e von Kanzlerin Angela Merkel, die Franz Mack bei einigen Begegnungen selbst kennen gelernt hatte. Kauder: "Franz Mack war eine au?ergewöhnliche Persönlichkeit. Im eigenen Anspruch bescheiden", doch für Arbeit, Unternehmen und auch Familie habe für ihn stets gegolten: "Von nichts kommt nichts, man muss jeden Tag von Morgen bis Abend bei der Sache sein." Nicht nur in der Firma: "Ein Familienunternehmen ist dann erfolgreich, wenn die Familie zusammenhält. Das hat er vorgelebt", so Volker Kauder.

"Unternehmertum war für ihn nie das Anhäufen von Reichtümern, seine Maxime war die Zufriedenheit der Kunden", so Christian von Elverfeldt, der als Geschäftsführer von Mack Rides GmbH & Co. KG im Namen von deren Mitarbeiter sprach. "Die Wagenbaufirma Mack und die Schausteller lagen ihm besonders am Herzen." Und von seinen vielen Auszeichnungen bis zum Bundesverdienstorden, habe Franz Mack, so von Elverfeldt, "eine Ehre wirklich viel bedeutet: Die Goldene Verdienstmedaille seiner Heimatstadt Waldkirch". Er schloss: Franz Mack hat sein Feld bestellt".

Diesbezüglich erinnerte Pfarrer Franz Heller auch nochmals an jenen Lieblingsspruch Franz Macks, ein Zitat von Papst Johannes XXIII., das auch in der Todesanzeige der Familie stand: "Es ist kein Blumenbeet zu schade dafür, dass man nicht darauf ein Karussell für Kinder bauen könnte."

© BADISCHE ZEITUNG vom 09.10.2010