Interview mit Herrn Hendrik Schwarzer im August 2013


Musik ist aus dem Parkbild des Europa-Park nicht weg zu denken. Sie baut Spannung auf, weckt die Phantasie oder lädt ein zum Entspannen und Genießen.
2011 hinterließ erstmals Hendrik Schwarzer seine Handschrift im Park. Er komponierte die Parkhymne. Mit dem „Belarus Philharmonic Orchestra“ in Minsk nahm er den Soundtrack auf. Es folgte der Soundtrack für die Holzachterbahn WODAN und über sein neuestes Europa-Park Werk spricht er im folgenden Interview, dass wir mit ihm führen durften.
Hendrik Schwarzer wurde am 04. Juni 1987 in Freiburg i. Br. geboren. Mehr über ihn erfahrt ihr unter http://www.europe-concert.eu/hendrik_schwarzer/komponist.html

Hendrik Schwarzer


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Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Europa-Park?

Hendrik Schwarzer: Der Park hat mich bereits als Kind in seinen Bann gezogen. Die Atmosphäre, die Themenwelten und Attraktionen schaffen eine unglaublich tolle Illusion. Hierfür zu komponieren war und ist ein echter Kindheitstraum für mich.
Thomas Mack lernte ich dann vor einigen Jahren über ein Orchesterkonzert kennen, welches ich zum Thema Europa komponiert hatte.
Wenig später schrieb ich Thomas eine Partitur für eine Feuerwerksmusik zum 35-jährigen Jubiläum des Europa-Park.
Er war begeistert, sehr interessiert, hat mir viele Fragen gestellt und es stellte sich heraus, dass wir eine gemeinsame musikalische Basis besitzen, da Thomas selbst Musiker ist.
Seine Idee war dann, einen einheitlichen Soundtrack zu schaffen, der für den Europa-Park steht und dessen Charakter unterstreicht.
Es war unser erstes gemeinsames Projekt, aus dem sich dann eine echte Freundschaft entwickelt hat.

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Wo und wie lässt Du Dich für eine Komposition inspirieren?

Hendrik Schwarzer: Ich glaube man muss als Komponist die emotionale Essenz eines Themas extrahieren und damit arbeiten.
Genau diesen Kern muss man ja im Grunde verstärken. Manchmal kann man aber auch genau das Gegenteil davon tun, also eine Art Kontrapunkt schaffen.
Zu Beginn muss man erkennen, was man fühlt, wenn man z.B. durch das große Tor von Wodan läuft oder mit dem EP-Express durch den Park fährt und alles aus einer gewissen Distanz beobachtet und erfährt.
Für einen Park zu schreiben, bedeutet auch immer schnell in unterschiedliche Thematiken zu schlüpfen ohne plakativ zu klingen.

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Kennst Du auch klassische Musik aus anderen europäischen Freizeitparks, wie z.B. Efteling in den Niederlanden?

Hendrik Schwarzer: Ich habe den Park nie besucht, aber ich kenne die Musik von Jerry Goldsmith, John Debney oder Bruce Broughton, die ganz erstaunliche Werke für Disney-Attraktionen in den USA geschrieben haben.

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Für welche Europa-Park Attraktion würdest Du gerne einen neuen Soundtrack komponieren, wenn Du wählen dürftest?

Hendrik Schwarzer: Die Attraktionen, die ich bisher vertont habe, hätte ich vermutlich auch gewählt. Der Eurotower ist zwar keine Hauptattraktion, aber es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht dafür zu schreiben, da es den Europa-Park als Ganzes reflektiert.
Wodan hingegen hat was martialisches, großes, was mich ebenfalls total fasziniert hat.
Ein großer Wunsch von mir war, einen neuen Soundtrack für die Raumstation Mir-Ausstellung (nicht die Achterbahn) zu schreiben.
Das ist ein wunderbares Stück Geschichte dort und eines dieser Einrichtungen, die dem ganzen Park auch einen gewissen Tiefgang verleihen, etwas was ich in den meisten anderen Parks vermisse. Also habe ich einfach etwas dafür geschrieben, weil es mich inspiriert hat.
Der neue Soundtrack läuft inzwischen seit ca. einer Woche in der Raumstation.
Wer möchte kann hier in den Soundtrack reinhören: https://soundcloud.com/hendrik-schwarzer/an-ode-to-mir.

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Könntest Du Dir vorstellen auch mal für eine Europa-Park Show etwas zu komponieren? Wenn ja, für welche?

Hendrik Schwarzer: Showmusik würde mich total interessieren. Mir gefallen die Eisshow und das Varieté. Mal sehen, was die Zukunft bringt ;-).

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Wie lange dauert eine Komposition?

Hendrik Schwarzer: Je nach Aufwand und Dichte der Instrumentation schaffe ich in der Regel 1-2 Minuten Orchestermusik am Tag.

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Hast Du ein Vorbild unter den Komponisten? Wenn ja, wer ist es?

Hendrik Schwarzer: Oh ich liebe so ziemlich alles von Stravinsky (seine Orchestrationen sind genial), Mahler, Debussy, Ravel, John Williams, Alan Silvestri.

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Wie viele Stücke komponierst Du im Schnitt in einem Jahr?

Hendrik Schwarzer: Das ist sehr unterschiedlich, je nach Projekten und Aufwand.

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Könntest Du Dir vorstellen ein Stück für eine Maze bei den Horror Nights vom Europa-Park zu komponieren?

Hendrik Schwarzer: Ja und nein. Vermutlich würde es anders klingen. Ich finde jedoch Benny Richter macht seinen Job hier richtig gut!

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Wir wissen von Dir, dass Du auch ein großer Europa-Park Fan bist. Wann war Dein erster Besuch im Park und welches sind Deine Lieblingsattraktionen, Themenbereiche und Shows?

Hendrik Schwarzer: Wir waren früher jedes Jahr einmal im Europa-Park, ein Event das Weihnachten für mich noch überstrahlte. An meinen ersten Besuch kann ich mich jedoch nicht erinnern.
Ich bin ein bekennender Eurosat-Fan. Die Bahn hat etwas Besonderes. Allein die Tatsache, dass sie von Thomas Opa selbst geplant und erbaut wurde finde ich klasse.
Im Übrigen gefällt mir auch die Architektur der Kugel. Eine Art Hommage an Buckminster Fuller, der selbst ebenso wie Franz Mack ein erstaunlich innovativer Visionär war.

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Gibt es eine Zeit die Du besonders gern im Park magst? (Halloween, Winter, Sommer, …)

Hendrik Schwarzer: Im Frühling und Sommer sind die Parkanlagen einfach am Schönsten. Was die Gärtner hier leisten, trägt entscheidend zur Magie des Europa-Park bei.

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Wie sieht ein Arbeitstag von Dir aus?

Hendrik Schwarzer: Zusammen mit meinem Kompagnon führe ich ein Studio mit mehreren Angestellten bei Freiburg.
Neben den Musikprojekten, wie z.B. für den Europa-Park entwickeln wir Software und Tools für Filmkomponisten und exportieren hauptsächlich in die USA.
Dort werden unsere Produkte dann für die Produktion von Serien-Soundtracks bis hin zu großen Hollywood-Produktionen verwendet.
Wenn ich selbst schreibe, beginne ich meistens am Flügel Zuhause. Dort entwickle ich Melodien, Themen und grobe Instrumentationsentwürfe.
Daraus entsteht dann später im Studio der Soundtrack, der dann im Optimalfall von einem Orchester eingespielt wird.

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Wir bedanken uns für das Interview.