Rust erhält einen Leuchtturm

Die Ruster Verwaltung informiert über die Hotel-Pläne des Europa-Parks und die Umgestaltung der Franz-Sales-Stra?e.

RUST. Mit einer Informationsveranstaltung zu zwei Projekten haben Verwaltung und Gemeinderat die Ruster Bürgerinnen und Bürger frühzeitig in die Planung einbezogen. Auch das Bauordnungsrecht sieht dieses Vorgehen vor. Etwa 50 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen.

Ein Thema war die erste ?nderung des seit 2005 bestehenden Bebauungsplanes Oberfeld/Gewerbegebiet II. Sie ist laut Architekt Karlheinz Allgayer wegen der Dimension des fünften Hotels des Europa-Parks ("Bell Rock") erforderlich, wobei sich am Grundkonzept mit Hotel, Parkplätzen, Grün- und Gewässerzonen nichts Wesentliches ändern würde. "Für die Gemeinde ist es wichtig zu wissen, was dort entsteht, und für den Park, was er auf diesem Gebiet darf." Die Grenzen des Baufensters für das Hotel seien klar gezogen, die räumlichen Dimensionen bekannt. Mit einer visuellen Fotoanimation stellte Allgayer schon einmal den Entwurf des neuen Objektes in das Gebiet vor. Die kleinteilige Architektur orientiert sich am Neuenglandstil an der Nordostküste der USA, der von den englischen Besiedlern herrührt. Die Nähe zur Küste erkläre auch den markanten "Leuchtturm". Noch bedeckt gab sich derweil Thomas Renner-Boh, zuständig für das Baumanagement im Europa-Park, bei den Einzelheiten der Anlage; die Pläne seien noch im Entwicklungsstadium.

Landschaftsplaner Gerhard Babik gab Auskünfte zu Umweltfragen und ?kologie. Eine der Ausgleichsma?nahmen sei die Renaturierung der Elz. 5000 Quadratmeter Fläche seien hierfür vorgesehen. "Wir werden warten, ob die Behörden unsere Einschätzung mittragen", war das Fazit von Babik. Nach seiner Meinung liege nämlich keine "besondere Erheblichkeit" vor, weshalb er mit behördlicher Zustimmung rechne. Der bestehende Weg entlang der Elz mit den Grünanlagen bleibe der ?ffentlichkeit zugänglich, wurde ausdrücklich auf Fragen der Zuhörer betont. Das gelte auch für die geplante Brücke über die Elz, eventuell mit einem zeitlichen Vorbehalt zur Sicherheit des Parks, sagte Bürgermeister Günter Gorecky. Eine gro?e Wasserfläche dient der Erholung, die zweite Wasserfläche nimmt das Oberflächenwasser auf, wurde auf Anfrage mitgeteilt. Das Fitnesscenter sei dann ein Störfaktor, meinte ein Ruster Bürger, das könne man abreisen. Dieser Aussage wollte ein Bürgerin jedoch nicht folgen: "Am besten rei?en wir alle Häuser ab, um sie der Optik des Parks anzupassen". Rust habe einen eigenen Charakter, der erhalten werden müsse. Zur Parkplatzsituation äu?erte Gorecky, dass es Aufgabe des Parks sei, diese zu lösen. Die Plätze reichen zwar rechnerisch aus, die Erfahrung zeige aber, dass es durchaus zu Problemen kommen könne.

Die Anwohner wollen keine verkehrsberuhigte Franz-Sales-Stra?e

Die Mehrheit der Anwohner wollen in der Franz-Sales-Stra?e keine Ausweisung als "verkehrsberuhigender Bereich", auch als Spielstra?e bezeichnet. Das ergab ein Abstimmungsergebnis zum Schluss der Diskussion um die bauliche und verkehrstechnische Gestaltung. Die Hauptarbeit liege im Untergrund, erläuterte Gorecky, denn die Leitungen für Wasser und Abwasser seien marode und müssten erneuert werden. Zur Stra?engestaltung stellte Stadtplaner Josef Rainer Kunz zwei Varianten vor: Variante 1 mit weitgehend offenem Stra?enverlauf, mit Pflasterung der Einmündungs- und Kreuzungsbereiche, ohne Gehweg und mit einer Mittelrinne als geschwungene Linienführung sowie einer verkehrsrechtlichen Ausweisung als "verkehrsberuhigender Bereich".

Die Variante 2 orientiert sich im Wesentlichen an der gegebenen Situation, mit Gehweg und ohne spezielle Parkplatzzuweisung. Wichtig sei, dass der Durchgangsverkehr vom Gewerbegebiet in das Dorf nicht über die Franz-Sales-Stra?e, sondern über die Draisstra?e in die Fischerstra?e gelenkt werde. Deshalb werde auch der Knoten Strangenweg/Tulpenweg/Draisstra?e umgestaltet. Wichtig dabei sei die Erkennbarkeit und Eindeutigkeit der Verkehrslenkung.

Die Anwohner selbst seien es, die sich nicht an die Schrittgeschwindigkeit halten würden, war von Bürgern zu hören, das zeige die Erfahrung. Man befürchte auch einen Schilderwald bei der Ausweisung eines "Verkehrsberuhigenden Bereiches", sagte ein Zuhörer. Die letzte Entscheidung hat wieder der Gemeinderat, aber der will sich am Votum der Bürger orientieren, wie in der Sitzung im Dezember beschlossen worden war.

Mit dem Ausbau der Stra?e könnte im April in Bauabschnitten begonnen werden, sagte Günter Gorecky. In diesem Zuge bestünde auch die Möglichkeit, defekte Hausanschlüsse zu sanieren. Auf Anfrage bezifferte Bauamtsleiter Martin Spoth die Kosten die Sanierung eines Hausanschlusses auf etwa 600 Euro. Die Bürgerinnen und Bürger können noch bis zum 28. Januar ihre Anregungen vorbringen.

© BADISCHE ZEITUNG vom 14.01.2011