Was wurde eigentlich aus... Boris Becker? - 07.06.2011

Ein kleiner Blick in den Backstagebereich der EP-Shows:


Man geht in den Europa-Park, amüsiert sich auf rasanten Achterbahnen oder genie?t das spektakuläre oder bezaubernde Showprogramm. Dutzende von Artisten, Gauklern, Schauspielern und Sängern unterhalten die tausenden von Besucher Tag für Tag.
Wir möchten heute einmal das Showprogramm von der anderen Seite betrachten, und zwar von der Seite eines Artisten. Zu diesem Anlass reisen wir ein bisschen in der Zeit zurück und denken an die Shows im Globe-Theater im Englischen Themenbereich. Hier gastierte drei Jahre nacheinander jeweils in der Wintersaison (2006/2007 - 2008/2009) der Schauspieler und Sänger Boris Becker.

EPFans.info im Interview mit dem Schauspieler und Sänger Boris Becker:
Einige Eckpunkte von Boris Becker:

  • steht seit seinem 4. Lebensjahr auf den Brettern, die die Welt bedeuten.
  • Im Alter von 12 Jahren spielte er seine erste Hauptrolle am Bonner Schauspielhaus.
  • 2003 macht es seinen Abschluss an der Stage-School of Music, Dance & Drama in Hamburg
  • Spielte das Biest in "Die Schöne Und Das Biest" und das Phantom in "Das Phantom Der Oper"
  • 2008 übernimmt er am Theater im Koblenz die Rolle des Faust in "Faust Der Tragödie Erster Teil"
  • Arbeitete im Europa-Park in den Wintersaisons von 2006-2009
  • Aktuell ist er in seiner Zweimann-Komödie "Dracula - Zwei reichen völlig." zu sehen.

  • Wir haben Herrn Becker getroffen und ein bisschen über seine Zeit im Europa-Park sowie die ?ra zuvor und sein Werdegang danach gesprochen:

    EPFans.info: Herr Becker, drei Jahre lang waren Sie auf der Bühne des Globe-Theaters in den Hauptrollen zu sehen. Hier ein paar Erinnerungsfotos:


    Wie kam es seinerzeit dazu?

    Becker: Wie fast immer beginnt ein Engagement mit einem Telefonat. Ich spielte damals in Bonn Theater und sa? in der Maske, als mein Handy klingelte. Am Apparat war Nick Schnaus, damaliger Künstlerische Leiter des Europa-Park, und erzählte mir etwas von einem engagierten Vorhaben eine Weihnachtsmuscialshow in ?Deutschlands grö?tem Freizeitpark? zu etablieren. Das Gespräch dauerte vielleicht 20 Minuten und ehrlich gesagt war ich mehr als skeptisch. Ich hatte noch nie etwas vom Europa-Park gehört und die Aussicht in einem Freizeitpark zu spielen erschien mir wenig reizvoll. Diese Skepsis verflüchtigte sich jedoch als der Name Patrick James O`Connell (Autor und Regisseur von ?Onkel Scrooge`s Abenteuerlicher Reise? und ?A very British Christmas?) fiel. Wir hatten in Hamburg schon einige Male zusammen gearbeitet und wir besitzen einen ähnlichen Humor. Eine Tatsache, die die Zusammenarbeit zwischen Schauspieler und Regisseur erheblich erleichtert. Also habe ich etwas getan, was ich vorher noch nie und seither nie wieder getan haben; ich habe spontan zugesagt.

    EPFans.info: Dann mussten Sie gar nicht vorsprechen?

    Becker: Nein.

    EPFans.info: Und Sie haben zugesagt, ohne den Park oder das Stück zu kennen, in dem Sie spielen sollen?

    Becker: Richtig.

    EPFans.info: Was war Ihr erster Eindruck vom Europa-Park?

    Becker: Wir haben im ersten Jahr schon Anfang November zwei Wochen geprobt. Das Erste was ich vom Park gesehen habe, war die Deutsche Stra?e, in deren Häusern die Künstler untergebracht sind. Ich bezog mein Zimmer neben Ornella De Santis, mit der mich bis heute eine enge Freundschaft verbindet. Wir haben uns ein Klo geteilt, da lernt man sich schnell kennen! Im Park selber war noch alles auf Halloween getrimmt und nach und nach verschwanden die Kürbisse und machten Platz für die Blautannen.

    EPFans.info: Sie haben sich ein Bad mit Frau De Santis geteilt?

    Becker: Ja. Damals grenzten jeweils zwei Zimmer an ein, in der Mitte liegendes, Bad. Wenn Die Türen offen standen, was meistens der Fall war, war es geradezu geräumig!

    EPFans.info: Sie haben also nur zwei Wochen für ?Onkel Scroogeʻs Abenteuerliche Reise? geprobt?

    Becker: Nein nach dem ersten Probenblock bin ich wieder nach Hamburg geflogen. Eine Woche vor Parkeröffnung begannen dann die Endproben. Letztlich waren es also drei Wochen, was dennoch sehr wenig Zeit war, da es einige Schwierigkeiten im Globe-Theater zu beheben galt.

    EPFans.info: Schwierigkeiten?

    Becker: Der Live-Gesang stellte Techniker und Technik vor einige Probleme. Das Globe hat eine ganz eigene Akustik und die Tatsache, dass es kein richtiges Dach gibt sorgt nicht nur für ein sehr frisches Arbeitsklima, sondern stellt auch tontechnisch ein Problem dar, da sich die Akustik je nach Wetterlage verändert.

    EPFans.info: Wir hatten zwischen 2006 und 2009 ja einige sehr harte Winter. Haben Sie im Theater gefroren?

    Becker: Das kommt darauf an, wo im Theater sie sich aufgehalten haben. Backstage war es dank etlicher Heizstrahler oft viel zu warm und drau?en auf der Bühne traf sie dann die kalte Realität wie ein Faustschlag. Wir haben auf der Bühne mal 2°C gemessen und das obwohl die Scheinwerfer eine enorme Hitze verbreiten. Immerhin konnten wir uns während der Show noch bewegen. Mein Mitgefühl besa?en vor allem die hunderte von Zuschauern, die jeden Tag in Anorak und Schal auf den eiskalten Holzbänken Platz nahmen.

    EPFans.info: Sie sprachen es gerade selber an. Die Shows waren recht lebhaft inszeniert und das mussten Sie bis zu vier mal am Tag spielen. Wie anstrengend war das für Sie?

    Becker: Anstrengend ist es insofern, als das sie mit Ausnahme von Heiligabend und dem 1. Weihnachtsfeiertag keinen Tag frei haben. Das gibt es sonst am Theater nicht. Sie haben pro Woche mindestens einen freien Tag und wenn sie gro?e Rollen spielen auch zwei und drei Tage Zeit um sich zu erholen. Das ist im Park anders und durchaus gewöhnungsbedürftig. Aber ich bin diesem Beruf verfallen und auf einer Bühne zu stehen ist immer ein Geschenk. Also gab es vier Geschenke pro Tag und das ist doch nicht schlecht, oder? (lacht) Aber im Ernst, sobald und solange sie auf der Bühne stehen macht Ihnen das alles nichts. Weder die Kälte noch die Häufigkeit der Shows. Schlimmer sind die Zeiten zwischen den Shows. Das war, gerade um die Mittagszeit, ziemlich stressig, weil sie zwischen den Vorstellungen nur 45 Minuten Zeit haben. Das ist zum rüber rennen in die Kantine, essen und zurück rennen nicht gerade viel. Und ich hasse es mit vollem Magen auf der Bühne zu stehen. Aber irgendwie ist auch das gegangen.

    EPFans.info: Wie verbringt ein Schauspieler seine Freizeit in Deutschland grö?tem Freizeitpark?

    Becker: Welche Freizeit? (lacht) Also bei vier Shows am Tag kann von Freizeit nicht die Rede sein, zumal ich fast jeden Abend noch Extraveranstaltungen hatte und nicht selten waren es gleich mehrere. Ich erinnere einen Abend kurz vor Weihnachten, an dem wir einen Fahrer mit Caddy hatten, der nichts anderes tat, als uns bei minus 10°C, in dünnen Galakostümen zwischen fünf Veranstaltungen hin und her zu fahren. Spass ohne Grenzen! - An Tagen mit nur zwei Shows haben wir die Möglichkeiten im Park allerdings schon ausgenutzt. Ich bin ein leidenschaftlicher Achterbahnfahrer!

    EPFans.info: Wie ist es Ihnen bei dem ganzen Stress und den kalten Wetterverhältnissen gelungen nicht krank zu werden?

    Becker: Gar nicht. Eigentlich war jeder im Ensemble einmal pro Saison krank. Da konnte man sich schon fest drauf verlassen. Je nach Schweregrad der Erkältung war es manchmal mit der Stimme nicht so einfach.

    EPFans.info: Ist je eine Show ausgefallen?

    Becker: Ausgefallen glaube ich nicht, aber 2007 hatte ich eine Lungenentzündung und musste zwei Tage pausieren. Patrick James OʻConnell hat mich vertreten was, wie ich später auf einer DVD sah, für alle die Zeuge dieser Vorstellungen wurden, ein echtes Erlebnis war. (lacht)

    EPFans.info: Wieso?

    Becker: Patrick leidet unter Höhenangst und hat sich zunächst nur unter Protest und später gar nicht mehr auf die Wolke gewagt. Das Ding war allerdings auch wirklich ziemlich wacklig.

    EPFans.info: Hatten Sie eine Lieblingsrolle?

    Becker: Das kann ich so schwer beantworten, weil der Geist und Duff sich so stark voneinander unterscheiden. Als Schauspieler mochte ich beide Charakteren. Privat finde ich den Geist aus Scrooge angenehmer.

    EPFans.info: Wenn man es genau nimmt haben Sie in den drei Jahren ja genau genommen drei verschiedene Shows gespielt.
    2009 kam es, für die Parkbesucher überraschend, zu einem Stückwechsel mitten in der Wintersaison. Es folgte nach einem Theaterstück ein "Musical-Best-Of" (Siehe Video:)


    Wie kam es dazu?

    Becker: Dazu kann ich Ihnen leider nichts sagen. Es kamen damals einige parkinterne Dinge zusammen.

    EPFans.info: Dann lag es nicht nur an Krankheitsausfällen?

    Becker: Nein.

    EPFans.info: Was ist Ihnen am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben?

    Becker: Die Parkeröffnung 2006. Ich hatte zwei Tage zuvor eine Gala im Traumpalast moderiert und im Anschluss daran fragten mich die Verantwortlichen der Abteilung Show&Event, ob ich nicht Lust hätte, den Park zu eröffnen. Auf die Frage was mich denn da erwarten würde antwortet man mir: 10.000 Weihnachtsmänner. Und so war es! Wissen Sie, als ich an der Schauspielschule war habe ich mir die unterschiedlichsten Szenarien vorgestellt. Aber das ich einmal in einem grünen Weihnachtsmannkostüm auf einer Hebebühne stünde und in ein Meer von 10.000 Freizeitparkbesuchern blicken würde, die allesamt als Weihnachtsmänner verkleidet sind! - Ganz ehrlich, ich hatte keine Ahnung.

    EPFans.info: Wo haben sie genau studiert und was?

    Becker: Ich habe an der Stage-School in Hamburg studiert. Gesang, Tanz und Schauspiel.

    EPFans.info: Wie lange dauert so eine Ausbildung?

    Becker: Drei Jahre. Sie haben aber 5 bis 6 mal die Woche 10 bis 12 Stunden Unterricht. Dagegen wirkt ein Engagement im Park geradezu wie Urlaub! (lacht)

    EPFans.info: Nun liegt Ihre Zeit im Park ja schon einige Jahre zurück. Was haben sie seither getan?

    Becker: Ja wo soll ich da anfangen. Das waren einige Produktionen seither. Zu den schönsten gehörten zwei Europatourneen 2009 und 2010. Im ?Phantom der Oper? habe ich die Titelrolle gespielt, eine Figur, die mir wirklich sehr ans Herz gewachsen ist und in ?Anatevka? an der Seite von Gunther Emmerlich und Tony Marshall den Wachtmeister, einen eher bösen Charakter.

    EPFans.info: Tony Marshall in einer Musicalproduktion?

    Becker: Ich wei?, man traut es ihm nicht zu, aber er hat sich die Hauptrolle, Tevje den Milchmann, mit Gunther Emmerlich geteilt und er hat das hervorragend gespielt!

    EPFans.info: Was machen Sie im Moment, wo spielen Sie?

    Becker: Bis vor ein paar Wochen haben wir meine aktuelle Zweimann-Komödie in Köln gespielt. Das Stück hei?t ?Dracula - Zwei reichen völlig? und ist der Versuch den gesamten Dracula Epos mit zwei Schauspielern auf die Bühne zu bringen, was zu ungeheuer komischen Momenten führt.



    EPFans.info: Sie sind wirklich nur zu zweit?

    Becker: (lacht) Ja, es sind 19 Rollen, die meine Kollegin Victoria Wiese und ich abwechselnd übernehmen. Alles Szenen- und Kostümwechsel geschehen auf der Bühne und das alles bei einem ziemlich hohen Grundtempo. Wenn Sie das sechs mal die Woche spielen, sparen sie sich das Fitnessstudio.

    EPFans.info: Und Sie haben das Stück geschrieben?

    Becker: Ja, geschrieben und inszeniert.

    EPFans.info: Ist das Ihre erste eigene Produktion?

    Becker: Nein. Ich habe zwei Musicals geschrieben. ?A New World? für das Altonaer Theater in Hamburg. Das war gleichzeitig unsere Abschlussarbeit für die Stage-School und ?Gala On Tour? für das Theater ?Die Baustelle? in Köln.

    EPFans.info: Dann komponieren Sie die Musik und schreiben die Texte?

    Becker: Teils teils. Ich spiel die Instrumente Klavier und Gitarre und schreibe auch Musik. Für die Musicals habe ich bisher allerdings mit Komponisten zusammen gearbeitet. Besonders für ?A New World?, was eine ziemlich gro?e und aufwendige Produktion war hat Stefan Seveking die Musik geschrieben.

    EPFans.info: Was sind Ihre nächsten Projekte?

    Becker: Wir arbeiten daran mit ?Dracula - Zwei reichen völlig.? auf Deutschlandtour zu gehen. Ansonsten gibt es einige Angebote, aber im Showbiz darf man nie über ungelegte Eier sprechen. (lacht) Alle Schauspieler sind von Berufswegen abergläubisch. Und bei mir hält sich das noch in Grenzen. - Aber ich sagʻs trotzdem nicht. (lacht)

    EPFans.info: Eine letzte Frage. Könnten Sie sich vorstellen wieder einmal im Europa-Park zu arbeiten?

    Becker: Ja das kann ich mir vorstellen. Ich habe die Zeit in sehr guter Erinnerung. Es waren Anekdotenreiche drei Jahre und wann immer ich mit Ornella, Steffi, Saskia oder Stefan spreche sind wir uns da einig. Der Job im Park unterscheidet sich in vielen Dingen von einem gewöhnlichen Theaterengagement. Und darin liegt auch der Reiz. Es herrscht ein sehr familiäres Klima zwischen den Künstlern und den Mitarbeitern im Park und das macht die Arbeit, so anstrengend sie auch oft war, sehr angenehm.


    Weitere Infos über Boris Becker finden sich auf seinem Youtube-Kanal: DemSchauspieler

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    Kommentare

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    flydive: 09.06.2011 - 20:16
    Dieses "Musical Best of" bleibt unvergesslich. Phantom der Oper, Wicked, etc....... herrlich. Gelernte Musical-Schauspieler mit Herz und Stimme...leider ist das Programm im Globe in letzter Zeit etwas flach...aber ich habe Hoffnung

    JuLa1409: 09.06.2011 - 17:25
    Echt toll :)

    JeJo: 08.06.2011 - 21:15
    Vielen Dank für das tolle "Interview"!