Jeden Tag 100 Prozent geben

LEUTE IN DER STADT: Der Ettenheimer Michael Dold hat als Landesbester seine Ausbildung im Europa-Park abgeschlossen.

ETTENHEIM/RUST. Nach einer beruflichen Odyssee ist Michael Dold endlich fast an seinem Berufsziel angekommen ? und das auch noch mit Auszeichnung. Der 27-jährige Ettenheimer wurde Landesbester als Kaufmann für Tourismus und Freizeit. Ausgebildet wurde er im Europa-Park in Rust.
"Der Europa-Park ist der perfekte Ort, um so eine Ausbildung zu machen", sagt Michael Dold, der mittlerweile bei einer Werbeagentur in Stuttgart arbeitet. "Hier hat man ein internationales Publikum und Herausforderungen in allen touristischen Bereichen, wie den Freizeitpark als solchen, Gastronomie, Wellness, Events und Veranstaltungen."

Bis zum Abschluss seiner Berufsausbildung war es ein langer Weg. Michael Dold ist in Ettenheim aufgewachsen, hat 2002 am städtischen Gymnasium sein Abitur gemacht, dann den Zivildienst im hiesigen Klinikum absolviert. Danach ging?s zum Studium nach Köln: Germanistik und Musikwissenschaft. "Ich merkte bald, dass das nicht meinen Vorstellungen entsprach", sagt Dold im Rückblick. Er hat sein Studium abgebrochen und erst einmal gejobbt. Schlie?lich hat er zwei Jahre für das Fernsehen gearbeitet, bei Produktionsfirmen, die Comedysendungen an gro?e Sender verkaufen.

Der junge Mann suchte weiter nach einer Zukunft, kam dann wieder nach Ettenheim und begann einen Job am Infocenter im Europa-Park. Die entscheidende Wendung trat ein, als er sich eines Tages mit dem Beauftragten der Geschäftsleitung, Michael Kreft von Byren, über seine Berufswünsche unterhielt. Nach diesem Gespräch erhielt Dold das Angebot, die Ausbildung zu machen. "Das habe ich dankend angenommen", sagt der 27-Jährige, dem wegen seiner bisherigen Ausbildung die Lehrzeit von drei auf zwei Jahre verkürzt wurde. Michael Dold arbeitete in der Telefonzentrale, erledigte Aufgaben für die Geschäftsstelle Unternehmenskommunikation, war in der Marketingabteilung tätig und besuchte begleitend die Berufsschule in Baden-Baden. "Die Ausbildung war genau das Richtige für mich", sagt Dold. "Sicherlich kann man auch Tourismus studieren, aber ich arbeite gerne und bin gerne unter Leuten. Ich wollte nicht jahrelang im stillen Kämmerchen lernen." Auch die Gespräche mit den Kollegen in der Berufsschule fand er anregend. Die 17 Schülerinnen und Schüler kamen aus unterschiedlichen Branchen: Kurbetrieb, Bäder, Hotels, Fitnessstudios oder Busunternehmen. Inhaltlich lernten die angehenden Tourismus- und Freizeitfachleute wie man Produkte und Leistungen anbietet, das kaufmännisches Controlling oder Veranstaltungswesen, wobei die Sicherheit dabei eine gro?e Rolle spielt. Eigentlich hätte Michael Dold auch nach seiner Ausbildung im Europa-Park gerne noch weiter gearbeitet. Dann aber bekam er das Angebot, ins Traineeprogramm für Texter eines Unternehmens in der Werbebranche zu kommen. "So eine Chance erhält man nur einmal im Leben", sagt Dold. Sprache sei seine Leidenschaft und seine Kreativität werde er dabei testen. Was er von seiner Ausbildung mitbringt, ist die Leidenschaft. "Das habe ich im Europa-Park gelernt. Es nützt nichts zu sagen: Morgen sind wir wieder gut. Wir müssen jeden Tag 100 Prozent geben."

Freundliche Worte findet Michael Dold auch für seine Heimatstadt: "Ettenheim hat sich in den vergangenen Jahren sehr gemacht." Wenn er Freunde aus Stuttgart mit nach Hause bringe, dann seien sie vom Flair der Stadt immer sehr angetan. Allerdings schöpfe die Stadt ihr Potenzial nicht aus. Sie müsse ihre reiche Vergangenheit mehr zutage fördern und versuchen, etwa die Europa-Park-Besucher zu bewegen, ein oder zwei Nächte länger zu bleiben ? "weil sich das lohnt", so Dold.

© BADISCHE ZEITUNG vom 16.11.2010

Foto: Michael Dold