Die Hardcore-Fans kommen mehr als 200 Mal im Jahr

Europa-Park: Die Hardcore-Fans kommen mehr als 200 Mal im Jahr


Der Europa-Park in Rust hat viele Freunde und auch eingefleischte Fans. Einige von ihnen haben sich sogar zu einem Verein zusammengeschlossen: den EP-Fans, dem offiziellen Europa-Park-Fanclub.

RUST. Marc Terenzi überrollt die Europa-Park-Fans mit seinem Enthusiasmus. Der Meister der Horror Nights ist selbst so begeistert von seiner Show, dass die Fans dagegen wenig euphorisch wirken. "Das 3 D-Labyrinth ist doch der Wahnsinn! Crazy, right?", fragt er am laufenden Band auf seiner Backstage-Tour in der vergangenen Woche exklusiv für drei Vertreter des Clubs. Andreas Wurzer, Klaus Bernhardt und Jan Füssel bestaunen artig dreidimensionale Bilder von blutigen Zombies und irren Clowns.

Als Jan Fotos schießt, um sie später auf der Homepage der EP-Fans zu veröffentlichen, ist Marc sofort an seiner Seite. "Setz dir deine 3D-Brille auf und guck? mal aufs Display", drängt er Jan. Die räumlichen Effekte sind auch auf dem Foto zu sehen. "Crazy, right?" Als der Gang durch die Gruselgalerie beendet ist, atmet Andreas Wurzer erleichtert auf. Seine Lieblingsveranstaltung im Europa-Park ist die Eisshow.

Der Europa-Park-Fanclub mit Sitz in Weil am Rhein ist ein Zusammenschluss von deutschsprachigen Europa-Park-Begeisterten und organisiert sich primär über die Homepage. Rund 3500 Nutzerprofile verzeichnet die Seite. Zu den zwei großen Treffen im Jahr, einmal im Sommer, einmal im Winterreisen stets zwischen 100 und 300 Fans aus Deutschland, der Schweiz und Österreich an. Dabei gewährt der Europa-Park seinen Getreuen meist ein kleines Bonbon: Vor oder nach dem Tagesbetrieb gehört den EP-Fans bei ihren Treffen eine Attraktion alleine.

Auch an diesem Tag werden die drei Vertreter etwas hofiert. Sina Krenz vom Europa-Park ist bei der Führung durch Marc Terenzis Gruselkabinett dabei und unterhält sich mit Jan Füssel:"Ihr seid seit zehn Jahren loyal, arbeitet mit, nicht gegen uns. Nur deswegen können wir euch im Vorhinein die Horror Nights zeigen." Füssel kooperiert offensichtlich gern mit dem Europa-Park. Welche Bilder er auf die Homepage stellen darf, um den EP-Fans eine kleine Vorschau auf das Spektakel zu gewähren, spricht er mit Sina Krenz ab. Währenddessen zeigt Marc Terenzi den übrigen zwei Fans, was die Besucher im House of Possessions, dem Haus der Besessenen, ab dem 23. September erwartet: Hier schlachtet ein Doktor einen irren Patienten, dort schmeißt jemand Schädel in einen Mixer. "Crazy, right?"

Die gemäßigten EP-Fans besuchen den Park etwa 30 bis 40 Mal im Jahr. Jan Füssel erzählt von Zeiten, in denen er sechzig Mal im Park gewesen sei. Klaus Bernhardt weiß von Hardcore-Fans, die über 200 Mal im Jahr den Europa-Park aufsuchen. Einige von ihnen fingen irgendwann an, dort zu jobben. Europa-Park und Fangemeinde arbeiten eng zusammen. Der Park hat gelernt, dass die konstruktivste Kritik von den Fans kommt. Ihre Meinung ist häufig gefragt. Neuheiten, wie etwa Filme, werden manchmal an ihnen ausprobiert, bevor sie der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Nach den Horror Nights besichtigen die Fans noch den Fortschritt am Bau der Holzachterbahn im Themenbereich Island. "Ich habe mal nachgerechnet. Die Bahn muss eine Mindestgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern haben. Die wird ganz schön pfeffern", sagt Jan. Sina Krenz vom Europa-Park muss passen. "Herr Füssel weiß meistens mehr als ich", sagt sie lachend. Ein Anruf klärt die Sachlage: Zwischen 20 und 100 Stundenkilometer werden die Wagen auf der Holzachterbahn schnell. Beim nächsten großen EP-Fan-Treffen am 10. Dezember gibt es auf der Baustelle gewiss Neues zu sehen. Aber so lange wartet eh kein richtiger Fan, bis er wieder in den Europa-Park geht.

© Badische Zeitung vom 23.09.2011 - Bericht von Charlotte Janz

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