Interview mit Herrn Ralf D. Stumpf (Direktor Shopping & Games) im Juli 2012



Im Jahr 2010 hatten die Teilnehmer des damaligen Sommerfantreffens die Möglichkeit Herrn Ralf D. Stumpf (Direktor Shopping & Games) einige Fragen in der Gesprächsrunde zu stellen. 2 Jahre später haben wir nun das nachfolgende Interview mit ihm für Euch geführt. Mit unseren Fragen bekommt ihr einen kleinen Einblick in die Welt des Bereichs Shopping im Park.


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Es gibt immer wieder Fans, die gerne im Europa-Park arbeiten würden. Wie war Ihr beruflicher Weg in den Europa-Park und wie lange arbeiten Sie bereits für den Park?

Ralf D. Stumpf: Ich glaube, mein Weg war etwas exotisch. Meine Eltern führten bereits seit der Eröffnung des Europa-Park im Jahre 1975 die Souvenirbetriebe. Aus diesem Grund war ich bereits als 10-jähriger fast jedes Wochenende im Europa-Park. Meine "berufliche" Karriere begann als Schüleraushilfe. Zu meinem Tätigkeitsbereich gehörten beispielsweise der Verkauf von Eis, Luftballons, Bildern und die Verteilung der Fotomarken an der Wildwasserbahn. Obwohl ich auch Jobs an der damaligen "Monza-Piste", "Panoramabahn", dem damaligen "Mississippi-Dampfer" etc. absolvierte, blieb ich primär dem Bereich "Souvenir" treu. Nach Abitur und Wehrdienst absolvierte ich ein duales, betriebswirtschaftliches Studium in Zusammenarbeit mit Mack Rides. Danach wechselte ich 1992 wieder in den Einzelhandelsbereich des Europa-Park, wo ich - über einige Stationen - nun Direktor Shopping & Games geworden bin.

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Welche Aufgaben haben Sie als Direktor Shopping & Games? Wie sieht ein Tag bei Ihnen aus?

Ralf D. Stumpf: Nun, da geht es zunächst um die Filialstruktur. Welches Sortiment, wo und gegebenenfalls mit welchem Partner kooperiert werden soll. Welche Thematik soll die Filiale erhalten und wie ist ein Standort zu optimieren. Es folgen Gespräche mit der Geschäftsführung, Mack Solutions und dem Baumanagement. Auch der Bau selbst wird begleitet, da sich Detailfragen auch oft in der Bauphase ergeben. Es folgt dann die Bestimmung des Sortiments, was bei rund 17.000 Referenzen keine kleine Sache ist. Hier geht es primär um Qualität, Design, die Einbindung von Partnern und selbstverständlich die Preisstrukturen. Ein weiteres wichtiges Thema sind die Mitarbeiter. Dazu gehören das Abstimmen von Personalstrukturplänen, Vorstellungsgespräche bei Mitarbeitern der Administration, Mitarbeiterfeedbackgespräche führen und der Versuch den Kontakt und Austausch zu den Kolleginnen und Kollegen im Verkauf zu halten. Selbstverständlich folgt dann noch das betriebswirtschaftliche Management, Kostencontrolling, warenwirtschaftliche Analysen etc. Bei all den genannten Tätigkeiten darf man nicht vergessen, dass ich von den Kolleginnen und Kollegen sehr kompetent unterstützt werde. Ich lege Wert auf eine tolle Teamleistung und führe kooperativ.
Der Tagesablauf gestaltet sich somit, je nach Saison, sehr unterschiedlich. In der Offseason sind es die vorbereitenden Arbeiten auf die Saison, in der Saison stehen die operativen Arbeiten für das laufende Geschäft im Vordergrund. Es ist mir wichtig "Bodenhaftung" zu bewahren und Lösungen für das Basisgeschäft ebenso wie für das strategische Geschäft zu entwickeln.

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Wie viele Shops hat der Europa-Park?

Ralf D. Stumpf: Es sind derzeit 61 Filialen, ich wähle den Terminus Filialen, weil hier Shops und Kioske vereint sind.

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Wie viele Mitarbeiter arbeiten im Bereich Shopping?

Ralf D. Stumpf: Das ist von Saisonabschnitt zu Saisonabschnitt sehr unterschiedlich und auch die Beschäftigungsverhältnisse (Teilzeit-/Vollzeit, Saison-, Aushilfen und Festangestellte) unterscheiden sich. Der Europa-Park hat in der Saison rund 3.400 Mitarbeiter.

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Es gibt immer Artikel, die sich gut verkaufen und Ladenhüter. Welche waren die Verkaufsrenner in der letzten Sommer- und Wintersaison?

Ralf D. Stumpf: Nun, die Ride-Fotos sind da klarer Sommer-/Winter-Sieger, gefolgt von Plüsch-Euromaus(i) und Popcorn. Im Winter kommen dann noch die Plüschtiermützen dazu.

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Welcher Artikel war bisher die größte Überraschung vom Verkauf her für Sie und welcher ließ sich unerwartet schlecht verkaufen?

Ralf D. Stumpf: Es ist für mich sehr überraschend, wie viele Bälle (insb. Fußbälle) wir verkaufen. Das hätte ich gar nicht vermutet. Weniger erfolgreich sind wir mit allen Arten von Spielen, das scheint nicht in die Zeit oder nicht zum Europa-Park zu passen.

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Können sie uns sagen wie viele verschiedene Artikel es im Sortiment des Europa-Park derzeit gibt?

Ralf D. Stumpf: Ich kann sagen, wie viele Referenzen wir haben. Unser System führt heute 57.336 Referenzen, im Bestand sind 16.536 Referenzen. Sie erkennen daran die hohe Innovationskraft. Das System führt alle Referenzen der letzten 4 Jahre. Bestandsaktiv sind deutlich weniger, da Altes durch Neues ersetzt wird. (Anm.: Eine Referenz ist ein Artikel in seiner Unterschiedlichkeit; ein blaues T-Shirt mit EUROMAUS in Größe S ist eine andere Referenz als der gleiche Artikel in Größe M).

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Gibt es Artikel, die aufgrund von Anregungen der Parkgäste, ins Sortiment aufgenommen wurden?

Ralf D. Stumpf: Selbstverständlich, denn nur wenn man die Augen und Ohren am Markt hat, kann man erfolgreich sein. Wir erhalten über unsere Mitarbeiter/innen und via Mail immer wieder Hinweise und Anregungen.

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Wie zu jeder Achterbahn gibt es auch zur neuen Holzachterbahn Shopping-Artikel. Erwarten uns da Artikel, die es in dieser Form bisher im Park nicht gab oder gibt es das Standardprogramm wie z.B. T-Shirts?

Ralf D. Stumpf: Zum einen muss man die Klassiker „TMC – T-Shirt, Cap und Mug“ bedienen. Zusätzlich werden wir Original-Holzabschnitte der Bahn anbieten, mit einer Laserung und der limitierten Nummer

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Wo sind die WODAN Artikel käuflich zu erwerben? - In den bereits bestehenden Shops von Island oder entsteht ein neuer Shop dafür?

Ralf D. Stumpf: Wir bieten die Artikel im WODAN Video-Hus und FALLEGUR an, somit in einem neuen und einem bestehenden Shop.

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Wird das Angebot des Online-Shops sehr gut angenommen?

Ralf D. Stumpf: Wir sind mit dem nun dritten Shop in 2012 einen sehr wichtigen und notwendigen Schritt gegangen, wir haben die Sortimente des Parks miteinander verzahnt. Insofern konnten wir seit Mai einen kleinen Quantensprung verzeichnen. Dennoch ist Merchandise ein Artikel, der von der Emotion des Erlebten lebt und da ist das direkte Parkgeschäft natürlich ein gutes Stück voraus.

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Wie lange dauert ca. die Einführung eines neuen Artikels im Sortiment von Idee bis zum Verkauf im Shop?

Ralf D. Stumpf: Das kann innerhalb von 24 Stunden gelingen; es kann allerdings auch gut 8 Monate dauern. Das ist unterschiedlich, weil es Artikel gibt, die sofort ins Sortiment passen, andere müssen erst in aufwändiger Detailarbeit zur "Serienreife" getrieben werden.

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Sind im Bereich Shopping in den nächsten Jahren weitere Veränderungen geplant ? Wenn ja, können sie uns einen kleinen Ausblick geben?

Ralf D. Stumpf: Der Handel ist Wandel, das Anpassen an die Käuferwünsche einerseits und das Gestalten von Käuferwünschen andererseits garantiert den Erfolg. So ist unser Sortiment fast täglich Änderungen unterworfen und mit jeder Saison werden neue Filialen gegründet und Ältere renoviert und verändert. Das, was ins Thema passt und Anklang beim Kunden findet wird sich auch über viele Jahre behaupten können, anderes ist bereits in wenigen Tagen ein sichtbarer Misserfolg. Von beidem ist zu lernen und ab und an wiederhole ich einen alten Fehler, denn zuweilen war man der Zeit vielleicht nur voraus. In Punkto Ausblick möchte ich nur soviel sagen, dass der Schwerpunkt unserer Arbeit noch klarer auf dem Ausbau der eigenen Marke liegen wird … lassen Sie sich überraschen!

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Warum gibt es im EP so viele Markenshops wie z.B. Nici, Milka, Leonardo, Mustang Jeans, ??? Gab es da eine Nachfrage bei den Parkgästen oder wie kam es zur Entscheidung Marken in den Park zu holen?

Ralf D. Stumpf: Zunächst erscheint mir weniger als 1/7tel nicht „viel“, es ist aber interessant, dass Sie es so erleben. Obgleich wir mit dieser Politik erfolgreich sind, ist die Antwort auf die Fragestellung dennoch komplexer. Zunächst sehen wir mit den Brandshops eine Möglichkeit, die Kooperation mit unseren Partnern zu leben. Des weiteren macht dies nur Sinn, wenn der Gast unser Angebot annimmt und sich durch Kauf von Artikeln mit diesem Angebot einverstanden erklärt. Zuweilen sind es aber auch „Problemlöser“, nämlich dann, wenn es sich für uns gar nicht lohnen würde gewisse Produkte, die benötigt werden, unter eigener Marke herstellen zu lassen. Ein weiterer Grund ist das Cobranding, also die Möglichkeit beide Marken über das Produkt zu verbinden. Wenn dann noch dieses Produkt im externen Markt via dem Partner als Europa-Park Artikel vertrieben wird, ist das so ein bisschen die „Kür“. Nicht zuletzt konnte ich bei meiner letzten USA Reise in allen Parks erleben, dass nun - Jahre später - auch dort diese Filialpolitik Einzug hält. Wichtig ist allerdings, dass die eigene Identität gewahrt bleibt und das Ziel der Stärkung der eigenen Marke nicht aus dem Blick gerät

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Im Europa-Park kann man mittlerweile an sehr vielen Attraktionen Actionfotos kaufen. Wenn man mehrere käuflich erwerben möchte, wird es in Summe sehr kostspielig. Was halten sie davon, wenn man den Kauf von mehreren Fotos bei einem Parkbesuch lukrativer für den Parkgast macht, indem man ihm einen Rabatt ab dem xten Actionfoto einräumen würde?

Ralf D. Stumpf: Das ist ein schönes Beispiel für eine Idee, die früher angegangen wurde, nicht gelang und nun erneut versucht wird. Ich bin ganz Ihrer Meinung, es sollte sinnvoll und erfolgreich sein, und daher werden wir in diesem Jahr noch einen weiteren Versuch unternehmen.

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Wir bedanken uns für das Interview und die Freigabe zur Veröffentlichung beim Europa-Park.